Timo Baumgartl vom VfB Stuttgart Klar im Kopf, ruhig am Ball

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Der 18-jährige Verteidiger Timo Baumgartl bringt vieles mit, um eine erfolgreiche Profikarriere zu bestreiten. An der Seite von Antonio Rüdiger komplettiert der Blondschopf derzeit die junge, aber stabile VfB-Innenverteidigung.

Einsatzfreudig: der VfB-Abwehrspieler Timo Baumgartl gibt in der Bundesliga  eine gute Figur ab. Foto: Pressefoto Baumann 9 Bilder
Einsatzfreudig: der VfB-Abwehrspieler Timo Baumgartl gibt in der Bundesliga eine gute Figur ab.Foto: Pressefoto Baumann

Stuttgart - Im Leben des Fußballfans Timo Baumgartl ist der 8. März 2008 ein besonders aufregender Tag gewesen. Vier Tage vorher war er zwölf Jahre alt geworden und durfte als Geburtstagsgeschenk seinen Opa, einen treuen Dauerkartenbesitzer beim VfB Stuttgart, ins Stadion begleiten. Dreimal traf an jenem Samstagnachmittag Mario Gomez, zweimal Cacau, dazu ein Eigentor von Per Mertesacker – am Ende stand ein fulminanter 6:3-Sieg gegen Werder Bremen, an den sich Timo Baumgartl noch heute gerne erinnert.

Inzwischen ist Baumgartl kein Fußballfan mehr, sondern Fußballprofi. Und erlebt noch viel aufregendere Tage.

Passenderweise hat er neulich in Bremen (0:2) sein Bundesligadebüt gefeiert; im Heimspiel gegen den FC Augsburg (0:1) stand er, vor den Augen seines Opas, der noch immer eine Dauerkarte hat, erstmals in der Startformation; beim 4:1 am vergangenen Freitag in Freiburg feierte er mit dem Team seinen ersten Sieg. Und zwischendurch, als der Trainer Armin Veh entnervt das Handtuch warf, hat der Innenverteidiger bei seinem Crashkurs in Sachen Profifußball auch gleich noch eine Lektion darüber bekommen, wir turbulent es im Bundesligageschäft zugehen kann. Ziemlich viel für einen, der erst 18 Jahre alt ist.

Fester Blick, bedachte Wortwahl

Das Beruhigende ist: Timo Baumgartl wirkt so gar nicht wie einer, von dem man fürchten müsste, dass ihm das alles über den Kopf wächst. Besonnen die Art, fest der Blick, bedacht die Wortwahl, so sitzt er an diesem Mittag vor dem Training auf der Geschäftsstelle und sagt: „Ich bin jung und versuche, die einfachen Dinge richtig zu machen. Das ist bisher gelungen.“ An Mentalität und Persönlichkeit, das steht jetzt schon fest, wird seine Karriere nicht scheitern. Sein Abitur hat er dieses Jahr mit 1,7 abgelegt, an trainingsfreien Tagen schnuppert er als Praktikant beim Daimler rein, „weil ich auch etwas für den Kopf tun will“.

Der 1,90 Meter große Abwehrspieler, Sohn der ehemaligen Sindelfinger Handball-Nationalspielerin Michaela Baumgartl, ist in Böblingen geboren und hat beim GSV Maichingen das kleine Fußball-Einmaleins gelernt. Mit 14 wechselte er zum SSV Reutlingen, damals noch Kooperationspartner des VfB, und kam schon im Jahr darauf nach Stuttgart. Unter Thomas Schneider wurde in der U 17 erst Vizemeister, dann Meister. Und Schneider war es auch, der den damals 17-Jährigen im vergangenen Winter erstmals mit ins Trainingslager der Profis nach Südafrika nahm.

Eigentlich könnte Baumgartl, dessen Vertrag bis 2017 läuft, noch immer bei den Junioren spielen. Beim VfB wurde er aber zu Beginn dieser Saison in die Kategorie „Toptalent“ eingruppiert, was bedeutet: vorzeitige Beförderung in die Drittligamannschaft samt Einsatzgarantie sowie intensives Einzeltraining neben den Einheiten. „Das war ein wichtiges Sprungbrett, da habe ich mich an den Männersport gewöhnt“, sagt Baumgartl.

Zwei Youngster in der VfB-Innenverteidigung

Keine Sekunde verpasste Baumgartl 16 Spiele lang beim VfB II – und nutzte dann entschlossen die Chance, als sich vor dem Bremen-Spiel der Profis Georg Niedermeier verletzt hatte und während der Partie Daniel Schwaab passen musste. Baumgartl sprang ein – und spielte sich ohne erkennbare Anpassungsschwierigkeiten neben Antonio Rüdiger in der Innenverteidigung fest.

Man hatte immer geglaubt, Rüdiger (21) brauche einen erfahrenen Mann an seiner Seite. Zumindest in den bisherigen drei Spielen hat sich gezeigt, dass sich auch zwei junge Kräfte gut ergänzen können. „Toni ist der Chef, von ihm kann ich noch viel lernen“, sagt Baumgartl, während Rüdiger nach dem Derbysieg in Freiburg ein Foto bei Facebook postete, auf dem er seinen Nebenmann väterlich in den Arm nimmt. „Das ist mein Junge!“, schrieb der Nationalspieler nicht ohne Stolz darüber.

Dass Baumgartl ein großes Potenzial besitzt, das wusste Rainer Adrion schon länger – „dass es aber so schnell gehen würde, dass er gleich so abgeklärt spielt, das hat auch mich überrascht“, sagt der Nachwuchschef des VfB, der dafür zuständig ist, dass künftig wieder mehr Talente den Sprung zu den Profis schaffen. Timo Werner, ebenfalls erst 18, ist schon länger oben, nun soll auch dessen Kumpel Baumgartl zum Dauergast werden. „Eigentlich war es unser Ziel, ihn am 1. Juli 2015 den Profis zu übergeben“, sagt Adrion. Nun ist alles schneller gegangen. Als „entscheidenden ersten Schritt“ wertet Adrion das gelungene Debüt, will sich ansonsten aber mit einer Beurteilung zurückhalten: „Das kann man erst sagen, wenn einer über einen längeren Zeitraum gespielt hat.“

Baumgartl ist schnell, technisch versiert, ruhig am Ball – er hat aber auch noch einige Defizite, etwa was die Athletik oder das Kopfballspiel betrifft. Er weiß, dass es für ihn nicht nur stetig aufwärts gehen wird, dass er auch mal Fehler machen und Tore verschulden wird. Die Wahrscheinlichkeit ist aber hoch, dass Timo Baumgartl auch damit wird umgehen können.