Strohgäu Extra
 
Trotz Minus von 4,1 Millionen Euro "auf gutem Weg"
"Strohgäu Extra", 10.12.2011 02:46 Uhr
Leonberg Die Kreisverwaltung legt die Bilanz für 2010 vor. Wenn es nach dem Landrat Roland Bernhard geht, sollen die Kliniken jährlich vier Millionen Euro erhalten. Von Günter Scheinpflug

Die Krankenhäuser des Klinikverbunds Südwest im Landkreis Böblingen haben im Jahr 2010 ein Minus von 4,1 Millionen Euro gemacht. Der Fehlbetrag soll aus den Rücklagen entnommen werden. An Kapitalrücklagen verfügten die Kliniken im Jahr 2010 insgesamt 42,5 Millionen Euro. "Wir sind auf einem guten Weg", sagte der Landrat Roland Bernhard. "Wir dürfen die Stimmung rund um die Krankenhäuser nicht immer in Moll wiedergeben", bewertete er die Situation. Auch anderswo gebe es finanzielle Probleme.

Der Landkreis hat in den vergangenen vier Jahren jeweils vier Millionen Euro jährlich als Zuschuss in die Häuser des Klinikverbunds gesteckt. Auch für das kommende Haushaltsjahr, über das gegenwärtig in den Kreistagsausschüssen diskutiert wird, ist ein Zuschuss von vier Millionen Euro im Gespräch. Für den CDU-Fraktionsvorsitzenden Helmut Noë steht jedoch noch nicht fest, ob der Kreis einen Obolus erneut über einen längeren Zeitraum festlegen solle. "Wir müssen die Entwicklung der nächsten Jahre im Auge behalten", sagte Noe. Wilfried Dölker möchte die Frage des Zuschusses von den weiteren Festlegungen für den Haushalt 2012 abhängig machen. Der Verwaltungs- und Finanzausschuss einigte sich auf einen Kreisumlagesatz von 39,3 Prozent. Der Kreistag muss darüber aber erst noch entscheiden.

Dölker deutete an, dass die zu erwartenden Steuermehreinnahmen auch den Kliniken zugute kommen könnten. "Wir dürfen dabei nicht nur an unseren Etat denken und freie Beträge hauptsächlich für den Abbau unserer Schulden verwenden, wenn die Kliniken kurzfristig neue Darlehen aufnehmen müssen und dafür höhere Zinsen zahlen", sagte der Fraktionschef der Freien Wähler. Die Verwaltung hatte vorgeschlagen, nicht nur 3,5 Millionen Euro Schulden zu tilgen, sondern mit weiteren 1,4 Millionen Euro Kredite abzulösen. Im Kernhaushalt befindet sich der Landkreis mit 81 Millionen Euro in den roten Zahlen.

Um die Zukunft der Krankenhäuser in Leonberg und Herrenberg zu sichern, beantragte die CDU-Fraktion, Gutachter einzuschalten. Sie sollen prüfen, wie sich eine Zusammenlegung der Kliniken in Böblingen und Sindelfingen auf die Standorte in Leonberg und Herrenberg auswirken würde. Dölker erklärte, dass er erst das Ergebnis abwarten wolle, ehe er sich ein Urteil in dieser Frage erlaube. Dölker hegte aber grundsätzliche Zweifel an dieser Lösung. "Angesichts des Sanierungsstaus in den Krankenhäusern bin ich mir nicht sicher, "ob eine Fusion überhaupt machbar und finanzierbar ist", sagte er.

Sämtliche Kliniken schlossen im Jahr 2010 mit einem Minus ab. Darunter befindet sich auch die Geriatrische Reha-Klinik, die für eine Abteilung, in der sie psychische kranken Menschen aufnimmt, 60 Betten einrichten will. Die Umbaukosten im Jahr 2010 beliefen sich auf 300 000 Euro.

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