Terminservice für Kranke Schneller zum Facharzt

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Kassenpatienten warten teils monatelang auf einen Termin beim Facharzt. Das will die Regierung ändern. Ab Montag sollen Terminservicestellen einsatzbereit sein.

Ein vertrautes Bild: Patienten warten in einer Arztpraxis auf die Behandlung.  Aber schon bei der Terminvergabe gibt es oft wochenlange Wartezeiten. Foto: dpa
Ein vertrautes Bild: Patienten warten in einer Arztpraxis auf die Behandlung. Aber schon bei der Terminvergabe gibt es oft wochenlange Wartezeiten.Foto: dpa

Stuttgart - Wie viele Patienten rufen an? Wie viele Fachärzte aus welcher Region melden freie Termine? Am Montag wird die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBV) eine Terminservicestelle eröffnen, die gesetzlich Krankenversicherte einen Termin beim Facharzt binnen vier Wochen beschert. Allerdings ist es eine Fahrt ins Ungewisse, wie die Fragen zeigen. Die baden-württembergischen Ärzte hatten sich zu 80 Prozent für ein freiwilliges Mitmachen bei der vom Gesetz vorgeschriebenen Terminvergabe entschieden. „Nach allem, was wir wissen, wird die Beteiligung unserer Ärzte hoch sein“, sagt Kai Sonntag, der KVBV-Pressesprecher.

Mit einem Überweisungsschein, der die Dringlichkeit vermerkt, können sich die Patienten telefonisch an die Terminservicestelle wenden. Für Frauenärzte und Augenärzte ist keine Überweisung nötig, geschultes Personal am Telefon soll die Dringlichkeit der Behandlung erfragen. Ausgenommen von der TTS-Vermittlung sind Kinderärzte und Psychotherapeuten.

Keine Vermittlung zum „Wunscharzt“

Die Ärzte gehen davon aus, dass viele Patienten sich auch künftig selbst in der Praxis um einen Termin bemühen werden. Eine Versichertenbefragung hatte im September 2015 ergeben, dass bundesweit nur ein Zehntel aller Patienten länger als drei Wochen auf einen Termin warten müssen. Eine Erhebung der Grünen in Baden-Württemberg im Juli 2012 fand jedoch heraus, dass Kassenpatienten deutlich länger als Privatpatienten auf einen Termin warten müssen. Am kritischsten sei die Lage in der Region Friedrichshafen und Ravensburg mit Durchschnittswartezeiten von 31 Tagen. In Karlsruhe habe eine Kardiologe einen Termin nach sieben Monaten angeboten.

Ein Nachteil der neuen TSS dürfte sein, dass sie dem Patienten nicht einen bestimmten „Wunscharzt“ vermitteln wird. Die genannten Ärzte sollen in einem Umkreis von 30 Fahrminuten vom Wohnort des Patienten liegen, bei Spezialisten – etwa Internisten oder Radiologen – kann der Umkreis größer sein und bis zu 60 Kilometer Entfernung betragen. „Der Patient hat bei der TSS auch nicht den Anspruch auf eine bestimmte Zeit. Zu sagen, ich kann nur Freitag um 10 Uhr, das geht nicht“, sagt Kai Sonntag. Widersprechen möchte der KV-Sprecher der Erwartung, dass nun mehr Kapazitäten da seien: „Die Verlierer werden Patienten sein, die keinen dringlichen Behandlungsbedarf haben. Die müssen länger warten.“ Findet die TSS keinen fristgerechten Termin, muss sie alternativ einen Termin im Krankenhaus nennen.

Es werden nur wenige Ärzte zusätzlich zugelassen

Als Ursache von Wartezeiten machen die Ärzte die knappen Zulassungen verantwortlich. „Bei fachärztlichen Internisten, wo wir die längsten Wartezeiten haben, darf sich seit Jahren in Baden-Württemberg kein einziger Arzt zusätzlich niederlassen“, klagt Norbert Metke, Vorstandschef der KVBV. Seit Oktober 2015 habe es im Südwesten „nur in wenigen Landkreisen“ neue Niederlassungen gegeben: für 8,5 Augenärzte, sieben Frauenärzte, 13,5 Hausärzte und zwei Kinderärzte.

Schuld an vollen Wartezimmern ist laut Metke auch eine „Flatrate-Mentalität“ von Patienten, die eine Doppel- und Mehrfachbehandlung bei Fachärzten in Anspruch nehmen und sofort zum Spezialisten laufen, obwohl es eine „hochkompetente Basisversorgung durch Hausärzte gebe“. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hatte die Notwendigkeit der Terminservicestellen mit einer „Stärkung der Patientenrechte“ begründet. „Sie werden helfen, wenn es beim Facharzttermin einmal hakt.“