Trattoria Tabano Wo der Wolfsbarsch satt und glücklich macht

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Die Trattoria Tabano im Stuttgarter Westen wirkt unscheinbar. Doch wer erst einmal drin ist, fühlt sich schnell zu Hause.

Das Tabano kommt ohne Schnickschnack aus. Foto: Heiss
Das Tabano kommt ohne Schnickschnack aus. Foto: Heiss

Stuttgart - Ungefähr so muss es sich anfühlen, wenn man in eine italienische Familie hineinheiratet. Ein Abendessen im Restaurant Tabano reicht schon aus. Man neigt dazu zu glauben, die Truppe schon lange zu kennen und so manche Flasche Sardinier gemeinsam geköpft zu haben. Der Chef kommt an den Tisch und klopft einem mehrfach auf den Rücken, es wird getratscht und gelächelt, der Ober taucht tief in seine Familiengeschichte ein, erzählt von der Heimatstadt Lecce in Apulien und zerlegt nebenbei den Wolfsbarsch. Fremdeln geht gar nicht in der neuen Trattoria im Stuttgarter Westen.

Nicht nur der Rundumservice ist überzeugend, auch das, was serviert wird. Wir bestellen einen Salat mit Spargel, Garnelen und Tintenfisch (9,50 Euro) - der Kellner bringt aufmerksamerweise gleich zwei Teller für die Vorspeise. Rucola schmiegt sich an saftig grüne Spargelspitzen, der marinierte Pulpo ist ein bisschen übersalzen, aber ansonsten eine Wucht. Und erst die Garnelen, schön frisch, dazu ein Spritzer Zitronensaft und ein sardischer Weißwein (0,2 l für 3,50 Euro). Wenn jetzt der Kellner noch wüsste, von welchem Weingut der Tropfen kommt. Doch da muss er passen.

Der Espresso duftet - nach Italien

Im Tabano hat alles eine klare Linie, keine überflüssige Dekoration, kein Schnickschnack auf den Tellern. Weiße Wände, simple Holztische, nur der goldgerahmte Spiegel und der gewaltige Tresen mit Kupferverkleidung ziehen die Blicke an. Auch die Speisen sind bereits optisch ein Vergnügen - allemal, wenn der Kellner den gebackenen Wolfsbarsch (18 Euro) samt gemischtem Salat kredenzt. Ein Riesenkerl mit krosser Kruste. Binnen Minuten wird er souverän in seine Einzelteile zerlegt, sein festes weißes Fleisch überzeugt. Der Kellner tranchiert und plaudert und schwört auf die Soße zum Edelfisch. Und in der Tat - die Sauciere hat es randvoll in sich: Olivenöl, Knoblauch, reichlich Zitrone und etwas Essig - das harmoniert bestens mit dem Wolfsbarsch.

Eine gute Wahl ist auch das Lammfilet in Weißweinsoße (16,50 Euro), das auf eine ordentliche Portion Kartoffelpüree gebettet ist. Die kräftige Würze des Rosmarins gibt beim Hauptgericht geschmacklich die Richtung vor - es ist das ideale Kraut für die zarten Lammstücke. Dazu ein Glas Nero d'Avola (0,2l 4 Euro), ein Roter, der samtig den Gaumen hinunterrutscht. "Ob wir noch einen Grappa wollen oder einen Espresso oder vielleicht sonst was?", will Ludovico Bellusci, der Wirt des Tabano wissen und klopft dabei gleich noch mal herzlich auf die Gästeschulter.

Bellusci, der das Ecklokal im Januar eröffnet hat und schon lange Teilhaber der Trattoria Riva am Feuersee ist, versteht sein Geschäft. Nur ein paar Meter weiter ist der nächste Italiener, der Konkurrenzdruck ist nicht ohne im Viertel. Doch Bellusci geht charmant in die Offensive, gibt sich großzügig. Der Limoncello leuchtet schummrig-grün im Kerzenlicht und der Espresso duftet - nach Italien.

Trattoria Tabano, Silberburgstraße 62b, 70176Stuttgart, Telefon 91 27 87 80, geöffnet Dienstag bis Freitag von 11.30 bis 14.30Uhr und 17.30 bis 1 Uhr, Samstag 18 bis 1 Uhr, Sonntag 16.30 bis 1 Uhr. Küche bis 23.30 Uhr, Montag Ruhetag.

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Die Bewertung

Küche **** Service **** Ambiente ****

***** = herausragend, **** = überdurchschnittlich, *** = gut, ** = Luft nach oben, * = viel zu verbessern

Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Das günstige Lokal um die Ecke wird nach anderen Kriterien bewertet als ein Sternerestaurant. Der Test gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche.