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Tierschutz Der Wolf wird zum Problemwolf

Benjamin Haerdle, vom 02.06.2010 08:54 Uhr
Der Wolf greift, was er am leichtesten bekommen kann. Zwei bis drei Kilogramm Fleisch benötigt er am Tag. Foto: dpa
Der Wolf greift, was er am leichtesten bekommen kann. Zwei bis drei Kilogramm Fleisch benötigt er am Tag. Foto: dpa
Brandenburg - In Brandenburg haben Wölfe aller Voraussicht nach erstmals seit ihrer Rückkehr nach Deutschland eine Rinderherde angegriffen und zwei Kälber gerissen. Zwar könne der Nachweis, ob es sich bei den Angreifern um Wölfe oder Hunde handele, labortechnisch nicht geführt werden, die Art der Tötung spreche jedoch dafür, dass die Kälber von Wölfen gerissen wurden, sagt Hans-Joachim Wersin-Sielaff, Pressesprecher des Landesumweltministeriums Brandenburg.

Nach Angaben des brandenburgischen Landesbauernverbands hatten Wölfe Anfang Mai in Proschim im Landkreis Spree-Neiße bei zwei nächtlichen Angriffen auf eine Herde von 200 Mutterkühen zwei Kälber getötet, von zwei weiteren Jungtieren fehle noch jede Spur. Die Weideflächen der Rinderherde liegen im Jagdrevier eines Wolfsrudels, das rund um den Tagebau Welzow lebt. Der Bauernverband fordert nun Konsequenzen. "Eine in Panik geratene Rinderherde ist eine Gefahr für Straßen- und Bahnverkehr und damit für Leib und Leben", sagt deren Pressesprecher Holger Brantsch. Die Landwirte fordern vor allem den Fang von Wolfshybriden, also Mischlingen von Wolf und Hund. Brantsch: "Diese Bastarde haben die scharfen Sinne der Wölfe, sind aber wie Hunde ohne Scheu vor dem Menschen und großen Tieren." Das mache Hybriden, von denen der Bauernverband einige Exemplare in freier Wildbahn vermutet, unberechenbar.

Keine Hinweise auf Mischlinge


Experten wie Jana Schellenberg vom Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz halten die Forderung der Landwirte für abwegig. "Es gibt derzeit keine Hinweise auf Hybriden", sagt Schellenberg. Zwar brachte 2003 eine Wölfin neun Wolfs-Hund-Mischlinge im sächsischen Teil der Lausitz zur Welt, doch von denen verschwanden sieben im ersten Lebensjahr. "Weil sich die Jungtiere noch nicht selber ernähren konnten, gehen wir davon aus, dass sie tot sind", sagt Schellenberg. Die restlichen zwei wurden im Februar 2004 gefangen. Auch das genetische Monitoring, bei dem seit Jahren Darmzellen im Kot der Wölfe untersucht werden, und Videodokumentationen hätten eindeutig ergeben, dass es keine Mischlinge mehr gibt. Das bestätigt auch das Brandenburger Umweltministerium.

Dass Wölfe nun eine Rinderherde angegriffen haben, erstaunt den Wildtierbiologen Felix Knauer von der Veterinärmedizinischen Universität Wien kaum. "In Kanada beispielsweise gehören Bisons zum normalen Beutespektrum der Wölfe", sagt der deutsche Wissenschaftler. Unvorsichtige kleine Kälber, zumal wenn sie noch schlecht geschützt sind, könnten immer wieder zur Beute eines Wolfs werden. Deshalb, so empfiehlt Wolfsexpertin Schellenberg, sollten Landwirte darauf achten, dass Kälber nicht außerhalb der Weidekoppel gelangen können. "Unseren Beobachtungen zufolge sind Kälber in der Mutterkuhherde gut geschützt. Da traut sich normalerweise kein Wolf heran", sagt Schellenberg.

Eine streng geschützte Tierart


Auch in anderen Bundesländern kocht die Diskussion um den Wolf derzeit wieder hoch. In Sachsen novelliert Umweltminister Frank Kupfer (CDU) das Landesjagdrecht und rührt dabei an einem Tabu: Kupfer will den Wolf, ähnlich wie Luchs und Fischotter, unters Jagdrecht stellen. Am Schutz des Wolfs soll sich nichts ändern: "Der Wolf ist und bleibt eine streng geschützte Tierart", versichert der Minister. Vielmehr hofft Kupfer, dass sich die Jäger künftig stärker für den Wolf engagieren. Sie sollen Wolfsichtungen für das wissenschaftliche Monitoring melden und getötete Tiere begutachten, die möglicherweise von den Raubtieren gerissen wurden. Naturschutzverbände wie der BUND und der Nabu kritisieren Kupfers Pläne: "Der Wolf soll in Sachsen zum Abschuss freigegeben werden, und da ist die Aufnahme ins Sächsische Jagdgesetz der erste Schritt dazu", sagt Wolfgang Riether, Landesgeschäftsführer BUND Sachsen. Wahrscheinlich, so unken die Naturschützer, gehe es dem Umweltminister mehr ums Finanzielle. Denn Kupfer will einen noch näher zu bestimmenden Teil der Jagdabgabe, die die Waidmänner für das Ausüben der Jagd bezahlen, in Maßnahmen für den Wolf investieren.

Damit, so folgert der Nabu-Landesvorsitzende Bernd Heinitz, könnte Kupfer sein Ministerium von Kosten für Schadenausgleiche für von Wölfen getötete Schafe, Ziegen und Rinder entlasten. Wirbel um den Wolf gibt es auch in Bayern. Weil bei Bayrischzell im Landkreis Miesbach Mitte Mai vier tote Schafe gefunden wurden, vermutet das Bayerische Landesamt für Umweltschutz einen Wolf in Bayern. Momentan lässt das Landesamt noch Speichelproben auswerten, so dass eine endgültige Bestätigung erst für Mitte Juni zu erwarten ist. Im Verdacht hat die Behörde einen Wolf aus den Südalpen, der sich bereits um die Jahreswende in Bayern aufgehalten hat.

Weil diese Vermutung schon länger unter Bauern und Viehhaltern kursiert, übt die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe scharfe Kritik am bayerischen Umweltministerium. "Es wurde versäumt, die Bevölkerung rechtzeitig, also vor den ersten Schäden an Nutztieren, rückhaltlos zu informieren", erklärt der Verein. Man könne nur hoffen, dass das Tier nicht als "Problemwolf" ende. Im Jahr 2006 erlegte ein Jäger einen im gleichen Landkreis eingewanderten Braunbären, den der ehemalige Ministerpräsident Edmund Stoiber als "Problembären" bezeichnet hatte.

Informationen des Kontaktbüros: www.wolfsregion-lausitz.de »

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Kommentare (10)
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JUN
05
20:15 Uhr, geschrieben von Antonietta Tumminello
Die Ausbreitung des Jagdbetriebes
über die gesamte Erde haben viele Säugetiere, Vögel und Reptilien nicht oder nur in Restbeständen überlebt. In Europa wurden Auerochse, Waldtarpan und Steppentarpan gänzlich ausgelöscht. Wolf, Braunbär, Nordluchs, Wildkatze, Biber, Uhu, Mönchsgeier, Gänsegeier, Elch und viele andere Tierarten kommen nur noch in einigen Regionen vor und sind z.T. auch dort bedroht. Es gibt aus den letzten 50 Jahren keinen Nachweis, dass Wölfe Menschen angegriffen und erheblich verletzt hätten. Der Wolf erkennt den Menschen als Gefahr und weicht ihm aus. Umgekehrt ist die Intoleranz der Menschen die größte Gefahr für den Wolf. In Europa geht von der Wilderei die größte Bedrohung aus. Wölfe können in der Nähe des Menschen leben, brauchen aber Rückzugsgebiete, in denen sie nicht gejagt werden.
JUN
03
22:42 Uhr, geschrieben von Heinz
und die Moral von der Geschicht'?
..lass den Wolf in Ruhe und jage ihn nicht. Hier äußert sich wieder der Mensch als überlege Rasse auf diesem Planeten, der hemmungslos in höchsteigenem Interesse sich in der Natur breitmacht. Wir sollen froh sein, dass es wieder ein paar Wölfe gibt. Ein letztes Stück verbliebene Natur - original. Statt die Wölfe und Hybriden zum Abschuss per Gesetz freizugeben, müsste doch eindeutig den Bauern, die in den Jagdrevieren GELD verdienen und die Umwelt verschmutzen und Tiere nicht artgerecht halten, per Gesetz eine richtige Abgrenzung aufgebürdet werden. DIE wollen Kohle scheffeln mit der abartigen Haltung von Hunderten von Rindern, und die 15 Wölfe sollen sterben? Krankes Deutschland, kranke Viehbauern. Die Jäger zu instrumentalisieren (Wolfstrophäen sind ja geil!) ist dabei nur der allerwiderwärtigste Schritt. Den Bauern müsste auch gleich noch Nachhilfe in Umweltschutz, Naturgeschichte und ethischen Leitlinien eines verantwortungsvollen Menschen verpasst werden - per Gesetz. Damit sie für die fast 60 (!) Milliarden Subventionen (Struktursubventionen dazu = fast 120 Mrd. Euro) auch mal was bringen! Und der Rest der Deutschen, die nicht Bauer sind, sollten sich mal dran gewöhnen, dass zweimal Fleisch in der Woche viel gesünder ist. Dann werden auch die Kinder wieder dünner. Und schonmal einen Wolf gesehen, der Gemüsegärten reisst? Das ist alles natürlich zwar ein bisschen polemisch geschrieben - die Bauern machen sich mit solchen Forderungen selbst lächerlich. Oder würden SIE einem Mordaufruf folgen von einem, der selbst täglich Dutzende Tiere tötet? Auf grausamere Art - Bolzenschuss und Elektrobad. Also bitte die Relationen wahren. Ein Wolf ist ein wildes Tier - und der Mensch sollte doch nicht die Welt beherrschen. Dafür ist er zu dumm.
JUN
02
18:06 Uhr, geschrieben von Bejamin Haerdle
Der Wolf wird zum Problemwolf
Als Herausgeber des soeben erschienenen Sammelbandes "Wolfsnot - Sie begegnen einem Wolf - Was tun?" und ehemaliger Begleitender Bergarzt bei Expeditionen in den Wolfsrevieren der Karpathen darf ich Sie darauf aufmerksam machen, daß jede der beiden verhaltensbiologischen Untertypen des Wolfes ein Problemwolf ist. Der erste Typ ist der echte Wildwolf aus einer menschenleeren Wildnis, wo der Wolf allenfalls in den Randgebieten zur Zivilisation lernt, wie leicht Haustiere im Gegensatz zum Wild zu reißen sind. Der zweite Typ ist der von Anfang an an die Einrichtungen der menschlichen Kultur gewöhnte Wolf, der "Kunstwolf", wie er von mir genannt wird, der Parkwolf, der Dorfumlandwolf, der stadtnahe Wolf, der Stadtwolf - der Kulturfolger". Dieser ist der gefährlichste Typ; ebenso gefährlich sind Wolfs-Hund-Hybriden. Solche Wölfe sollten eigentlich nicht unter Naturschutz stehen, sie stellen eine großen Gefahr für den Wildstand, für das Vieh und für den Menschen dar, besonders in eiskalten Wintern. Dr.phil. Walter Rathgeber, Facharzt für Allgemeinmedizin und Wolfsbuchautor,
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