""Ich bin entsetzt, wie ich mich so erniedrigen konnte.""
Daniel Eltinger über seine Rotlichtzeit
Stuttgart - Da steht sie mit hochgesteckten Haaren, der Taille einer jungen Birke und dem Gefühl im Bauch, dass es wieder einer jener Abende wird, in denen ein Kunstwerk stirbt. Wenn die Stadt das Licht anknipst, beginnt es von Neuem. Ausgehungerte Freier streichen durchs Stuttgarter Rotlichtviertel, vorbei an Spalier stehenden Huren, die darauf warten, in ihren Stöckelschuhen an verschwiegene Orte zu staksen, in denen große Geldscheine über kleine Betten huschen.
Laura ist hier zu Hause. In der Altstadt holt sie ihr verpasstes Leben als Frau nach. Manchmal kommen Freier, die nach Alkohol riechen und eine schmutzige Nummer wollen. Manchmal kommen feine Herren, die sich eingesperrt fühlen in ihren Fantasien. Laura, die Transe, nimmt sie alle.
Drei Jahre später sitzt Laura im La Strada und erzählt von der Frau, die sie einmal war. Laura ist nicht mehr Laura, trägt keine Dessous und keine Federboas. Nur die künstlichen Brüste, für 4000 Euro eingesetzt, sind ihr noch geblieben. Sie heißt jetzt wieder Daniel, Daniel Eltinger. Diesen Nachnamen hat er sich ausgesucht. Er trägt eine gebügelte Hose am Bein, grüne Socken, blaue Schuhe, ein rosa Hemd und darüber eine grüne Strickjacke. Mainstream statt Mieder. "Ich habe kein Interesse mehr, mich zu schmücken", sagt er.
Transsexualität ist bis heute ein Tabuthema
Daniel Eltinger gehört zu den rund 12.000 Menschen in Deutschland, die von sich sagen, sie seien im falschen Körper geboren. Wissenschaftlich weitgehend ungeklärt, ist Transsexualität bis heute ein Tabuthema. Selten sprechen Betroffene offen darüber. Die meisten unterdrücken ihr Verlangen, andere lassen sich operieren oder tauchen ab. Nur wenige gehen damit um wie Jenny Bailey, die Bürgermeisterin von Cambridge. Sie war früher ein Mann und ist jetzt eine Frau. Oder wie Norbert Lindner, der Bürgermeister einer Gemeinde in Sachsen-Anhalt, der sich als Frau outete.