Transfercoup im Turnen Hambüchen kommt nach Stuttgart

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Der Deutsche Meister verlässt die KTV Obere Lahn und tritt in der Bundesliga der Turner künftig für den Titelverteidiger MTV Stuttgart an. Mit dem 27-Jährigen ist das Team wieder Topfavorit.

Der Turnstar Fabian Hambüchen wird fortan häufiger in Stuttgart in Jubelpose zu sehen sein – dann  im Trikot des MTV Stuttgart. Foto: Baumann
Der Turnstar Fabian Hambüchen wird fortan häufiger in Stuttgart in Jubelpose zu sehen sein – dann im Trikot des MTV Stuttgart.Foto: Baumann

Stuttgart - Wegen der Verlegung ins Frühjahr wird der DTB-Pokal erst 2016 das nächste Mal ausgetragen. Trotzdem muss Fabian Hambüchen dieses Jahr nicht auf einen Heimwettkampf in Stuttgart verzichten – er wird hier sogar mehr als einen absolvieren. Denn der 27-Jährige wechselt nach Informationen der Stuttgarter Zeitung mit sofortiger Wirkung innerhalb der Bundesliga von der KTV Obere Lahn zum MTV Stuttgart. „Ja, das stimmt – der Wechsel ist seit gerade eben perfekt, ich freue mich darauf“, bestätigte der Hesse am Dienstag gegenüber der StZ.

Nach dem kürzlichen Abschied des zweitgrößten nationalen Turnstars Marcel Nguyen (zur KTV Straubenhardt) hat der MTV Stuttgart den bestmöglichen Ersatz gefunden – den größten nationalen Turnstar. Der Deutsche Einzelmeister wechselt zum Deutschen Mannschaftsmeister, der große Prophet kommt ins deutsche Turn-Mekka.

Fabian Hambüchen ist der zugkräftigste Publikumsmagnet der Gründernation des Turnens und wird wohl dafür sorgen, dass der MTV Stuttgart die Scharrena nächste Saison bei seinen Heimauftritten besser füllen wird als je zuvor. Dank der neuen Attraktion – alleine die spektakuläre Reckübung des Ausnahmeathleten ist ein Wow-Erlebnis, auch für Nichtturner.

Stuttgart ist ein besonderes Pflaster für Fabian Hambüchen

Es ist ein Transfercoup, der ziemlich ­unerwartet kam. Denn unlängst hatten die   Stuttgarter ihre Personalplanungen eigentlich schon für abgeschlossen erklärt, einzig ein weiterer ausländischer Athlet als Alternative zu den starken, aber nicht immer verfügbaren Überseekräften Donnell Whittenburg (USA) und Sergio Sasaki (Brasilien) sollte noch hinzukommen. Doch als sich die Möglichkeit zur Verpflichtung des deutschen Topstars ergab, schlug der MTV zu. Damit ist die Mannschaft nun wieder der absolute Topfavorit auf den Titel in der neuen Saison, die Ende April beginnt.

Stuttgart ist ein ganz besonderes Pflaster für Fabian Hambüchen. Und das liegt nicht daran, dass sein Manager Klaus Kärcher in der Nachbarstadt Fellbach zu Hause ist. Die ­baden-württembergischen Landeshauptstadt ist der Ort, an dem er bei den Weltmeisterschaften 2007 an seinem Paradegerät Reck seinen ersten und bisher einzigen Weltmeistertitel gewonnen hat. Anschließend wurde er damals auch zu Deutschlands Sportler des Jahres gewählt.

Rekordmeister mit 35 Titeln

Fabian Hambüchen gehört nun schon seit einer Dekade zu den bekanntesten deutschen Sportlern, die nicht gegen einen Fußball treten oder einen Formel-1-Wagen lenken. Er hat immer einen lockeren Spruch auf den Lippen und sich mit seiner unverkrampften Art seit seiner ersten Olympiateilnahme als jüngster männlicher deutscher Starter 2004 in Athen zum Medienliebling entwickelt.

Die Ergebnisse haben bei ihm darunter nicht gelitten. Mit dem Gewinn seines achten nationalen Meistertitels im Mehrkampf überholte Fabian Hambüchen vergangenes Jahr in der Scharrena, der MTV-Heimstätte, den siebenmaligen Champion Eberhard Gienger aus Künzelsau an der Spitze dieser Liste. Mit den Gerätesiegen am Boden, Sprung und Reck schraubte er zudem seine Gesamttitelzahl auf 35 hoch und löste damit Eberhard Gienger und den Leipziger Klaus Köste als Rekordhalter ab.

Wetzlar bleibt Trainingsort, sein Vater der Coach

Bei internationalen Meisterschaften wird Fabian Hambüchen auch künftig wie eh und je für seinen Heimatverein TSG Niedergirmes antreten. Der Trainingsort bleibt ebenfalls der alte, einen Wechsel zu dem MTV-Trainer Valeri Belenki ins Stuttgarter Kunstturnforum wird es zumindest vorerst nicht geben: Der Weltklasseathlet wird weiterhin unter Anleitung seines Vaters Wolfgang zu Hause in Wetzlar üben.

Die sportliche Planung geht zunächst einmal bis zu den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro. Nebenbei absolviert Fabian Hambüchen in Köln ein Sportstudium. „Stuttgart ist das Turn-Mekka in Deutschland, in diesem Umfeld bieten sich mir auch für meine berufliche Zukunft große Möglichkeiten“, sagt der 27-Jährige. Hier wird mit dem DTB-Pokal in der Porsche-Arena als Teil der Weltcupserie das wichtigste Turnier auf deutschem Boden ausgetragen, das Kunstturnforum ist das führende Leistungszentrum. Und augenblicklich bewirbt sich Stuttgart um die Austragung der Weltmeisterschaften 2019. Die Entscheidung über die Vergabe fällt Mitte Mai in Melbourne, Rotterdam ist der einzige Konkurrent des Gastgebers von 2007.

Es gibt also viele Anknüpfungspunkte, an denen Fabian Hambüchen in Zukunft eine Rolle spielen könnte – zumal er sich auch vorstellen könnte, nach seiner Zeit an den Geräten eine Trainerlaufbahn zu starten. „Ich verbinde mit Stuttgart nur Positives, sei es der DTB-Pokal oder die Bundesliga“, sagt der neue MTV-Turner. „Es herrscht immer eine tolle Stimmung. Das Publikum ist sehr euphorisch und sehr fachkundig – und die WM 2007 war natürlich ein Höhepunkt in meiner Karriere.“