Trip nach Brasilien Anrüchige Reise von Wüstenrot
Andrea Gregor, 12.12.2011 20:48 Uhr
Nicht nur an der Copacabana haben es sich die Wüstenrot-Vertreter, hier mit Cheerleadern, gutgehen lassen Foto: privat
Nicht nur an der Copacabana haben es sich die Wüstenrot-Vertreter, hier mit Cheerleadern, gutgehen lassen Foto: privat

Stuttgart - Was haben die Verantwortlichen des Stuttgarter Stiftungsunternehmens Wüstenrot & Württembergische AG (W&W) eigentlich aus der Skandalreise der Hamburg-Mannheimer-Versicherung gelernt? Die Sause mit zahlreichen Prostituierten für fleißige Vertriebsleute im Jahr 2007 hatte die Branche aufgerüttelt. Auch der W&W-Vorstand bemühte sich nach Kräften, den Imageschaden für die Branche wiedergutzumachen.

Doch nachdem schon im Sommer eine Luxusreise von 100 umsatzstarken Wüstenrot-Vertretern nach St. Petersburg durch StZ-Recherchen öffentlich wurde, sorgt nun eine weitere sogenannte Incentivereise der Ludwigsburger W&W-Tochter für Aufwallungen. Ende April 2010 flog auf Einladung der Vertriebsdirektion Baden-Württemberg eine 51-köpfige Gruppe von Wüstenrot-Vertriebsleuten nach Brasilien . Drei Nächte logierten die 46 Männer und fünf Frauen im Sofitel Rio de Janeiro, direkt an der berühmten Copacabana. Das Hotel bezeichnet sich selbst als eines der besten der Megacity.

Den Erfolg feiern

Die „Rio-Gewinner“ (so die interne Anrede der Reiseteilnehmer) sollten den „Erfolg feiern“, dass sie im Jahr 2009 in allen drei Geschäftsfeldern – Bausparen, Baufinanzierung und dem Vertrieb von Produkten des Partners Württembergische – im Ländle am besten abgeschnitten haben. Deshalb stand über dem Trip das Motto 111. Gesamtkosten: 203.000 Euro. Der geldwerte Vorteil jedes Teilnehmers lag bei stolzen 3700 Euro.

Doch die Freude „auf ein paar ereignisreiche Tage in entspannter Atmosphäre“ (so die Leiterin der Außendienstdirektion) dürfte den Teilnehmern inzwischen gründlich verleidet worden sein. Seit einer Woche prüft die Revision des Unternehmens, ob es Verstöße gegen den konzerneigenen Verhaltenskodex gegeben hat. Es wird untersucht, ob Wüstenrot den überwiegend männlichen Teilnehmern den Besuch eines beliebten Tanzlokals ermöglicht hat oder sie gar dazu verleitet hat, den Nachtclub Barbarella zu besuchen. Er fungiert als Kontaktbörse, wo sich Prostituierte freizügig anbieten.

Andere Möglichkeiten der Abendgestaltung

Der Reisebus, so versichert das Unternehmen, habe zwar in der Nähe des Barbarella gehalten. Aber an der „belebten Straßenkreuzung“ habe es auch andere Möglichkeiten der Abendgestaltung gegeben. „Auf dem Programm standen weder offizielle noch inoffizielle Veranstaltungen oder Aktivitäten, die nicht mit dem Verhaltenskodex der Wüstenrot Bausparkasse AG vereinbar gewesen wären“, erklärte das Unternehmen am Montag. Aber was ist mit den Aktivitäten, die nicht expressis verbis auf dem Programm standen?

Kommentare (4)
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DEZ
14
Innendienstmitarbeiter, 21:47 Uhr

Nestbeschmutzer

Ich kann mich der Meinung von Herrn Grau nur anschliessen. Wenn jemand einen Bordellbesuch seiner Kollegen so sehr verurteilt, dass er/sie ihn veröffentlichen muss, wäre der Artikel schon im letzten Jahr erschienen. Das Geld, das der/die Nestbeschmutzer auf diese 'schamlose' Weise für die Insiderinformationen erhalten hat, reicht sicherlich nicht als Ersatz für den entstandenen Imageschaden.

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DEZ
14
shl, 11:20 Uhr

insentivreise wüstenrot

bei dem puffbesuch in rio handelt es sich um eine privatangelegenheit, die von wüstenrot auch nicht finanziert wurde, anders als bei ergo im jahre 2007.ob ich in rio oder in pforzheim ins puff gehe ist auch egal. trotzdem: wenn ich gewinner einer incentivreise bin, benehme ich mich und ziehe das unternehmen nicht in den schmutz. wichtiger wäre es, das provisionssystem zu ändern, z.b. provisionen erst auszuzahlen, wenn der vertrag eingelöst ist. ich kenne einige mitarbeiter, die in den monaten sept. bis dez.auf friedhöfen nach namen und geb.-daten von "frischverstorbenen" suchen, um dann "Luftverträge" abzuschließen. Schließlich gibt es bereits provision für den vertragsabschluß, ohne das dieser eingelöst wird.

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DEZ
13
ZEUS, 17:37 Uhr

aaus der VW-Affaire nichts gelernt

Da gibt es nur eine Frage an den Vorstand der W&W Gruppe. Hat seine Gesellschaft, die ja auf eine positive Sicht durch die regionale Bevölkerung, die Kunden angewiesen ist, noch nie etwas von Corporate Compliance gehört und eine solche im Konzern eingeführt? Gibt es eine solche nicht, hat die Corporate Governance bei W&W versagt, gibt es eine solche, dann taugt sie nichts. Da sitzt dann der wirklich Verantwortliche, der Konsequenzen ziehen sollte.

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