Techno mit Semf, bitte Die Headliner Teil 2

Martin Elbert, 09.12.2012 14:00 Uhr

Stuttgart- Techno-Festivals, wie wir sie heute kennen, wurden Anfang der 90er geboren. Parallel in England und in Deutschland kamen findige Veranstalter im Zuge des ersten Hypes auf die Idee, einfach alle aktuell angesagten und bekannten DJs auf eine riesige Party zu packen und so den größtmöglichen Erfolg zu generieren. An diesem Konzept hat sich bis heute meist nichts geändert, außer vielleicht die Ausrichtung im Detail. Die einen gehen auf Nummer sicher, die anderen sind um Coolness, Freshness, Experimentierfreudigkeit und Vielseitigkeit bemüht - um die großen Namen herum kommt aber keines der Happenings. Teil 2 der Headliner des diesjährigen SEMF.
 

Monika Kruse

Wenn das SEMF eine Frauenquote erfüllen müsste, würde das Festival nicht stattfinden. Hätte, würde, könnte, müsste ist aber nicht und außerdem legt die Moni, wie die Fans sagen, für 30 Frauen auf - so gut wie sie ist. Also Quote erfüllt. Brilliantes durchschlagendes Argument, aber so ist es einfach: Die Ex-Münchnerin und längst in Berlin sesshafte Kruse ist einfach gut. War sie übrigens auch schon 1995 im Unbekannten Tier, die Älteren erinnern sich vielleicht.

Seitdem ist viel passiert: Sie füllt riesige Clubs, betreibt das Label Terminal M, legt weltweit auf und produziert in ihrer Freizeit Hits und längst Klassiker wie „Latin Lover“.



Facebook-Status: Hat mit 290.000 Fans rund 77.000 Anhänger mehr als eine gewisse Angela Merkel

 

Adam Beyer

Mögen Schweden eigentlich Senf? Dem Hotdog-Stand beim IKEA nach zu urteilen: ja. Beyer ist quasi das schwedische Pendant zu Chris Liebing: Die Karriere begann Mitte der 90er und schnell stand er als DJ und Produzent und mit seinem Label Drumcode stellvertretend für „Schweden-Techno“ wie Liebing für „Schranz“. Musikalisch war das ähnlich: Schneller, harter, stupider, monotoner Techno. Wollte auch irgendwann mal der letzte Buffalo-Träger nicht mehr hören und beide wurden zunehmend braver und gediegener. Jetzt nicht mehr so stupide und schnell. Solider, ehrlicher, moderner Handwerker-Techno ohne viel Chichi und Lametta. An Decks eilt ihm der Ruf voraus, einer der Besten zu sein.


Adam Beyer – Lovecraft

 
Facebook-Status: 325.000 mögen Adam mit Se(m)nf

 


Make The Girl Dance

Für Schauspieler ist es immer doof, wenn sie auf eine Rolle reduziert werden. Deswegen hört Nina Kunzendorf demnächst auf, Tatort-Kommissarin Conny Mey zu sein. Bei Make The Girl Dance wiederum muss man einzig allein an das Nackt-nicht-nackt-Video „Baby Baby Baby“ denken, siehe unten. Dass das französische Duo mehr kann, als unbekleidete Mädels über die Straße zu schicken, haben DJ Greg Kozo und TV-Moderator Pierre Mathieu schon öfters in Stuttgart bewiesen und wollen dies nun auch auf der großen SEMF-Bühne tun. Ihr Stil erinnert an eine Melange aus Daft Punk, Justice und Chemical Brothers.


Make The Girl Dance - Baby Baby Baby ( official... von makethegirldance


Facebook-Status: 37.000 – die FKK-Szene hat es halt schwer in letzter Zeit

 

Format:B

Mit Kraft der zwei Tech-House-Herzen zum maximalen Erfolg: Wenn einer dieses Genre in den letzten Jahren total auf Eskalation ausgelegt hat, dann die Berliner Franziskus Sell und Jakob Hildenbrand. Ihre Tracks sind voll auf Floor kalkulierte, arschkickende Schiebemonster, die wahrscheinlich sogar Großraumdiscos mit Autobahnnamen wuppen. In Stuttgart haben die Berliner Labelinhaber von Formatik schon öfters gezeigt, wie der Hase kickt, und wer auf drei nicht aufm Baum ist und so weiter und so fort.


Format:B -Edding 850

Facebook-Status: 145.000 wuppen mit.

 

Karotte

Es gibt Gerüchte, Karotte wäre mit zwei Plattenspielern auf die Welt gekommen. Andere wiederum behaupten leicht böse, er würde längst in Stuttgart leben, weil er so oft hier spielt (circa einmal im Jahr, ist also nur die Wahrnehmung).

Fakt ist: Karotte frisst keine Karotten zum Frühstück sondern ernährt sich von Vinyl. Karotte ist pure DJ-Leidenschaft und immer voller Elan dabei, einer der seinen Job und sein Standing absolut ernst nimmt, sei es hinter den Decks oder auch mal als Sprachrohr an vorderster Front. Erst im Frühjahr hat er sich lautstark in der Raveline über den aktuellen Zustand der globalen Dance-Szene beschwert.

Hat er gut gemacht. Was er sonst weniger macht: Produzieren. Muss halt immer auflegen.

Karotte – Other Point of View

 
Facebook-Status: 50.000 meinen Karotte ist gut für die Augen und für die Tanzbeine