Transsexualität Ein Mann ist eine Frau ist ein Mann
Michael Ohnewald, 16.04.2010 08:42 Uhr
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Der transsexuelle Künstler Daniel Eltinger wurde als Mann geboren, war zeitweise Laura, die sieben Jahre lang auf den Strich ging, und ist nun wieder Daniel. Foto: Stoppel
Der transsexuelle Künstler Daniel Eltinger wurde als Mann geboren, war zeitweise Laura, die sieben Jahre lang auf den Strich ging, und ist nun wieder Daniel. Foto: Stoppel
""Ich bin entsetzt, wie ich mich so erniedrigen konnte.""
Daniel Eltinger über seine Rotlichtzeit



In einer Nacht, die sie nicht mehr benennen kann, träumt Laura von ihrer Großmutter, die immer bei Daniel geblieben ist. Es zieht sie dorthin, wo auch die hilfreichen Seelen im La Strada herkommen, ins bürgerliche Leben. Die Großmutter, die auf dem Land lebt, nimmt Laura bei sich auf. Im Keller geht die Kunststudentin ihrer neuen Leidenschaft nach und malt Bilder in Öl und Acryl. Laura trifft Daniel.

Daniel Eltinger hat sich verabschiedet von Laura und Lydia


Als die Großmutter ein Pflegefall wird, kümmert sie sich um die betagte Dame, welche mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht mit jedem neuen Tag bemerkt, wie sich ihr exzentrischer Enkel verändert. Laura malt sich nicht mehr selbst an, sie widmet sich einer anderen Kunst. Es ist wie bei einem Schöpfungsakt - sie erschafft sich selbst neu. Als sie ihre Röcke verschenkt und Hosen kauft, als sie Gesangsunterricht nimmt, um wieder eine tiefere Stimme zu bekommen, ist Daniel zurück.

Daniel Eltinger verschränkt die Beine auf dem Bastsessel im La Strada. Er ist in der Gegenwart angekommen mit seiner Geschichte. Es hat sich einiges verändert, draußen und drinnen. Er hatte vier Monate lang eine Freundin, ein neues Gefühl. Manche von denen, die neben Laura auf der Straße standen, sind ausgestiegen. Auch das Café ist umgezogen, es gibt neue Räume, alles herausgeputzt. Daniel Eltinger wird dort seine Bilder ausstellen. Sie stehen für sein Leben, für ein Leben dazwischen.

"Meine Biografie beißt sich in den Schwanz", sagt er und zupft dabei mit der einen Hand an seiner Oberlippe, während die andere durchs Haar gleitet. Manchmal spielt Laura noch ein bisschen mit Daniel. Die Vergangenheit kann man nicht einfach ablegen wie einen alten BH. In der Altstadt ist Daniel nur noch selten. "Wenn ich durch die Straßen gehe, bin ich entsetzt, wie ich mich so erniedrigen konnte. Prostitution heißt immer auch, seine Ideale zu beugen."

Mit dem Beugen ist es vorbei. "Ich habe mich von mir selbst befreit", sagt Daniel Eltinger. Er schaut auf die Uhr. Die Großmutter wartet auf ihren Enkel, der sich verabschiedet hat von Lydia und Laura. Daniel Eltinger will nach Hause.
Kommentare (5)
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MAI
17
Samuel, 19:34 Uhr

Geschlechtsumwandlung nicht möglich

An die VorkommentatorInnen, die davon sprachen eine Geschlechtsumwandlung ist nicht möglich. Soweit stimmt das, man kann ein Geschlecht nicht umwandeln, nur angleichen, man mach aus einem Mann keine Frau durch OP und andersrum auch nicht, es war ja schon vorher eineR... Aber die Möglichkeiten sind in Deutschland nicht schlechter als die in ärmeren Ländern... und auch keine 50 Jahre alt... erst vor kurzem wurden zumindest die Aufbau-OPs für die Männer erneuert, zumindest der Dr. Liedl "probiert" immer neue Methoden aus und wendet sich von Methoden, die nicht so ein gutes Ergebnis bringen ab. Auch bei den Brustamputationen (tut mir leid, kann nur von der männlichen Seite aus sprechen), wird zunehmend auf große Narben verzichtet und wenn das in einer OP nicht möglich ist, werden halt mehrere angesetzt. MItunter eine schwere langwierige Tortur, bei der man abwägen muss zwischen einem schönen Ergebis und es schnell hinter sich haben. Auch bei den vielen verschiedenen Hormonarten kann ich sagen, dass das so nicht stimmt... bei den Frauen wurden zwar die Depotspritzen zum Großteil vom Markt genommen, also gibt es nur noch Pflaster, Gels und Tabletten, bei den Männern gibt es zum größten Teil Testoviron und Nebido, meist als Spritze oder Geld... alles im Allen überschaubar... Bei vielen anderen körperlichen oder psychischen Problemen herrscht ein viel größeres Spektrum an Medikamenten, die verabreicht werden könnten, allein bei Kopfschmerzen gibt es zig verschiedene Medikamente. Alles in allem bewunder ich Daniel und ich würd ihm auch nicht die Transsexualität absprechen, wenn er sich selbst so defniert... meine Exfreundin hat ja auch gemeint, wer als TM keinen Aufbau will, ist kein TM... heißt ich saß gestern mit 26 zisidenten (zwischen den Geschlechtern stehend) und einem TM im Raum... bullshit. Jeder soll sich so entwickeln wie er/sie es für richtig hält.

APR
27
yuna, 10:12 Uhr

Transsexuell

Eigentlich schade, dass so eine Geschlechtsumwandlung nicht möglich sei. Dem glaube ich jedoch nicht ganz, zumindest bei Mann zu Frau. Transplantationen sind ja eigentlichmöglich. Soweit ich weis, kann man vor der Geburt feststellen ob das Kind Schwul, Lesbisch, Transsexuell oder anderes wird. Zumindest meinen das die asiatischen Wissenschaftler. Ich denke man wäre einfach schon sehr viel weiter in der Wissenschaft, wenn man Statistiken machen würde. Es gibt nur einige Ärzte soweit ich informiert bin, die Statistiken von Ihren Patienten aufstellen, doch auch nicht nach links und rechts schauen. Warum hat man noch nicht rausgefunden welche Hormone einem Transsexuellen verabreicht werden sollen? So viele verschiedene Behandlungsmethoden und Ergebnisse! Warum sind die Operationen in ärmeren Ländern erfolgreicher als in Deutschland oder America? Darüber scheint sich keiner ein Kopf zu machen. Schon mal schlecht, dass die OP Methoden schon ein halbes Jahrhundert alt sind! Transsexuelle haben es echt schwer. Schon interessant das Transsexuelle noch vertrauen zum Menschen haben. Ich kann es nicht ganz nachvollziehen, warum es in den Familien und der Umbebung so schwer ist, den einen Menschen als Transsexuell zu sehen bzw. als anderes Geschlecht. Meist wird auch nie darüber in den Familien gesprochen. Am Ende müssen Familie und bekannte ja nur die Gewohnheit ablegen und ein neuen Namen mit neuer Anrede aussprechen. Für mich ist jemand eh nur Transsexuell, solange er sich in der Umwandlungsphase befindet. Es sollte wirklich mehr, auch in den Schulen verbreitet werden, dass die Identität, was anderes als das angeborene Geschlecht es ist. Sowieso sollten eigentlich Geschlechter eine sehr niedrige Rolle meiner Meinung nach spielen. Im Endeffekt sind wir alle nur Menschen – wozu da noch doll unterscheiden? Es ist doch nur die Gesellschaft, die einen sagt das man mit dem Gegengeschlecht zusammen kommen soll, sonst hätte ich es selbst auch nie gemacht. Es fehlt sehr viel an jeder Sozialen Ecke!

APR
21
christina, 11:22 Uhr

Die Vielseitigkeit der Transsexualität

Es ist schon interessant, dass solch eine Emotionswanderung wie im Artikel beschrieben, gar nicht so selten ist. Mir sind einige Fälle von vermeintlichen "Hardlinern" unter Transsexuellen bekannt, die nach Jahren des Kampfes zur Anerkennung der Transsexualität (oft als Aktivisten in Selbsthilfegruppen), doch wieder zurück zu Ihrer alten Persönlichkeitsdarstellung gekommen sind. Diese Personen als nicht Trassexuell zu bezeichnen, halte ich für ungerechtfertigt. Immerhin weiß nicht einmal die Wissenschaft richtig, was die Transsexualität ausmacht; zu vielschichtig sind die "Symtome" und zu Umfangreich die möglichen Theorien diese zu erklären, und mit dem stetigen Wandel der Gesellschaft scheinen sich wiederum viele dieser Theorien in Luft aufzulösen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das Wechselbad der Gefühle zum transsexuellen Lebensalltag gehören. Und um Diesen gerecht zu werden, wird nicht all zu selten versucht mit extremen Verhaltensformen sich selbst zu finden und seine Gefühle in den Griff zu bekommen. Wem kommt nicht beim Wort "Transe" sofort das Bild einer aufgetakelten Vogelscheuche in den Kopf. So will auch keine transsexuelle Person aussehen und dennoch wird sie sich so früher oder später Gestalten. Das geschieht so lange, bis man seinen Weg gefunden hat: bei der einen Person als Mann und bei der anderen als Frau und vielleicht bei der dritten zwischen beiden Geschlechtertypen. Das die allgemeine Gesellschaft und im besonderen die Familien durchaus Probleme mit dem Thema haben, ist meiner Meinung nach absolut verständlich. Und wenn eine transsexuelle Person mal ehrlich zu sich ist, hat sie die gleichen Probleme mit sich selbst, denn wer ist schon gerne Transsexuell - ich möchte auch nur ich selbst sein! Aus diesem Grunde finde ich es wichtig, dass in der Gesellschaft eine Akzeptanz geschaffen wird die diese Personenkreise nicht ausgrenzt oder noch schlimmer, diese pauschal in die Rotlichtszene abschiebt. Die Tatsache, das die meisten bei Transsexualität immer nur an Männern in Frauenklamotten denken zeigt auf, das viel zu wenig über diesen Geschlechtstypus bekannt ist. Ich würde mich freuen, wenn viel öfter über dieses Thema in all seiner Vielschichtigkeit berichtet würde. Dieser Artikel hat daher gut gefallen!

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