Krimikolumne

Tim Pratt/Andy Deemer: „Stormglass: Angriff der Killerbienen“ Bond für den Nachwuchs

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Killer & Co. wartet mal wieder mit einem Buch für den lesenden Nachwuchs auf: „Stormglass – Angriff der Killerbienen“ von Tim Pratt und Andy Deemer hat mit seiner flotten Machart durchaus James-Bond-Qualitäten. Das macht sogar Erwachsene froh.

Andy Deemer (links) und Tim  Pratt wissen, wie man Jugendliche mit einer toughen Story bei der Stange hält. Foto: rivat
Andy Deemer (links) und Tim Pratt wissen, wie man Jugendliche mit einer toughen Story bei der Stange hält.Foto: rivat

Stuttgart - Mit Vergleichen ist es immer so eine Sache: wenn sie schon nicht hinken, sind sie oftmals viel zu überzogen, um als Maßstab für die Beurteilung einer Sache zu taugen. Erst recht, wenn sie dem Bewerben eines Produkts dienen sollen. Ins Krimigenre übertragen heißt das: Vorsicht vor James-Bond-Vergleichen.

Was aber, wenn sich bei einem Buch, einem Jugendbuch zudem, beim Leser die 007-Assoziationen geradezu aufdrängen (wenn auch, altersentsprechend, ohne Promiskuität, Alkoholabusus und übermäßigen Schusswaffengebrauch)? „Stormglass - Angriff der Killerbienen“ jedenfalls, eine Coproduktion von Tim Pratt und Andy Deemer, hat die Hauptelemente, die einen Bond ausmachen: Geheimagenten, Rasanz, internationale Schauplätze und einen Megaschurken, der die ganze Welt bedroht. Nur eben, dass die Helden fast noch Kinder sind.

Im Geheimen unterwegs

Jake lebt irgendwo in den Staaten sein ganz normales 14-Jährigen-Leben, bis er eines Tages die Bekanntschaft von zwei Gleichaltrigen macht, die sich als Lizzy und Filby vorstellen. Die beiden eröffnen ihm, sie seien Jungagenten, was zunächst wie eine chinesische Hauptspeise klingt („zweimal Jun-Gag-Enten süß-sauer, bitte)“, in Wirklichkeit aber bedeutet, dass sie als junge Agenten im ganz Geheimen unterwegs sind.

Die beiden rekrutieren Jake als neuen Kollegen, der schon kurz darauf in die unglaublichsten Abenteuer stürzt. Es geht von den USA nach England, nach Russland, nach Tansania, nach Kanada und dann wieder in die USA. Immer auf der Suche nach einem bösartigen Doktor, der sich das weltweite Bienensterben für seine finsteren Pläne zunutze machen will und dafür eigens eine ganz besonders fiese Bienenart geschaffen hat.

Reale weltweite Bedrohung

Mit enormen Sog zieht die Handlung einen nach vorne, erwachsene wie Leser aus der Zielgruppe (wir haben’s extra getestet). Das hängt mit der klaren, unaufgeregten Sprache zusammen, mit den sauber umrissenen Charakteren, mit den technischen Kinkerlitzchen (Q lässt grüßen!), aber auch mit der realen weltweiten Bedrohung der Bienen sowie der Kritik an gewissenlosen, global agierenden Konzernen, denen es nur um den Profit geht.

So ist „Stormglass“ durchaus eine geeignete Einstiegsdroge, um Jugendliche mit einem flotten Thriller anzufixen. Und auch Erwachsene, denen der Markt doch eine Menge einfältiger Durchschnittsware bietet, finden in dem Buch spannende Unterhaltung.

Andy Deemer/Tim Pratt: „Stormglass: Angriff der Killerbienen“. Übersetzt von Ann Lecker. Aladin-Verlag, Hamburg 2016. 288 Seiten, 12,99 Euro. Ab 12 Jahre.