Tolkien-Zeichner Alan Lee bei den Dragon Days Der Hauszeichner von Mittelerde

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Den Ehrenpreis des Fantastikfestivals Dragon Days hat er zweifellos verdient: Der 69-jährige britische Zeichner Alan Lee hat all die wunderbaren Designs entworfen, die Peter Jackson für seine Tolkien-Verfilmungen brauchte. Auch der Oscar für seine Arbeit hat ihn nicht eitel werden lassen, wie sich in der Liederhalle zeigte.

Der begnadete Zeichner Alan Lee mit dem Ehrenpreis der Dragon Days, dem Schwäbischen Lindwurm. Foto: Festival 22 Bilder
Der begnadete Zeichner Alan Lee mit dem Ehrenpreis der Dragon Days, dem Schwäbischen Lindwurm.Foto: Festival

Stuttgart - An die 4000 Zeichnungen hat Alan Lee angefertigt, mehr als die Hälfte davon klassisch, in seinem Fall darf man auch sagen, altmeisterlich, 1500 davon am Computer, bis Peter Jackson eine Mittelerde unter seinen Füßen hatte, auf die er Filmfiguren stellen konnte. Der mittlerweile 69-jährige Brite Lee, der einst mit Covern für Horror-Romane ins Geschäft der Literaturillustration eingestiegen ist, dachte sich, das werde wohl schon ein Sechs-Monats-Aufenthalt in Neuseeland werden, bis für Jackson alle erwünschten Designs, Architekturen, Möbel, Schmuckwerke etc. ausgetüftelt seien, verriet er im Rahmen der Preisverleihung des Stuttgarter Fantastikfestivals Dragon Daysim Mozartsaal der Liederhalle. Aber dann dehnte sich die Arbeit an der „Herr der Ringe“-Trilogie auf satte sechs Jahre aus. Und es vergingen noch einmal sechs Jahre, bis die „Hobbit“-Trilogie abgeschlossen war. Hueet kann amn sich Lee gar nicht mehr anders vorstellen denn als Haus- und Hofzeichner von Mittelerde.

Herzlicher Mann mit Lindwurm

„Schwäbischer Lindwurm“ heißt der Ehrenpreis des Festivals, der für herausragendes Schaffen im weiten Reich der Fantastik verliehen wird. Bislang waren Tad Williams, die Augsburger Puppenkiste und Joe Abercrombie die Empfänger. Er kommt ohne Geld, aber in Gestalt einer massiven kleinen Drachenskulptur daher. Trotzdem könnte man es Lee, der für seinen fundamentalen Beitrag zu Jacksons Tolkien-Adaption einen Oscar erhielt, nachsehen, wenn er das Ganze nicht besonders ernst nähme. Aber der Mann freut sich sichtlich, ist auch von ausgesuchter Herzlichkeit im Umgang mit dem Moderator Steffen Volkmer und den Fans, die später ihre Bücher mit Lee-Illustrationen signieren lassen.

Die Präsentation seiner Bilder auf der Großleinwand kommentiert Alan Lee sachlich, bescheiden, oft mit großer Selbstironie. So erzählt er auf Nachfrage vom Abend der Oscar-Verleihung, wie er da beim Weg von der Limousine zur Halle beobachten konnte, wie ein Ausguck den Fotografen zurief, ob ein Star oder bloß eine vernachlässigbare Begleitfigur über den Roten Teppich schritt. Letztere wurden mit dem dreisten Ausruf „Ein Niemand!“ angekündigt. Lee wurde natürlich so etikettiert.

Slampoeten, Sternenkrieg und Tolkien

Vor der Lindwurm-Verleihung standen die Slampoeten Valerio Moser, Nik Salsflausen und Nikita Gorbunov auf der Bühne. Sie amüsierten ein Publikum, das im Schnitt Star-Wars-kundiger war als sie selbst, mit Scherzreimlein auf Darth Vader und Luke Skywalker, unter anderem mit der in die Star-Wars-Galaxis übertragenen biblischen Weihnachtsgeschichte. Artur Fast, Abdel Ameur sowie Ingo Römling zeichneten derweil live auf der Bühne, von einer auf die Saalleinwand sendenden Kamera beobachtet, Bilder vom Sternenkrieg. Römling, der die deutschen „Star Wars“-Comics verantwortet, wurde zu seiner Überraschung auf offener Bühne zum Ehrenmitglied der „501st Legion“ ernannt, jener Star-Wars-Cosplayer-Truppe, die nicht zum ersten Malbei Dragon Days in filmreifen Gewandungen aufmarschiert war. Und nach Lees Ehrung legte der Gollum-Synchronsprecher Andreas Fröhlich eine Tolkien-Lesung hin, die man schon eher als Live-Hörspiel titulieren sollte.

Bei so viel Rahmenprogramm würde mancher Preisträger vielleicht Unmut spüren lassen, würde sich ein wenig an den Rand des eigenen Abends gedrängt fühlen. Lee dagegen bleibt gelassen, nimmt das alles als Versuch, ihm einen netten Abend zu bereiten, obwohl er doch gar kein Deutsch versteht. Er lächelt, wie ein Mann lächelt, der sich intensiv in Tolkiens Weltuntergangsszenarien hineingedacht hat: Jeder Abend, an dem nicht die wüsten Horden der Finsternis an die Tore hämmern, ist ein guter Abend.

Info: Die Dragon Days dauern noch bis 1. November, hier geht’s zum Programm.