Krimikolumne

Tom Wainwright: „Narconomics“ Wie die Kartelle wirtschaften

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Mal wieder True Crime auf Killer & Co.: der britische Journalist Tom Wainwright beleuchtet in „Narconomics“ das weltweite Geschäft mit den Drogen aus einem betriebs- und volkswirtschaflichen Blickpunkt. Echt guter Stoff!

Tom Wainwright ermöglicht tiefe Einblicke in die Welt der Drogenwirtschaft Foto: privat
Tom Wainwright ermöglicht tiefe Einblicke in die Welt der Drogenwirtschaft Foto: privat

Stuttgart - Man neigt ja dazu, die Welt abseits der Legalität als großes, anarchistisches Chaos zu sehen, in dem nur die Gewalt herrscht und wo sich jeder nimmt, wonach ihm gerade ist. Zwar gibt es herausragende Krimiautoren wie Garry Disher und Richard Stark, die sehr plastisch herausgearbeitet haben, wie mühselig das Leben der Berufsverbrecher ist. Und einer wie Don Winslow hat mit dem „Kartell“, vor allem aber mit den „Tagen der Toten“ den Drogenkrieg der Vereinigten Staaten mit aller realistischen Härte dargestellt.

Einen anderen, aber umso eindringlicheren Weg beschreitet der Londoner Journalist Tom Wainwright. Der Politik- und Wirtschaftswissenschaftler hat sich unter dem Titel „Narconomics - Ein Drogenkartell erfolgreich führen“ hochspannend mit dem Mega-Business rund um Rauschgift aller Art auseindergesetzt.

Explodierende Möglichkeiten

Wainwright ist dort hingegangen, wo Rohstoffe angebaut und Drogen produziert werden, er hat sich die althergebrachten Vertriebskanäle ebenso angeschaut wie die explodierenden Möglichkeiten des Internets und der Designerdrogen, er hat Zahlen hinterfragt, polizeiliche Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit hin abgeklopft, betriebswirtschaftliche und soziologische Modelle angewendet. Kurz: er hat auf bald 350 Seiten ein Zig-Milliardengeschäft dargestellt.

Da bleibt dann beim Leser so manches vermeintlich sicher Geglaubte auf der Strecke. Angefangen von der Annahme, dass die Kartelle verlässliches Personal im Überfluss hätten, über die Doktrin, das einzige Mittel gegen das weltweite Geschäft sei Härte und Restriktion, bis hin zur Überzeugung, nur eine „radikal geänderte Strategie“ mit einer zentralen Rolle von Legalisierung und Prävention könne den Kartellen das Wasser abgraben. Wenn es denn nicht schon viel zu spät ist.

Immerhin: nach Büchern wie diesen hätte man es wissen können.

Tom Wainwright: Narconomics - Ein Drogenkartell erfolgreich führen. Aus dem Englischen von Henning Dedekind. Blessing Verlag, München 2016. 352 Seiten, 19,99 Euro. Auch als E-Book, 15,99 Euro.