Keine Angst: die Berliner Maxi und Schnute landen erst einmal nicht im Kochtopf. Foto: dpa
Berlin - Die Berliner lieben ihr Wappentier, den vom Aussterben bedrohten Braunbären. Gern besuchen sie die Stadtbären Maxi und Schnute im Köllnischen Park in Berlin-Mitte, um zuzusehen, wie die Tiere ihre traditionelle Geburtstagstorte aus Obst und allerlei Gemüse in ihre Bestandteile zerlegen und futtern. Bei manchen Berlinern geht die Liebe zum Braunbären allerdings noch etwas weiter, nämlich durch den Magen. Sie lassen sich den Bärenbraten eines sibirischen Restaurants in Prenzlauer Berg schmecken.
Serviert wurde die Spezialität jedenfalls so lange, bis die tierschutzpolitische Sprecherin der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, Claudia Hämmerling, den Braten gerochen beziehungsweise die Speisekarte zu Gesicht bekommen hatte. "Sprachlos" sei sie gewesen, so die Parlamentarierin, über die besondere Empfehlung der Küche dort: Bärenbraten in Panade für 65 Euro und Bärenfleisch am Spieß für 49 Euro mit "Beilagen Ihrer Wahl", nicht zu vergessen das Gericht mit 20 Pelmeni zu 25 Euro. Bei den Teigtaschen ist allerdings nicht nur Bär, sondern auch Schwein und Rind dabei.
Tiere stehen unter strengem Schutz
Das Fleisch von Braunbären gehöre nicht in den Kochtopf und schon gar nicht auf die Menükarte eines Restaurants, das sei illegal, sagt Claudia Hämmerling. "Es darf dafür kein Markt mit Begehrlichkeiten entstehen." Nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen stünden die Tiere unter strengem Schutz. Dennoch hätte es laut dem Bundesamt für Naturschutz in Estland eine Ausnahmegenehmigung zum Abschuss dieses Bären gegeben, so wie seinerzeit für den Braunbären Bruno in Bayern. Aber anders als damals werde diesmal das Fleisch vermarktet. Und dafür fehlt, fand die Abgeordnete heraus, eine nach den EU-Bestimmungen erforderliche Vermarktungsgenehmigung der estnischen Behörden.
Deshalb hat das Bezirksamt Pankow dem Lokal erst einmal verboten, weiter Bärenfleisch aufzutischen. Mittlerweile sind die Bärengerichte auf der Menükarte mit Sternchen gekennzeichnet, was besagt, dass sie zurzeit nicht auf den Teller kommen. Aber in der Tiefkühltruhe des Restaurants lagert noch Bärenfleisch aus Estland, etwa 50 bis 60 Kilogramm zu 120 Euro je Kilo. Also Fleisch für mehrere Tausend Euro, haltbar bis Herbst. Das aus Tomsk in Sibirien eingewanderte Besitzerehepaar Fries kann jede Menge Unterlagen vorzeigen über den legalen Erwerb und Import, nur eben keine Vermarktungsgenehmigung. Dass sie nötig ist, hat ihnen niemand gesagt, beklagt sich Frank Fries, "dabei haben wir uns überall erkundigt. Wir wollten ja unser Geld nicht in den Sand setzen". Er hofft darauf, dass die Genehmigung bald eintrifft. Claudia Hämmerling will sich damit aber nicht zufriedengeben. Sie hielte es für "unglaublich, wenn diese Artenschutzverletzung innerhalb der EU legalisiert würde". Die Berliner Grünen werden sich an die Artenschutzbehörde der EU wenden, um künftig zu verhindern, dass Restaurants Bärenfleisch servieren dürfen.
Umzug von Maxi und Schnute lässt noch auf sich warten
Nicht durchsetzen konnte sich die tierschutzpolitische Sprecherin der Grünen bisher mit ihren Bemühungen, die beiden Stadtbären Maxi und Schnute aus ihrem viel zu engen, kaum Rückzugsmöglichkeiten bietenden und alles andere als artgerechten Bärenzwinger im Köllnischen Park umzuquartieren in einen Bärenpark. Der Zwinger aus dem Jahr 1939 wird in Berlin nicht erweitert, weil er unter Denkmalschutz steht, und der Senat hatte beschlossen, die Tiere sollen bleiben.
Der Bezirk Mitte hat inzwischen aber doch vorgefühlt, ob die beiden Tiere im Bärenwald Müritz am Plauener See unterkommen könnten. Eine Entscheidung wird allerdings nicht vor Herbst erwartet, und die Lobby des Vereins Berliner Bärenfreunde, der gerade Farbe für einen frischen Anstrich des Wassergrabens im Berliner Zwinger besorgt hat, ist strikt gegen einen Umzug. "Die Berliner sollten ihren Bären einen Lebensabend in etwas mehr Freiheit gönnen", wünscht sich Claudia Hämmerling. Die Zuschriften, die sie bekomme, zeigten ihr, dass die Menschen immer sensibler würden für den Umgang mit Wildtieren, und "in anderthalb Stunden ist man von Berlin aus am Plauener See und kann die Bären dort besuchen".
Das Tier ist tot und portionsweise tiefgefroren. Es wird auch durch noch so viele "Tierschützer" nicht mehr lebendig. Der Wirt hat sich allem Anschein nach korrekt verhalten. Er sollte seinen Braten den Gästen auch braten dürfen - wenn die das wollen...
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