Transfers Niedermeier bekennt sich zum VfB
Heiko Hinrichsen, vom 05.02.2010 16:39 Uhr
Stuttgart - Der Reporter im grünen Pullover hat offensichtlich seinen gewissenhaften Tag. Also hat der Mann vom Deutschen Sportfernsehen (DSF) zur Pressekonferenz vor dem Bundesligaspiel des VfB am Samstag in Nürnberg ein ganzes Bündel von Fragen mitgebracht. Allerdings zielen sie alle auf dasselbe Thema ab - denn es geht dem Journalisten darum, die Unterschiede in der Arbeit von Trainer Christian Gross im Vergleich zu seinem Vorgänger Markus Babbel herauszuarbeiten.
Doch an Christian Gross prallen die Fragen ab wie ein Flummi an einer Betonwand. Denn anders als der Reporter will der VfB-Trainer kein großes Thema daraus machen, warum er in fünf Bundesligaspielen mehr Punkte geholt hat als Babbel in 15. "Die Vor- und Nachteile meiner Arbeit müssen andere beurteilen", sagt Gross - und lässt sich auch von der Hartnäckigkeit des Fernsehmannes nicht beeindrucken. Schließlich springt der VfB-Manager Horst Heldt dem Schweizer zur Seite, indem er sagt: "Ich weiß gar nicht, warum die Vergangenheit für die Medien so ein großes Thema ist", sagt der 40-Jährige, "mir geht es um die Gegenwart. Und da befinden wir uns weiter im Abstiegskampf."
Zwei Stunden nach Ende der Pressekonferenz kann sich ein jeder über die Besonderheiten in der Arbeit des Christian Gross informieren. Denn um 15.30 Uhr bittet der Schweizer seinen durch die Abgänge von Ludovic Magnin, Yildiray Bastürk, Jan Simak, Elson und Thomas Hitzlsperger sowie den Zugang Cristiano Molinaro auf 24 Profis reduzierten Kader zum Training. "Ich will bei den Spielern den Siegeswillen genauso fördern wie den Respekt vor dem Gegner. Außerdem geht es mir sehr um die Details", sagt Gross, der als unermüdlicher Arbeiter gilt. "Er ist der Erste, der morgens kommt und der Letzte, der abends vom Hof fährt", berichtet Horst Heldt.
Gross gilt als akribischer Arbeiter
Ein Mann, der von der Gross'schen Akribie, seiner Ausdauer und der Liebe fürs Detail bisher vorzüglich profitiert hat, ist der VfB-Profi mit der Rückennummer sechs. Georg Niedermeier war unter Markus Babbel meist nur Reservist, während er bei Gross in vier von fünf Bundesligapartien in der Startelf war. Dies ist zwar auch dem Umstand geschuldet, dass sich Matthieu Delpierre, Serdar Tascis Standardpartner in der Innenverteidigung, den kleinen Zeh des rechten Fußes gebrochen hatte, so dass der Kapitän des VfB zuletzt ausfiel.
Dadurch konnte der Niedermeier-Schorsch, geboren in München und gereift in der Jugend- und Amateurschule des FC Bayern, beweisen, dass er ein zuverlässiger Defensivmann von Bundesligaformat ist, der als 23-Jähriger noch Potenzial für höhere Aufgaben besitzt. Zweimal hat er in der Rückrunde gefährliche Situationen für das eigene Tor heraufbeschworen. Zuerst rasselte er zum Rückenrundenauftakt gegen den VfL Wolfsburg gleich zu Spielbeginn mit Roberto Hilbert zusammen; dann passierte ihm dasselbe Missgeschick in der Partie gegen den BVB im Kontakt mit Jens Lehmann - ansonsten aber spielte Niedermeier routiniert seinen Verteidigerpart.
Vorerst vom FC Bayern bis zum Saisonende an den VfB ausgeliehen, macht Niedermeier keinen Hehl, dass er gerne in Stuttgart bleiben möchte. "Ich habe es schon gesagt, dass sowohl der VfB wie auch ich an einer weiteren Zusammenarbeit interessiert sind", sagt Niedermeier, der von Roman Grill, einem ehemaligen Bayern-Amateurspieler und Jugendtrainer, beraten wird: "Wir sind in guten Gesprächen - aber noch ist nichts perfekt."
Boulahrouz ausgestochen
In der Hierarchie der VfB-Innenverteidiger ist Niedermeier inzwischen an dem niederländischen Nationalspieler Khalid Boulahrouz vorbeigezogen, wird aber am Samstag in Nürnberg auf der Bank sitzen, falls der Kapitän Delpierre, der am Donnerstag das Nachmittagstraining voll mitmachte, rechtzeitig fit wird. "Wenn Matthieu voll einsatzbereit ist, dann spielt er", sagt Christian Gross, "die Chancen dafür stehen 50:50."
Horst Heldt fasst den aktuellen Stand im Ringen um den bis 2012 vertraglich an den FC Bayern gebundenen Georg Niedermeier, für den die Münchner eine Ablöse von rund 3,5 Millionen Euro fordern, so zusammen: "Wir sind in Gesprächen und guten Mutes, dass wir den Wechsel hinbekommen. Mehr gibt es erst zu sagen, wenn die Tinte unter dem Vertrag trocken ist."