Thilo Sarrazin
Fast jeder Fünfte würde ihn wählen
dpa,
05.09.2010 14:30 Uhr
Thilo Sarrazin hat mit seinen umstrittenen Thesen zu muslimischen Zuwanderern eine Grundsatzdebatte über Integration ausgelöst. Foto: dpa
Berlin - Fast jeder fünfte Deutsche würde ihn wählen: Thilo Sarrazin (SPD), wegen seiner Thesen zur Ausländer-Integration umstrittener Bundesbankvorstand und früherer Berliner Finanzsenator, könnte bei der Gründung einer eigenen Partei mit großem Zuspruch rechnen. Für 18 Prozent der Bürger ist es nach einer Emnid-Umfrage im Auftrag der "Bild am Sonntag" vorstellbar, diese Gruppierung zu wählen. "Für sie ist Sarrazin jemand, der endlich ausspricht, was viele denken", sagte Emnid-Chef Klaus-Peter Schöppner. Unterdessen ließ Bundespräsident Christian Wulff den "Schauprozess"-Vorwurf Sarrazins zurückweisen.
"Das Verfahren wird selbstverständlich und ausschließlich nach Recht und Gesetz durchgeführt", sagte Wulffs Sprecher Olaf Glaeseker der "Bild am Sonntag". Sarrazin hatte zuvor dem Magazin "Focus" gesagt, er gehe davon aus, dass Wulff ihn vor der geplanten Abberufung aus dem Vorstand der Bundesbank anhören werde. "Der Bundespräsident wird sich genau überlegen, ob er eine Art politischen Schauprozess vollenden will, der anschließend von den Gerichten kassiert wird."
Der Bundesbank-Vorstand hatte am Donnerstag entschieden, sich von Sarrazin wegen dessen polemischen Äußerungen über die Integration von Zuwanderern zu trennen. Über die Abberufung muss Wulff befinden, der zunächst das Bundesfinanzministerium um Stellungnahme bat.
Unterdessen findet Sarrazins Buch "Deutschland schafft sich ab" weiterhin reißenden Absatz. Zudem werden die Veranstalter von Lesungen und Podiumsdiskussionen bundesweit mit dem geschassten Bundesbanker regelrecht überrannt. In Potsdam und Berlin haben die Organisatoren bereits Ausweichquartiere gefunden, nachdem zwei Kulturzentren die geplanten Termine kurzfristig abgesagt hatten, um Sarrazin keine Bühne zu bieten.
"Das Verfahren wird selbstverständlich und ausschließlich nach Recht und Gesetz durchgeführt", sagte Wulffs Sprecher Olaf Glaeseker der "Bild am Sonntag". Sarrazin hatte zuvor dem Magazin "Focus" gesagt, er gehe davon aus, dass Wulff ihn vor der geplanten Abberufung aus dem Vorstand der Bundesbank anhören werde. "Der Bundespräsident wird sich genau überlegen, ob er eine Art politischen Schauprozess vollenden will, der anschließend von den Gerichten kassiert wird."
Der Bundesbank-Vorstand hatte am Donnerstag entschieden, sich von Sarrazin wegen dessen polemischen Äußerungen über die Integration von Zuwanderern zu trennen. Über die Abberufung muss Wulff befinden, der zunächst das Bundesfinanzministerium um Stellungnahme bat.
Großer Andrang bei Lesungen
Unterdessen findet Sarrazins Buch "Deutschland schafft sich ab" weiterhin reißenden Absatz. Zudem werden die Veranstalter von Lesungen und Podiumsdiskussionen bundesweit mit dem geschassten Bundesbanker regelrecht überrannt. In Potsdam und Berlin haben die Organisatoren bereits Ausweichquartiere gefunden, nachdem zwei Kulturzentren die geplanten Termine kurzfristig abgesagt hatten, um Sarrazin keine Bühne zu bieten.
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Qragnasroekr + gesinnungsgenossen
Wenn einer sich wie dieser Staatsdiener Sarrazin rassistisch äußert, dann überschreitet er sein Grundrecht auf freie Meinungsäußerung, missbraucht seine öffentliche Stellung bei der Bundesbank und verstößt gegen einen Grundkonsens der deutschen Nachkriegsgesellschaft. Dieser ist nach der Naziherrschaft bisher noch nie so verletzt worden, wenn man von den törichten Parolen der Neo-Nazis absieht. Sarrazins rassistischen Äußerungen sind in Anbetracht der deutschen Geschichte nicht hinzunehmen. Sie schaden den Deutschen insgesamt und zeigen dem kritischen Ausland, was für Welten in der Seele so manches Deutschen schlummert. Wollen Sie, dass Menschen mit Migrationshintergrund so primitiv als gebärfreudige Kopftuchmädchen beleidigt werden? Wollen Sie, dass nach all den Bestialitäten des 20. Jh. Menschen so brutal abgeschoben werden wie die Roma und Sinti in Frankreich? Sarko zeigt den faschistischen Hintergrund seiner Innenpolitik und Ihr Sarrazin weckt die schlafenden bösen Geister in den Deutschen!
Sarrazin gehört zu den Fundamentalisten unserer sog. westlichen Kultur.
Beunruhigend ist aber, dass dieser von Zirkusdirektor Sarrazin eingeleitete Diskurs der Islamkritiker wie ein Spiegelbild des Diskurses fundamentalistischer Islamisten wirkt. Auch die Islamisten meinen, ihre eigene Kultur gegen die Bedrohungen durch die westliche Moderne verteidigen zu müssen. Auf beiden Seiten gibt es dann ebenso parallel Zustimmung breiter Bevölkerungsschichten zu den provokantesten Thesen in diesem Kampf um Identitäten. So wurde die Partei des niederländischen Islamhassers Geert Wilders drittstärkste Kraft bei den Parlamentswahlen. Auch wenn die Berliner CDU-Fraktion am Dienstag René Stadtkewitz ausschloss, weil er den Hetzer Wilders nach Berlin einlud: Die Malaise über die rasante Transformationen der eigenen Gesellschaften ist in Europa und in der arabisch-muslimischen Welt nicht zu übersehen und muss offen angesprochen werden. Aber es ist verheerend, wenn der oft fundamentalistische Diskurs der deutschen Islamkritiker auf handfeste gesellschaftliche Probleme mit muslimischen Bürgern oder Einwanderern trifft. Da fällt es den deutschstämmigen Nachbarn schwer, zu unterscheiden, was an Kultur und Religion liegt und was seine Ursache in Armut und sozialem Umfeld hat. Der Slogan "Der Islam ist schuld" ist ebenso eingängig und unsinnig wie der Wahlspruch der Islamisten in der arabischen Welt "Der Islam ist die Lösung". Glücklicherweise haben wir noch die Kirchen, welche die Muslime als Angehörige einer großen Weltreligion wahrnehmen und auf sie zugehen können.
Sozialdarwinisten und und und! So weit sind wir schon wieder!
Vortrefflich, an ihren Worten sollt ihr sie erkennen meine ich zu den Unterstützern von Sarrazin. Sie sind Sozialdarwinisten bzw. -rassisten und Nützlichkeitsrassisten. Dabei ist bei allen diesen Typen ein Mensch nur erwünscht, wenn er nach dem Auschwitz-Motto “Arbeit Macht Frei” existiert.