Thementag Wahl im Haus der Geschichte Der große Kampf um das Wahlrecht

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Das Haus der Geschichte wirbt für die Wahl: Es veranstaltet am Sonntag, 6. März, einen Thementag zur Wahl mit freiem Eintritt und zahlreichen Angeboten. Zu sehen sind dabei auch zwei historische Wahlurnen aus dem Jahr 1913,

Landeswahlleiterin Christiane Friedrich, Landtagspräsident Wilfried Klenk und Museumsleiter Thomas Schnabel mit der alten Wahlurne aus Ersingen. Foto: Haus der Geschichte
Landeswahlleiterin Christiane Friedrich, Landtagspräsident Wilfried Klenk und Museumsleiter Thomas Schnabel mit der alten Wahlurne aus Ersingen.Foto: Haus der Geschichte

Stuttgart - Mittlerweile würden viele Menschen das Wählen ja als lästige Pflicht empfinden, sagt Thomas Schnabel, der Leiter des Hauses der Geschichte. Dabei sei es noch keine hundert Jahre her, dass auch im Deutschen Reich Menschen auf die Straße gegangen und den Tod in Kauf genommen hätten, um für freie und geheime Wahlen zu kämpfen. Dieses Wahlrecht sollte uns allen deshalb etwas wert sein, meint Schnabel.

Das Haus der Geschichte geht nun als Vorbild voraus: Es veranstaltet am Sonntag, 6. März, einen Thementag zur Wahl mit freiem Eintritt und zahlreichen Angeboten. Zu sehen sind dabei auch zwei historische Wahlurnen aus dem Jahr 1913, die erst jetzt wiederentdeckt und am Mittwoch in die Dauerausstellung aufgenommen worden sind.

Eine Wahlurne aus Eichenholz

Die badische Wahlurne aus der Gemeinde Langenbrücken (heute Teil von Bad Schönborn im Kreis Karlsruhe) ist dabei ein Kuriosum. Denn sie ist 1913 aus Eichenholz geschnitzt und wunderschön gestaltet worden – allerdings beschloss der Reichstag kurz darauf, dass jede Urne eine gewisse Mindestgröße besitzen musste; die Langenbrücker Urne wurde deshalb sofort wieder außer Dienst gestellt. Eine württembergische Wahlurne aus Ersingen (heute Teil von Erbach im Alb-Donau-Kreis) ähnelt den heutigen dagegen sehr; allerdings ist sie noch aus Pappe und sieht jetzt nach 40 Wahljahren auf dem Deckel recht abgegriffen aus.

Mit der Schönheit der Langenbrücker Urne könnten die heutigen nicht konkurrieren, sagte die jetzige Landeswahlleiterin Christiane Friedrich. Fast alle seien mittlerweile grau und aus Plastik. Alles ist geregelt: Heute muss eine Urne mindestens 90 Zentimeter hoch sowie je 35 Zentimeter breit und tief sein; der Einwurfschlitz darf nicht breiter als zwei Zentimeter sein. Damit, so Friedrich, soll verhindert werden, dass in irgendeiner Weise nachvollzogen werden könne, wer wie wählt. Nur Stuttgart besitze konisch zulaufende Urnen, damit sie sich besser stapeln ließen; zwischen den Wahlen sei das sonst in der Landeshauptstadt ein echtes Platzproblem.

Deutlich rauerer Ton in Baden-Württemberg

Tatsächlich habe es viele Betrugsversuche in der Vergangenheit gegeben, wie Thomas Schnabel erzählte. Bei kleinen Urnen sei automatisch immer ein Brief auf den anderen gefallen; der Wahlleiter habe nur eine Liste führen müssen, in welcher Reihenfolge seine Bürger zum Wählen gekommen seien. „Die Obrigkeit hatte früher ein hohes Interesse, wer wen wählte“, so Schnabel.

Derzeit glauben ja auch Vertreter der AfD wieder, dass es zu Wahlbetrug zu ihrem Nachteil kommen könnte und wollen angeblich Wahlbeobachter entsenden. Christiane Friedrich stellte dazu klar: Die Auszählung in jedem Rathaus sei öffentlich, jeder Bürger sei willkommen – allerdings könne der Wahlleiter bei Störungen von seinem Hausrecht Gebrauch machen. Den Vorwurf einer Wahltäuschung wies sie entschieden zurück. Das wäre eine kriminelle Handlung. Grundsätzlich, so sagte sie, spüre sie aber seit Wochen einen deutlich raueren Ton in Baden-Württemberg. In manchen Bezirken sei auf allen Wahlzetteln eine Ecke abgeschnitten oder ein Loch eingestanzt, um sehbehinderten Menschen eine Orientierung zu geben; dadurch könnten sie ohne fremde Hilfe wählen – selbst dies führe in sozialen Netzwerken zu massiven Vorwürfen von Wahlbetrug.

Erst seit 1919 gleichberechtigte Wahlen

Thomas Schnabel und auch Landtagspräsident Wilfried Klenk baten bei der Vorstellung der Wahlurnen die Bürger, auf jeden Fall zur Wahl zu gehen. „Wer sein Wahlrecht nicht ausübt, lässt etwas Wesentliches verkümmern“, so Klenk. Tatsächlich wurden im Deutschen Reich erst 1919 geheime und gleichberechtigte Wahlen eingeführt. Bis dahin waren Frauen ganz ausgeschlossen gewesen, Männer hatten erst ab 25 Jahren wählen dürfen. Und in früheren Zeiten hatten auch viele Männer kein Wahlrecht gehabt, weil sie beispielsweise zu wenig Steuern bezahlten.

Am Sonntag bieten das Haus der Geschichte, die Hochschule für Medien und die Landeszentrale für politische Bildung von 10 bis 18 Uhr ein durchgehendes Programm. Am Wahl-O-Mat kann man sich über seine eigenen politischen Neigungen Klarheit verschaffen, es wird Führungen unter dem Motto „Demokratie- und Wahlgeschichten“ geben, und das Museum veranstaltet auch ein Gespräch zum Thema Medien und Wahlen.