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Torwartfrage bei den Kickers Güvenc siegt im Dreikampf

Heiko Hinrichsen, 22.02.2013 11:17 Uhr

Stuttgart - Das Souvenir an die ganz schweren Tage seiner noch jungen Fußballerkarriere – Günay Güvenc trägt es auf der Innenseite seines rechten Armes. Dort, wo Ober- und Unterarm zusammentreffen, prangt bei dem 21-Jährigen eine leicht hellrote Narbe, die zeigt, dass der Schlussmann der Stuttgarter Kickers zwar wieder topfit ist; dennoch sind nach seinem Ellenbogenbruch vom 29. April 2012, als er sich im Regionalligaspiel gegen den FC Ingolstadt II im Herauslaufen verletzte, noch nicht alle Wunde völlig ausgeheilt.

Das vergangene Jahr sei für ihn nicht einfach gewesen, erzählt Günay Güvenc: „Obwohl ich ja immer positiv denke.“ Viereinhalb Monate hat es gedauert, bis der Torwart im August endlich wieder mit dem Teamtraining bei den Blauen beginnen konnte. Wegen diverser Nebengeräusche – unter anderem einer Reizung der Trizepssehne – dauerte es dann noch eine ganze Weile, bis der in Neu-Ulm geborene Schlussmann endgültig wieder konkurrenzfähig war.

Den Dreikampf um den Posten zwischen den Pfosten, den der neue Trainer Gerd Dais nach den beiden Comeback-Einsätzen unter dem Interimstrainer Guido Buchwald im Wintertrainingslager im türkischen Side ausgerufen hatte, konnte Güvenc gegen den ehemaligen Platzhirsch Daniel Wagner und Markus Krauss für sich entscheiden. „Du bist bis auf Weiteres die Nummer eins und bleibst auch im Tor, wenn du mal einen Fehler machst“, das hat Gerd Dais seinem jungen Goalie mit auf den Weg gegeben. Für den Torwart schloss sich somit ein Kreis: Bereits in der Vorsaison war er – damals vom Ex-Trainer Dirk Schuster – zur Nummer eins auserkoren worden, machte elf Regionalligaspiele – bis zur folgenschwere Partie gegen Ingolstadt.

„Ich habe danach aufgehört, langfristig zu planen“, sagt Günay Güvenc, „ich mache jetzt einfach das Beste aus dem, was kommt. Also zählt für mich erst einmal, gut zu spielen, um das Vertrauen des Trainers zu rechtfertigen.“ Das ist für einen Torwart gar nicht so einfach, der mit 21 Jahren beim letzten Punktspiel in Osnabrück (1:3) der jüngste Spieler in der Kickers-Startelf war. Mit der Partie an der Bremer Brücke war der junge Torwart ohnehin nicht zufrieden. Drei Schüsse, drei Treffer, dann auch noch verloren – so ein Spiel schmeckt keinem Torwart, auch wenn der Deutsch-Türke an sämtlichen Gegentoren schuldlos war.

Güvenc, der in der Jugend des SSV Ulm von dem inzwischen verstorbenen Vater des Bayern-Profis Holger Badstuber, Hermann Badstuber, trainiert wurde, ist der Typ spielender Torwart. Er ist fußballerisch gut ausgebildet, seine Vorbilder sind Gabor Kiraly („Als junger Torwart hatte ich auch so eine helle Schlabberhose wie er“) und Jens Lehmann. „Ich denke, ich habe ein bisschen was von ihm“, sagt der Torhüter, der im Vorjahr bereits eine Einladung zur türkischen A2-Nationalelf in der Tasche hatte, ehe ihn die Verletzung stoppte: „Ich kann ein Spiel gut lesen – und daher viele Situationen antizipieren.“

Als Hommage an seine Heimatstadt Elazig trägt Günay Güvenc die Rückennummer 23. Das ist die Verwaltungsnummer, die der türkischen Ortschaft zugeordnet ist. „Momentan könnte ich aber nicht in der Türkei leben. Vielleicht später einmal“, sagt Güvenc, der vom ehemaligen Profi (Kickers, Leverkusen, Wolfsburg) Zoltan Sebescen beraten wird und dem in Side von Fußballunterhändlern unzählige Angebote vorgelegt worden sind. Der 21-Jährige, der bei den Kickers einen Vertrag bis Saisonende mit einseitiger Option des Vereins hat, weiß warum: „Gute Torhüter sind in der Türkei nicht einfach zu finden.“

Zukunftsangst plagt den Torwart, der ein sehr offener Charakter ist, ohnehin nicht: „Wenn ich gut spiele, geht immer eine Tür für mich auf“, sagt Günay Güvenc, der die Kickers als den richtigen Club ansieht, um seine Karriere auf ein gesundes Fundament zu stellen. Deshalb steht einer Vertragsverlängerung nach dem Stand der Dinge (Sebescen: „Wir sind in guten Gesprächen“) nichts im Wege. Die jungen Kollegen aus der ersten Liga beneidet er keineswegs. Schließlich mache das viele Geld einige von ihnen ziemlich träge. „Wenn du glaubt, etwas zu sein“, hält der 21-Jährige sein Lebensmotto dagegen, „dann hörst du auf, etwas zu werden.“