Theater Möhringen/Fasanenhof Gemeinsam das Glück gefunden

Von Stefanie Käfferlein 

Die Theatergruppe aus dem Behindertenzentrum Stuttgart und das Ensemble Stück für Stück haben eine Eigenproduktion realisiert.

Gelungene Inklusion: Schauspieler mit und ohne Handicap haben gemeinsam ein Theaterstück realisiert. Foto: Stefanie Käfferlein
Gelungene Inklusion: Schauspieler mit und ohne Handicap haben gemeinsam ein Theaterstück realisiert. Foto: Stefanie Käfferlein

Möhringen/Fasanenhof - Ein wenig Glück kann jeder gebrauchen. Daher jagen Su Hauger, Andreas Kessler, Andy Marklewitz, Alexandra Armbruster, Irene Glück, Kirsten Schulze, Evi Rudolf und Micha Goepel dem kleinen und großen Glück hinterher. Sie erzählen allerlei Geschichten vom Glück – mit Glücksbrillen, Glückstüten und Unglückstaubsaugern. Neun Monate ist es her, dass die vier Männer und Frauen der Theatergruppe des Behindertenzentrums Stuttgart (BHZ) und die vier Schauspieler des Ensembles Stück für Stück mit den Proben für ihr neues Stück „Das Glück kommt selten allein!“ – der ersten gemeinsamen Produktion überhaupt – begonnen haben.

Kristin Mögelin, eine von drei Inklusionsbeauftragten am BHZ, leitet im Rahmen der begleitenden Angebote auch eine Theatergruppe im Werkhaus in Feuerbach. Von dem Ensemble Stück für Stück und davon, dass die Gruppe weitere Theaterbegeisterte sucht, hatte die studierte Sozialarbeiterin aus der Filder-Zeitung erfahren und mit der Theaterpädagogin Sonja Doerbeck Kontakt aufgenommen. Der Verein Stück für Stück spielt seit Oktober 2009 unter ihrer Leitung. Seither sind die Darsteller mit den Stücken „Das letzte Mal“ und „Auf Wind gebaut – Geschichten eines Städtchens und seiner Menschen, wie sie jeder kennt und fürchtet“ aufgetreten.

Die Schauspieler haben die Handlung selbst erarbeitet

Nachdem sich alle Darsteller der aktuellen Produktion kennengelernt und von Anfang an großen Spaß gemeinsam gehabt hätten, sei so Doerbeck, recht schnell klar gewesen, dass es um das Thema Glück gehen sollte. Schritt für Schritt haben die Schauspieler die Handlung selbst erarbeitet. „Es sind viele biografische Elemente, Erlebnisse und Erinnerungen mit eingeflossen“, sagt Doerbeck. Die Theaterpädagogin war es dann, die die einzelnen Bausteine mit Unterstützung von Kristin Mögelin zusammengefügt hat.

„Die Rollen haben wir auf die Mitspieler entsprechend zugeschnitten“, sagt Mögelin. Aus ihrer Erfahrung weiß die Sozialarbeiterin, welchem ihrer Darsteller mit Lernbehinderung es leichter falle, Texte auswendig zu lernen, und wem es schwerer falle. Jeweils ein Schauspieler aus dem Ensemble Stück für Stück hat gemeinsam mit einem Schauspieler aus dem BHZ gemeinsam die Textpassagen geübt und Hilfestellung gegeben.

„Es hat von der ersten Minute an gefunkt“

In den vergangenen Wochen und Monaten seien die Männer und Frauen aus dem BHZ geradezu über sich hinausgewachsen, wie Mögelin festgestellt hat. „Es war für meine Leute schon allein eine Herausforderung, nicht wie sonst während der regulären Arbeitszeit zu proben, sondern abends“, sagt die Sozialarbeiterin. Zudem hätten die Proben nicht im gewohnten und geschützten Raum des BHZ stattgefunden.

Dass die Zusammenarbeit großen Spaß gemacht hat, bestätigen auch die Darsteller selbst. Es sei schön gewesen, mit einem zweiten Ensemble zu spielen und gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, berichtet beispielsweise Kirsten Schulze vom Verein Stück für Stück. „Es hat von der ersten Minute an gefunkt“, lautet das Fazit ihres Kollegen Micha Goepel. Sie hätten dem Titel entsprechend das Glück gefunden. „Unser Glück wollen wir nun an die Zuschauer weitergeben“, sagt Doerbeck.

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