Toto-Lotto hat Pläne Spieler können bald mit Geodaten ihr Glück machen

Von  

Das Zahlenlotto trägt zwar immer noch am meisten zu den 945 Millionen Euro Spieleinsätzen bei, die die Staatliche Toto-Lotto-Gesellschaft im Land kassiert hat. Es wächst aber kaum mehr. Deshalb denkt man dort an Neues.

Das Zahlenlotto ist der größte Umsatzbringer, es wächst aber kaum noch. Foto: dpa
Das Zahlenlotto ist der größte Umsatzbringer, es wächst aber kaum noch.Foto: dpa

Stuttgart - Das Glück ist sehr ungleich übers Land verteilt: 2015 zahlte die Staatliche Toto-Lotto 18 Millionengewinne im Südwesten aus. Elf davon gingen nach Baden, allein fünf in den Landkreis Konstanz. Ob es mit der höheren Spielaffinität der Badener zu tun hat? Der durchschnittliche Badener gab im vergangenen Jahr 95 Euro für Glücksspieleinsätze aus, der Württemberger hingegen nur 82.

Das sei schon immer so, erklärte die Toto-Lotto-Geschäftsführerin, Beate Caspers-Merk. Anders ist das mit den Spieleinsätzen, die bei der staatlichen Glücksspielgesellschaft anlanden, entsprechend auch nicht das, was von dort ans Land weitergereicht werden kann. Vergangenes Jahr setzte Toto-Lotto 946 Millionen Euro um, das waren fast 45 Millionen oder fünf Prozent mehr als im Jahr zuvor. 2014 hingen war etwas schlechter gewesen als 2013.

Jeden Tag eine Million fürs Land

An Gewinnen schüttete Toto-Lotto vergangenes Jahr 463,5 Millionen Euro an die Spieler aus. Ans Land gingen 372,9 Millionen, davon 159 Millionen aus Lotteriesteuer und 213,9 Millionen an Zweckerträgen für Sportförderung, für Kunst und Kultur, den Denkmalschutz und für Soziales.

Das klassische Zahlenlotto ist mit 55,3 Prozent Anteil nach wie vor der größte Umsatzbringer, stagniert aber mit einem Plus von 1,6 Prozent Zuwachs vor sich hin. Die Einsätze beim Eurojackpot wuchsen dagegen um 33,3 Prozent; er ist aber mit elf Prozent Umsatzanteil noch kleiner als das Spiel 77, das 13,2 Prozent hält.

Ihre Not hat Caspers-Merk mit den Sportwetten. Das gute alte Zahlentoto bringt übers ganze Jahr mit 7,6 Millionen Euro gerade noch so viel wie die Silvestermillionen, die einmalig zum Jahresultimo ausgelobt werden. Man habe einen gesetzlichen Auftrag, Sportwetten anzubieten, so Caspers-Merk. Drum mache man das, auch wenn es sich nicht rechnet. So lange die Behörden in Deutschland nicht damit vorankommen, Lizenzen an Sportwettenanbieter zu geben, werde sich daran auch nichts ändern. So lange spielen sich die Sportwetten vor allem im Graubereich online ab.

Spieler bestimmt mit

Das ärgert Caspers-Merk. Immerhin hätten die deutschen Aufsichtsbehörden Ende 2015 eine „weiße Liste“ veröffentlicht, in der die auf Basis einer gültigen Lizenz in Deutschland tätigen Lotterieanbieter aufgelistet sind. Alle anderen, sagt Caspers-Merk, seien nicht legal. „Viele Online-Spieler wissen gar nicht, dass sie in Malta spielen“, sagt sie. Von dort kommt aber nichts fürs Land und nichts für soziale Zwecke, womöglich auch der Gewinn nicht.

Anders soll das bei einem neuen Spielangebot sein, das in diesem Jahr auf den Markt kommen soll und sich vor allem an junge Leute wendet. Dabei geht es um die Geodaten des Wohnortes eines Spielers. Wenn, wird mit diesen gewonnen. Das macht das Spiel exklusiv auf Baden-Württemberg eingrenzbar. Der Spieler, dessen Geodaten gewinnen, kassiert am meisten. Mitspieler in seiner Nähe profitieren aber auch noch davon. Und der Hauptgewinner soll auch mitbestimmen, wohin der soziale Anteil der Spieleinsätze fließt.

3 Kommentare Kommentar schreiben

Lotterieanbieter: " Immerhin hätten die deutschen Aufsichtsbehörden Ende 2015 eine „weiße Liste“ veröffentlicht, in der die auf Basis einer gültigen Lizenz in Deutschland tätigen Lotterieanbieter aufgelistet sind. " Aha. Es geht also darum, bestimmte andere Lotterieanbieter auszusperren. Und deswegen auch die 'oh jetzt koennen Sie auch bestimmen, zu welchen sozialen Einrichtungen, Ihre "Spende" kommt' .... klaro

ja, die Badenser/Badener: "Ob es mit der höheren Spielaffinität der Badener zu tun hat?" Neeee, wahrscheinlich war ein Zufallszahlengenerator dafuer verantwortlich, der, unglaublich aber wahr, einfach die Geodaten der Spieler, obwohl er sie nicht kannte (!) ausgewertet hat. UND !: der dann entschieden hat, einfach, weil die Badener so nette Leute sind, die Gewinne auf die zu verteilen !

Spieler können bald mit Geodaten ihr Glück machen: So sieht es also aus, wenn von Seiten des Staates die Spielsucht bekämpft werden soll. Mit immer neuen Angeboten. Mit dem Teufel den Belzebub austreiben.

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt.