Tennis Da geht noch was

Von Anna Dreher 

Der 32-jährige Stuttgarter Michael Berrer will wieder nach oben in der Weltrangliste und am Sonntag in Biberach Deutscher Meister werden.

Michael Berrer möchte nach seiner Karriere als Sportpsychologe arbeiten. Foto: Baumann
Michael Berrer möchte nach seiner Karriere als Sportpsychologe arbeiten.Foto: Baumann

Biberach - Das Ende ist für ihn absehbar, da macht sich Michael Berrer nichts vor. Mit 32 Jahren gehört er zu den älteren Spielern auf der Tour, und irgendwann wird er sich vom Tenniszirkus verabschieden. Dann wird er nicht mehr von Turnier zu Turnier reisen, sondern daheim in Stuttgart bleiben. Doch Berrer hat noch Ziele, die ihn am Profitennis festhalten lassen. „Es gibt genug Sachen, die ich noch nicht geschafft habe, aber noch erreichen möchte“, sagt der Stuttgarter. Die Deutsche Meisterschaft gehört dazu. Gestern startete Berrer in das nationale Turnier in Biberach, gewann gegen Marc Meigel 7:5, 6:3 und kam dem Titel einen Schritt näher.

„Ich will wieder zu den Top 100 gehören und mein bestes Ranking verbessern. Vielleicht kann ich ja einen draufsetzen und einen Titel holen“, sagt er. Auch sein Trainer, der frühere Profi Louk Sorensen, traut ihm noch einiges zu. „Michael bringt viel positive Energie mit“, sagt der Ire. „Überhaupt ist er sehr strukturiert und arbeitet hart – der typische Schwabe eben.“ Berrer weiß, dass es höchste Zeit wird, wieder Erfolge zu feiern. Der Startschuss soll der deutsche Meistertitel sein, aber auch dafür muss er Gegner wie Andreas Beck schlagen.

Probleme mit vermeintlich schwächeren Gegnern

Dass Berrer nicht chancenlos ist, zeigen einige seiner Leistungen in dieser Saison. Spiele wie das Drittrundenmatch in Dubai, als er dem Olympiasieger Andy Murray beim 3:6, 6:4, 4:6 große Schwierigkeiten bereitete. Oder in China gegen den fünfmaligen Grand-Slam-Sieger Novak Djokovic beim 1:6, 7:6, 2:6. „Die Leute sagen: ‚Ja gut, der hat einen Satz gewonnen.‘ Aber ich merke: das sind Topspieler, für mich ist noch mehr drin“, betont Berrer. „Da spiele ich offensives, mutiges Tennis. Das Problem kommt bei mir eher gegen vermeintlich schlechtere Gegner.“

Es hat immer etwas gefehlt in Berrers Karriere: Konstanz. Seine beste Platzierung erreichte er im Mai 2010, als er die Nummer 42 der Welt war. Derzeit steht er auf Rang 138. „Ich bin nicht zufrieden mit meiner Karriere. Ich muss schauen, wie es weitergeht. Sonst macht es wenig Sinn, dann möchte ich etwas anderes machen“, sagt Berrer. „Aber zu viel über die Zukunft nachzudenken hilft einem im Tennis nicht, man muss sich auf den Moment konzentrieren. Und ich habe viel erlebt und Dinge erreicht, die andere vielleicht nicht schaffen werden.“

Seine letzten Turniersiege sind lange her. Vor zwei Jahren holte der Linkshänder den letzten seiner acht Titel auf der Challenger-Tour, 2011 erreichte er zum ersten Mal in seiner Karriere die dritte Runde eines Grand-Slam-Turniers – in Paris. 2012 stand er in Zagreb endlich mal wieder in einem Finale, verlor jedoch in zwei Sätzen gegen den Russen Mikhail Youzhny.

Seine kleine Tochter ist eine neue Motivation für Michael Berrer

Die „Süddeutsche Zeitung“ hat während der diesjährigen French Open über Berrer geschrieben: „Der Stuttgarter verfügt über ein Schlagrepertoire, das größer und spektakulärer ist als bei einigen Top-20-Spielern: Volleys, Treibschläge, Halbvolleys, die selbst Pete Sampras zu einem anerkennenden Nicken bewegen würden.“ Dass aus Berrer kein Topspieler geworden ist, liegt nicht an seinen spielerischen Fähigkeiten. Es ist das Mentale. In entscheidenden Situationen agiert er nicht abgeklärt genug. Dann landen seine Schläge nicht mehr dort, wo sie sollen. „Als ich mein Abitur gemacht habe, sind andere schon zu internationalen Turnieren gereist. Die entwickeln ein enormes Selbstverständnis, gegen Leute wie Roger Federer zu spielen“, sagt Berrer. „Ich habe da viel Respekt. Die deutsche Mentalität ist ja: eher klein denken. Ich glaube, das hat mich beeinflusst. Ich war ja nie verletzt.“

2013 wird für ihn mit den Australian Open beginnen. Berrer wird es schwer fallen, seine Koffer zu packen. Im Januar kam seine Tochter auf die Welt, es ist nicht leicht, von zu Hause wegzugehen. Aber sie ist gleichzeitig Motivation dazu: „Mein Traum ist, dass meine Tochter mich auf dem Centre-Court eines großen Turniers spielen sieht.“ Bis dahin will er seinen Bachelor in Psychologie abgeschlossen haben, um später als Sportpsychologe mit Nachwuchsspielern zu arbeiten. Er weiß schließlich gut genug, worauf es ankommt, um Erfolg im Sport zu haben.

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