Tauschwald Artenschutz könnte Windrad-Projekt kippen

Von Torsten Ströbele 

Ein aktuelles Gutachten zeigt, dass am geplanten Windrad-Standort streng geschützte Vogelarten brüten.

Die Stadtwerke prüfen derzeit, ob sich Windräder am Tauschwald rech Foto: AP
Die Stadtwerke prüfen derzeit, ob sich Windräder am Tauschwald rech Foto: AP

Feuerbach - Im Herbst möchten die Stadtwerke Stuttgart wissen, ob sie am Tauschwald zwei Windräder bauen lassen wollen oder ob die Pläne für dieses Projekt in der Schublade verschwinden werden. „Unsere Entscheidung treffen wir, wenn wir die Auswertung der Windmessergebnisse vorliegen haben“, sagt der Sprecher der Stadtwerke, Michael Isenberg. Während die Zahlen zur Windhöffigkeit, also dem Ertrag an Windkraft, noch nicht bekannt sind, haben die Stadtwerke schon andere Fakten auf dem Tisch. Der Zwischenbericht ihres in Auftrag gegebenen Artenschutzgutachtens ist fertig und im Internet unter www.stadtwerke-stuttgart.de einzusehen.

Diplom-Biologin Barbara Eichler hat auf drei Seiten aufgelistet, welche Tierarten seit Februar 2013 im Tauschwald rund um die geplanten Windräder entdeckt wurden. Die Ergebnisse erstaunten teilweise selbst den Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND). Der Wespenbussard und der Baumfalke, beides streng geschützte Vogelarten, haben im vergangenen Jahr innerhalb eines Radius von 1000 Meter um die möglichen Standorte der Anlagen gebrütet. „Das ist zwar kein K.-o.-Kriterium für das Projekt, aber ein riesiges Problem. Ich weiß nicht, wie man das lösen kann“, sagt BUND-Regionalgeschäftsführer Gerhard Pfeifer. Vor allem der Wespenbussard, der eben nicht nur im Gebiet brüte, sondern auch sehr gerne über den Baumwipfeln jage, würde sehr schnell in den Bereich der Rotorblätter geraten. „Wir nehmen das Ergebnis des Gutachtens sehr ernst“, sagt Isenberg. „Und wir hinterfragen es auch nicht.“ Doch für die Entscheidung der Stadtwerke spielt das Gutachten keine Rolle. „Eine Bewertung werden nicht wir, sondern die Genehmigungsbehörden vornehmen“, sagt der Sprecher der Stadtwerke. Stadtverwaltung und Regierungspräsidium würden das übernehmen, wenn es dann beispielsweise um einen Bauantrag gehen sollte.

Stadtwerke legen auf Transparenz Wert

Wie sich die Behörden entscheiden, kann auch Gerhard Pfeifer nicht vorhersehen: „In Nürtingen musste eine Biovergärungsanlage aufgrund des Baumfalken an einem anderen Standort gebaut werden. Aber in Weissach durfte die Firma Porsche acht Hektar Wald roden, obwohl auch dort der Baumfalke heimisch war.“

Grundsätzlich sei der BUND ein Befürworter der Windkraft. „Aber wenn die Probleme und Konflikte so groß sind wie im Tauschwald, dann sehen wir so ein Projekt sehr kritisch“, sagt Pfeifer. Der artenschutzrechtliche Konflikt sei immens. „Dieses Gebiet ist ein absolutes Juwel.“ Das sei nicht nur der Fall, weil dort Wespenbussard und Baumfalke brüteten. Die windkraftsensiblen Vogelarten Graureiher, Rotmilan und Habicht überflogen laut Gutachten vereinzelt das Gebiet. Zudem wurden im Radius von 75 Metern um die geplanten Standorte 44 weitere Vogelarten nachgewiesen, die dort im vergangenen Jahr brüteten. Hinzu kommen elf Fledermaus- und vier Amphibienarten. „Die Untersuchungen der Vogelarten sind noch nicht abgeschlossen. Derzeit laufen auch noch Fledermaus-Dauererfassungen mithilfe von Aufnahmegeräten“, heißt es in dem Artenschutzgutachten weiter.

Die Stadtwerke wollen auf jeden Fall weiterhin alle Neuigkeiten und Ergebnisse der Gutachten schnellstmöglich öffentlich machen. „Wir wollen Transparenz“, sagt Isenberg. Die Anlagen am Tauschwald seien definitiv kein Prestigeobjekt. „Wir entscheiden am Ende ausschließlich nach unternehmerischen Kriterien.“

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