InterviewTheater in Fellbach „Mit Haschisch hatte ich sehr wenig am Hut“

Von Dirk Herrmann 

Die Schauspielerin Diana Körner gastiert am Montag und Dienstag mit der Komödie „Paulette“ in Fellbach. Im Interview spricht sie über Drogen, Schönheitsoperationen und Fotoaufnahmen im Playboy.

Johannes Pfeifer  als Vito schüchtert Diana Körner in der Rolle als Paulette ein. Foto: Wolfgang Brümmer
Johannes Pfeifer als Vito schüchtert Diana Körner in der Rolle als Paulette ein.Foto: Wolfgang Brümmer

Fellbach - Sie hat eine mehr als 50-jährige Karriere hinter sich, hat mit Hollywood-Größen gedreht und gilt als eine der profiliertesten Schauspielerinnen Deutschlands. In Fellbach ist sie nun als ältere Dame zu sehen, die recht überraschend zur Drogenverkäuferin wird.

Frau Körner, die erste Frage ist unvermeidlich, wenn Sie in „Paulette“ eine Haschkekse verkaufende Seniorin darstellen: Nicht im Sinne von Goethe „Wie hältst du’s mit der Religion?’“, sondern natürlich: „Wie hältst du’s mit dem Kiffen?“
Nun, ich bin Jahrgang 1944, gehöre also schon auch zur sogenannten 68-er Generation. Unvermeidlich, dass man da auch mal mit Marihuana in Kontakt gekommen ist. Aber ich habe in meinen jungen Jahren eher Alkohol konsumiert – und beides zusammen, das habe ich schnell gemerkt, ist ungesund. So hat mich damals Haschisch nicht sonderlich interessiert und ich bin ziemlich drumherum gekommen.
Die verwitwete Seniorin Paulette, die Sie auch in Fellbach verkörpern, verkauft ja erst später im Stück Haschkekse. Anfangs ist sie eine verbitterte, bösartige Rassistin. . .
Ja, das trifft zu. Sie ist rassistisch, sie lebt im Elend, ist in ihrem Armenviertel die einzige Französin, sie hasst die anderen, ohne eine Ahnung zu haben, was Rassismus überhaupt bedeutet. Doch dann erlebt sie mit den Leuten menschliche Werte, nimmt ihr Leben selbst in die Hand, begegnet Menschen anderer Herkunft und Hautfarbe und wird fast sympathisch – zumindest ein bisschen.
Ihre Filmografie weist ja durchaus sensationelle Werke auf, Klassiker der Filmgeschichte, wenn man nur an ihr „Lieschen“ im Meisterwerk „Barry Lyndon“ von Stanley Kubrick von 1975 denkt?
Ja, das ist schon ein Klassiker. Das macht einen schon auch stolz, da mitgewirkt zu haben. Man braucht natürlich auch Glück, so eine Rolle zu bekommen und in der Lage zu sein, die Anforderungen auch umzusetzen. Etliche Innenaufnahmen im Film spielen ja im Halbdunkel, die Szenen wurden nur mit Kerzenlicht gedreht, auch bei Ihnen in der Nähe im Barockschloss in Ludwigsburg. Der Film war damals kein Renner, wurde fast als Flop eingestuft und hat auch viel weniger Geld eingespielt als erhofft. Er gilt heute aber zurecht als einer von Kubricks besten Filmen.
1975 war es auch, als sie mit damals 31 Jahren nackt für den Playboy posiert haben. Eine Erfahrung, nach der sie jungen Frauen heutzutage davon abraten würden? Immerhin bringt es so viel Popularität, dass Journalisten auch mehr als vier Jahrzehnte später danach fragen. . .
Abraten? Aber nein! Wenn ich jung wäre, würde ich es wieder machen. Das sind doch wahnsinnig schöne Fotos, das sind doch keine Pornos. Das war damals auf dem Hunderwasserschiff, auf einem Kahn bei Rhodos. Das muss natürlich jeder beziehungsweise jede Frau selbst entscheiden. Aber ob jemand deswegen die Zeitschrift kauft, ist mir doch völlig schnuppe.
Richtig in Fernseh-Deutschland bekannt geworden sind Sie als Staatsanwältin Rosemarie Monk, der Freundin von „Liebling Kreuzberg“, an der Seite von Manfred Krug. Auch für Sie ein Highlight Ihrer Karriere?
Das waren wunderbare Bücher, geschrieben von Jurek Becker, der in der Serie auch mal kurz meinen Ex-Ehemann spielt. Gute Dialoge, gute Regie. Und Manfred Krug war ideal für die Rolle, er hat gezeigt, wie menschlich ein Anwalt sein kann.
Und immer mal wieder sind Sie im ZDF, sonntagabends oder in einer Wiederholung an Samstagnachmittagen, auch in Rosamunde-Pilcher-Filmen zu sehen.
Das mache ich sehr gerne. Ich liebe England, die Insel, Cornwall, die Landschaft, das Ursprüngliche. Und die Häuser und Schlösser dort sind ein Traum.
Zuletzt waren Sie in der „Wapo Bodensee“, also als Mutter Mechthild der Wasserschutzpolizistin Nele Fehrenbach, aktiv, im Vorabendprogramm der ARD.
Ja, das waren acht Folgen. Die sind wohl ganz gut angekommen, die Einschaltquote lag so zwischen 8,6 und 9 Prozent. Offenbar hat es dem Publikum gefallen und auch dem Sender. Wir drehen jetzt wieder acht Folgen, im Juni fangen wir an, drei Monate am Bodensee in der Nähe von Konstanz und in Radolfzell.
Gerne schreibt auch die Bild-Zeitung über Sie. Offenbar geben Sie für die bunten Blätter was her?
Ach, ich glaube, das ist Zufall. Meine Erfahrungen gerade mit der Bild-Zeitung waren immer sehr gut, ich hatte keine Probleme.
Kritisch haben Sie sich immer mal wieder zu Schönheitsoperationen geäußert.
Ich habe schon öfter gesagt, dass ich niemanden kenne, der sich durch einen Eingriff zum Vorteil verändert hat. Da verschandelt man sich, nur um auf dem Bildschirm hübsch rüber zu kommen. Aber da wird nicht nur das Gesicht geglättet, sondern die ganze Persönlichkeit.
Und derzeit sind sie wieder auf Theater-Tournee.
Genau. Heute sind wir in Meppen, morgen geht es weiter, zum Glück nur 100 Kilometer, das ist okay. Entweder man mag es, oder man muss es lassen. Ich mag es zumindest zeitweise ganz gern. Das sind insgesamt drei Monate, derzeit sind wir mittendrin, immer mal wieder in neuen Hallen. Wir sind eine wahnsinnig nette Truppe, wir sind unterwegs mit zehn Kollegen, die ich alle mag, das ist doch toll.
Und nun gastieren Sie in Fellbach, in einem ziemlich großen Mehrzweck-Saal, der Respekt einflößen könnte.
Ich kenne Fellbach und die Schwabenlandhalle, war ja schon mit Tennessee Williams „Glasmenagerie“ vor etwa 15 Jahren zu Gast. Und ich habe die Bedingungen dort nicht als unangenehm empfunden. Im Stuttgarter Raum war ich schon öfter, so in der Komödie im Marquardt mit den „Muschelsuchern“. Ich komme gerne wieder zu Ihnen.