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Tiere bescheren behinderten Kindern Glücksmomente
"Filder-Zeitung", 23.04.2011 02:41 Uhr
Möhringen. Seit Oktober kommt die Diplom-Psychologin Sybille Hilker einmal in der Woche an die Schule für Körperbehinderte. Doch das Projekt steht auf der Kippe. Von Alexandra Kratz

Für die Kinder der Nachmittagsbetreuung an der Schule für Körperbehinderte (SfK) ist wieder ein besonderer Tag. Denn heute kommt Sybille Hilker mit ihren zwei Hunden Sirius und Titus, mit ihren Meerschweinchen, Kaninchen und Hühnern in die Schule. Für die Mädchen und Jungen sind es Glücksmomente, wenn sie eines der Tiere auf dem Schoß sitzen haben, die Nager mit Apfelblüten füttern dürfen oder einer der beiden Hunde ihnen die Pfote gibt.

Seit Oktober ist die Diplom-Psychologin Hilker einmal in der Woche zu Gast an der SfK. Dann ermöglicht sie den Kindern mit tiergestützter Therapie und Förderung neue Eindrücke zu sammeln, etwas zu erleben oder auch sich zu entspannen. Möglich gemacht hat das eine Spende der Bogey-Golfer und der von der Fernsehmoderatorin Sonja Zietlow ins Leben gerufene Verein Beschützer-Instinkte. Beide zusammen stellten rund 20 000 Euro zur Verfügung. Etwa die Hälfte des Geldes floss in den Kauf eines neuen behindertengerechten Kleinbusses für die Schule, die andere in das neue Projekt. "Es ist ein Glücksfall, dass wir die tiergestützte Therapie an unserer Schule anbieten können", sagt der Rektor Peter Otto. Der Präsident der Bogeys in Baden-Württemberg, Klaus Sattler, sei auf ihn zugekommen und habe gefragt, ob Interesse besteht. "Wir haben natürlich sofort Ja gesagt", so Otto.

Zu dem Projekt gehört auch, dass eine zweite Gruppe auf die Jugendfarm an der Balinger Straße geht. Dort dürfen die behinderten Schüler die Schafe und Ziegen füttern, die Pferde striegeln und auf ihnen reiten. Eine Kooperation zwischen der Jugendfarm und der SfK gibt es schon lang, dank der Spende konnte diese nun aber noch ausgeweitet werden.

Der Sonderschulrektor hält viel von der tiergestützten Therapie. "Viele unserer Schüler sind auf dem Entwicklungsstand eines Einjährigen. Manche fremdeln ein wenig und haben Angst, sich auf neue Dinge einzulassen", sagt Otto. Da könnten die Tiere eine wichtige Rolle übernehmen. "Gerade bei ganz schwachen Schülern merke ich, wie sie ruhiger und kontaktfreudiger werden", sagt Otto. Ulrike Lehmkuhl, Lehrerin an der SfK und Pressebeauftragte, ergänzt: "Ich bin jedesmal von der ruhigen Situation angetan. Dass die Kinder so leise sind, ist ein gutes Zeichen. Normalerweise fällt es vielen schwer, sich zu konzentrieren." So empfindet es auch Sybille Hilker: "Die Kinder nehmen die Tiere als Individuen wahr und bauen persönliche Beziehungen auf. Sie spüren durch die Eigenarten der Tiere auch ihr eigenes Ich. Alle konzentrieren sich auf ihre Art auf das Geschehen", sagt die Psychologin. Dadurch entstehe eine Atmosphäre, die von einem tiefen Vertrauen und einer entspannten Ruhe geprägt sei.

"Für die Schüler ist es ein Lichtblick in der Woche. Sie freuen sich schon immer im Vorfeld auf die Tiere", sagt Otto. Viele würden außerhalb der Schule gar nicht mit Tieren und der Natur in Kontakt kommen, so Lehmkuhl. Denn für Eltern von behinderten Kinder sei es gar nicht leistbar, auch noch ein Haustier zu halten oder mit ihrem Nachwuchs in den Wald zum Spielen zu fahren. "Deswegen gehören solche Projekte zu unserer Aufgabe als Schule. Das sind richtige Lernfelder", sagt Otto.

Schade sei aber, dass nur einige wenige Schüler an dem Projekt teilhaben können. "Der Bedarf wäre eigentlich größer. Dass die Tiere zu uns an die Schule kommen, zieht natürlich seine Kreise. Auch andere Kinder wollen dabei sein", sagt der Rektor. Doch derzeit sei fraglich, ob das Projekt im kommenden Schuljahr überhaupt fortgeführt werden kann. Denn das gespendete Geld ist aufgebraucht und neue Sponsoren sind noch nicht in Sicht.

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