Tourismus Beim Urlaub locken Schnäppchen
Thomas Wüpper, 18.02.2010 09:13 Uhr
Die meisten Verbraucher buchen ihren Strandurlaub kurzfristig. Foto: dpa
Die meisten Verbraucher buchen ihren Strandurlaub kurzfristig. Foto: dpa
Berlin - Das Geschäft in der Reisebranche läuft schlecht. Die Deutschen buchen ihren Urlaub immer kurzfristiger und verreisen wegen der Wirtschaftskrise kürzer und weniger. Das verschärft den Preiskampf der Anbieter. Eine Flut von Rabatten und Sonderangeboten soll die Kunden locken. Maria Linnhoff gibt derzeit vielen Reiselustigen einen guten Rat: einfach abwarten. "85 Prozent meiner Stammkunden schicke ich wieder nach Hause und empfehle ihnen, im April wiederzukommen", sagt die Reisebürobesitzerin aus dem sauerländischen Iserlohn. Die seltsame Geschäftsstrategie hat Gründe. "Wer jetzt seine Reise bucht, kauft zu teuer und ärgert sich später", sagt Linnhoff, "in den nächsten Wochen werden die Preise noch mal kräftig sinken. Die Branche erwartet ein extremes Spätbucherjahr."

Solche Aussagen sind für die Branche ein Graus. Denn Reisen sind eine sehr verderbliche Ware. Je früher fest reservierte Flugsitze und Hotelbetten verkauft sind, desto besser. Je mehr Kunden abwarten, desto größer wird der Druck, die Preise zu senken. Denn das Risiko wächst, auf den Angeboten sitzenzubleiben. Offiziell betont die Branche allerdings, dass es keine Rabattschlacht gebe. "Wir hatten voriges Jahr keinen Preiskrieg - und es wird auch dieses Jahr keinen geben", sagt Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband. Einkaufsvorteile durch niedrigere Kerosin- und Hotelpreise gebe die Branche natürlich an die Verbraucher weiter. Eine Rabattschlacht gebe es aber nicht.

Ein Besuch im Reisebüro oder ein paar Klicks im Internet wecken Zweifel an solchen Aussagen. Eine Woche Halbpension auf den Kanaren im März gibt es derzeit für weniger als 500 Euro, eine Woche türkische Riviera alles inklusive im Luxusressort Belek für weniger als 300 Euro. "Der Preiskampf ist doch längst voll im Gange", sagt Linnhoff, die seit fünf Jahren im Geschäft ist. "Die Branche lügt sich doch selbst was in die Tasche", sagt sie. Hinter den Kulissen herrsche wegen großer Umsatz- und Buchungseinbrüche Aufregung.

Kunden buchen nicht mehr im Januar


Besonders die Wintersaison läuft bei vielen Anbietern lausig. Bestes Beispiel: Marktführer Tui, dessen Buchungen in Deutschland derzeit um mehr als ein Zehntel niedriger liegen als in der Wintersaison 2008/2009. Allein zwischen Oktober und Dezember sank der Tui-Touristikumsatz insgesamt um fast ein Sechstel, die operativen Verluste verdreifachten sich. Die Hoffnungen ruhen nun auf einer Trendwende in der weit wichtigeren Sommersaison, die im Mai beginnt. Seit Ende des vergangenen Jahres liegen die neuen Kataloge in den Reisebüros, damit die Kunden ihre Sommerziele über den Jahreswechsel heraussuchen können. Früher buchten die Verbraucher ihren Urlaub im Januar - doch das ist Vergangenheit. "Der Januar lief grottenschlecht", sagt Linnhoff. Und das trotz immer umfangreicherer "Frühbucherrabatte" und der um fünf bis sieben Prozent niedrigeren Katalogpreise.

Mit 84.000 Euro Umsatz blieb kaum mehr hängen als im vergangenen Jahr. Zum Vergleich: noch vor drei Jahren lagen die Erlöse im Januar um mehr als zwei Drittel höher. Die großen Veranstalter haben zwar reagiert und ihr Angebot an Pauschalreisen radikal reduziert. So kappten Tui und Thomas Cook ihre Flug- und Hotelkapazitäten binnen zwei Jahren um rund ein Viertel, um den Trend zum Verramschen von Ladenhütern zu stoppen. Doch dafür bauten andere Anbieter wie der Rewe-Ableger ITS ihre Angebote und Marktanteile umso preisaggressiver aus. Selbst auf einst teuren Urlaubsinseln wie den Kanaren tobt inzwischen ein Preiskampf. Die Wirtschaftskrise hat Spanien heftig erwischt.
Kommentare (1)
Anzeigen
MRZ
10
CaptainJarek, 00:59 Uhr

Unfassbar

Seit 5 Jahren ( in Worten FÜNF ) ist die gute Frau in der Touristik und schafft grandiose 84000,- EUR Umsatz im Januar?! Na dann Prost Mahlzeit! Da können die Kunden in der Tat getrost nach Hause geschickt werden ... denn im nächsten Jahr wird es dieses Reisebüro in dieser Form sicherlich nicht mehr geben.