Trend Grün ist die Modefarbe in Berlin
Katja Bauer, 23.01.2010 09:45 Uhr
 Foto: AP
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Berlin - Renate Künast hat seit Jahren dasselbe Problem: Wenn die Grünen-Chefin mal einen schicken, sagen wir, marineblauen Anzug für die Haushaltsdebatte im Bundestag braucht, dann sucht sie sich halb tot. "Es gibt genug Öko- T-Shirts und Freizeitkleidung", sagt die Berlinerin. Aber was macht man als Anwältin, Abgeordnete, Büromensch? Wer grüne Businessklamotten brauche und wolle, der habe oft nur eine Wahl, sagt Künast: "Ich muss mir viel schneidern lassen."

Modegeschäft mit Zukunft


Das Publikum, das ihrer Klage an diesem Abend lauscht, könnte und wird vielleicht in allernächster Zeit daran etwas ändern - auch wenn die Zuhörer nicht so aussehen, als sei ihr Leben irgendwie büroaffin. Da stehen Frauen in mehrschichtigen Strickgewändern mit hennafarbenen Wurschtelfrisuren, daneben Männer mit Riesenschals und Schnabelschuhen.

Es riecht nach grober Wolle und nach feuchtem Gemäuer. Man hat sich in der alten Heeresbäckerei in Berlin-Kreuzberg getroffen, sitzt auf Möbeln aus Wellpappe und Filz, und hinter der Bar stehen Mädchen mit einer Attitüde, die deutlich werden lässt, dass zumindest sie selbst ihre Zukunft nicht hinter dem Tresen sehen.

Aber auch wenn es nicht so aussehen mag: was hier passiert, ist knallhartes Modegeschäft - mit Zukunft. Zum zweiten Mal findet während der Berliner Modewoche die Ökomesse "The Key To" statt, und die Zahl der Aussteller hat sich seit Juli 2009 verdoppelt. Wäre mehr Platz gewesen, hätten noch mehr Designer gerne ihre Kollektionen gezeigt, erzählt der Messegründer Gereon Pilz van der Grinten. "Im Sommer haben wir hoffentlich noch mehr Ausstellungsgelände, das bis zum Spreeufer reicht." Schon jetzt findet er die Kritik von Künast an zu wenig Mainstreamkleidung nicht mehr ganz berechtigt. "Wir haben alles von Basic bis Eleganz, von Unterwäsche bis zu Schuhen."

Berlin wird grün


Grün ist sozusagen Modefarbe. Vor allem in Berlin. "Heute frage ich mich: war ich eigentlich blind, dass ich dieses Potenzial so lange nicht erkannt habe?", sagt Tanja Mühlhans, die beim Berliner Senat eine eigene Abteilung führt, deren Ziel es ist, kreative Industrien in die Stadt zu holen. Der Erkenntnisprozess hat mittlerweile funktioniert. Berlin, so verspricht die Modefachfrau, werde alle Aktivitäten für Grüne Mode in der Stadt unterstützen.

"Die Ersten werden wir bei diesem Thema nicht mehr werden", sagt Mühlhans mit Blick auf die nordischen Länder. "Aber wir haben immer noch die Möglichkeit, in diesem Bereich die Führung zu übernehmen." Das stimmt, denn auch wenn Berlin sich als Modestadt vom Rang her auf keinen Fall mit den etablierten Standorten wie Paris auch nur vergleichen kann, so hat die raue Stadt an der Spree doch ihre eigene Anziehungskraft: in der Branche steht sie für junge Talente, für Neubeginn, Wandel, Experimentierfreude und Abkehr vom reinen Establishment.

Wie sehr Grün Trend ist, kann man allein daran sehen, dass auf allen Messen während der halbjährlich stattfindenden Modewoche Labels ihre Kollektionen zeigen, in denen umweltfreundliche Materialien verwendet werden. Dazu gehören auch etablierte Designer wie die Berliner Mongrels in Common auf der Fashion Week am Bebelplatz.

Kompromisslos, umweltfreundlich, modisch


Die höchsten Ansprüche an ihre Aussteller hegt aber "The Key To" - das bezieht sich auf Ökozertifizierung, faire Arbeitsbedingungen und die Unterstützung traditionellen Handwerks. Dass solche Mode business- und sogar prinzesschentauglich sein kann, zeigt das Label Queen and Princess mit Entwürfen für Mütter und Töchter in schimmernden Stoffen. Ein Beispiel für kompromisslos umweltfreundliche Mode legt bei der diesjährigen Messe die aus Portugal stammende Designerin Daniela Pais mit ihrem Label Elementum vor. Sie zeigt in ihrer aktuellen Kollektion genau sieben Strickoberteile.

Jedes der schlauchartigen Stücke aus feinen Naturfasern kann auf mindestens sieben verschiedene Arten getragen werden - von der Kopfbedeckung bis zum Kleid. "Letztlich kann ich so das erreichen, was wirklich umweltfreundlich ist", sagt Pais: "weniger konsumieren."
Kommentare (2)
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JAN
23
Jessica, 21:47 Uhr

Queen and Princess auf der Key

Hallo Klaus, Queen and Princess war auf der Key und hat die neue Kollektion schon auf der webside www.queenandprincess.de.Die Kollektion ist größer geworden und zeigt eindeutig, dass Ökomode nicht nach öko aussehen muss.Die Blusen und Blusenjacken taugen nicht nur was für die Queen sondern auch für den Bundetag :O) Gruß an Frau Künast !

JAN
23
Klaus, 11:12 Uhr

Grüne Mode

Queen and Princess war auf der Key? Hab' die Mode im letzten Jahr im Greenshowroom gesehen, die Sachen waren toll. Hoffentlich ist die neue Kollektion schon auf der Homepage.