Tschechien Karlsbad: Die heilende Schöne

Von Sabine Landau aus Karlsbad 

In Karlsbad mit seinen heißen Quellen gibt es vielfältige Kurangebote. Auch Krankenversicherungen beteiligen sich an den Kosten.

Prachtvoller Spazierweg für Kurgäste: die Mühlenkolonnade in Karlsbad. Foto: Fotolia
Prachtvoller Spazierweg für Kurgäste: die Mühlenkolonnade in Karlsbad.Foto: Fotolia

Karlsbad - Šárka Koštálová wohnt im 8. Stock und liebt den Ausblick, den sie von dort oben auf „ihr“ Karlsbad hat. Wie es sich elegant an die herbstlich bunten Hänge des Tals schmiegt. Seit 47 Jahren ist der traditionsreiche westböhmische Kurort ihr Zuhause. Hier, wo die Teplá in die Eger fließt, ist sie geboren und zur Schule gegangen. Noch heute wohnt sie in einem Plattenbau am Stadtrand und ist ein wandelndes Lexikon, wenn es um ihren Heimatort Karlovy Vary, Karlsbad, geht. Anti-Aging-Kältetherapie, Sauerstofftherapie, Schokoladenbäder, Lymphdrainage - die Kurangebote in den Hotels und Spas der Stadt sind vielfältig, aber auch teuer.

Öffentliche Bäder gibt es nur noch zwei: das Bad N° 5, auch Elisabethbad genannt, und das Schlossbad. Letzteres ist in privater Hand und bietet zwei Stunden Aufenthalt inklusive Kneipp-Anwendung und 20-minütiger Massage für 42 Euro. Den meisten Einheimischen ist das zu teuer. Sie nutzen vor allem das heilende Mineralwasser, das für jeden frei in den Wandelhallen zugänglich ist. Das berühmte Karlsbader „Sprudelwasser“ eignet sich besonders gut für Trinkkuren: Sowohl tschechische als auch deutsche Krankenversicherungen beteiligen sich an den Kosten für einen Kuraufenthalt, wenn dieser aus medizinischer Sicht notwendig ist. Reine Wellness-Anwendungen müssen jedoch selbst bezahlt werden. „Die Prüfung des Leistungsantrags und die Bewilligung erfolgen individuell, das Verfahren bis zur Genehmigung dauert etwa zwei Wochen“, erklärt Gabriele Baron von der Techniker Krankenkasse. Pro Jahr reisen etwa 100 TK-Versicherte nach Karlsbad, wo die Kasse laut Internetseite zwei Kooperationspartner hat - das Hotel Imperial und das Spa Resort Sanssouci. Beide Einrichtungen können Kosten direkt mit der TK abrechnen und bieten Versicherten Sonderkonditionen. Da sich die Preise für die Unterkunft auch bei einer Kur nach den Saisonzeiten richten, könnten Patienten Geld sparen, wenn sie „den Zeitpunkt Ihrer Kur entsprechend wählen“, heißt es auf der Seite.

70.000 Kurgäste hat das Karlsbad jährlich

Die Hauptsaison dauert von Mitte März bis Mitte November, auch über Weihnachten und Silvester steigen die Preise. In jedem Fall gilt: Kuranwärter sollten sich zuerst mit ihrer Krankenkasse in Verbindung setzen. Aus medizinischer Sicht wird das glaubersalzhaltige Karlsbader Nass vor allem zur Behandlung von Verdauungs- und Stoffwechselstörungen eingesetzt. 70 000 Kurgäste konsumieren es jährlich im Kampf gegen Diabetes, Gicht oder Fettleibigkeit. Dabei trägt nicht nur das Wasser an sich zur Heilung bei, sondern „vor allem seine natürliche Temperatur, die von Quelle zu Quelle variiert“, erklärt Šárka Koštálová. Der Sprudel, ganzer Stolz der Karlsbader, bringt es auf 74 Grad, die Karl-IV.-Quelle in den Markt­kolonnaden dagegen ist „nur“ 68 Grad heiß. Um sich den Mund nicht zu verbrennen, sollte das Heilwasser durch eine Schnabeltasse getrunken werden. Für einen Probierschluck genügt ein Plastikbecher. Das Wasser schmeckt muffig, salzig, klebt schwefelig an der Zunge und hinterlässt einen modrigen Nachgeschmack. Kurz: kein Gaumenschmaus, sondern Medizin. Damit das Heilwasser seine Wirkung entfalten kann, müssen Patienten drei Wochen lang mindestens 0,7 Liter am Tag davon trinken. Früher wurden sogar bis zu fünf Liter verordnet. Und: Karlsbader Hausfrauen benutzten es noch bis ins 16. Jahrhundert hinein zum Kochen.

Diese Zeiten sind zum Glück vorbei. Heute gart Šárka Koštálová ihre Knödel im „normalen“ Karlsbader Trinkwasser, das im angrenzenden Naturschutzgebiet Kaiserwald entspringt. Dieses bietet, durchzogen von 100 Kilometer Fußwegen, Wanderliebhabern beste Erholungsmöglichkeiten. Eine Standseilbahn bringt Spaziergänger beispielsweise direkt von der Hauptstraße „Alte Wiese“ in die Kurwälder und zum Aussichtsturm Diana, einem weiteren Lieblingsort von Šárka Koštálová, die „die Dinge gerne von oben betrachtet“. Lohnenswert ist auch ein Abstecher ins Café Elefant. Wo der Herr Geheimrat Goethe einst feuchtfröhlich seinen 38. Geburtstag feierte, sitzen heute wohlhabende Russen. Sie lieben den bodenständig-böhmischen Glamour, das teure Kristall, die Juweliergeschäfte, Uhren- und Modeboutiquen, die sich entlang der Alten Wiese etabliert haben. Eingehüllt in Parfümwolken, flanieren sie die denkmalgeschützte Hauptstraße an der Teplá entlang, die von Werbeschriftzügen exklusiver Marken dominiert wird. 70 Prozent aller hiesigen Hotelaktien sind bereits in russischer Hand. „Karlsbad entwickelt sich immer mehr zu einer geteilten Stadt“, stellt Šárka Koštálová fest.

In den Vororten bewegen sich die Einheimischen, im historischen Kurviertel, eindrucksvoll regiert von Vier- und Fünf-Sterne-Hotels wie dem Imperial oder dem Grand Hotel Pupp, fast nur Touristen. Abends schlendern sie durch die Gassen der Altstadt und kehren in eines der urigen Wirtshäuser auf ein tschechisches Bier ein. Die meisten Gebäude sind aufwendig saniert, die hübschen Trinkhallen liebevoll instand gehalten. „Das haben wir irgendwie auch den Russen zu verdanken“, gibt Šárka Koštálová offen zu. „Sie haben gewissermaßen die Stadt auch gerettet.“

  Artikel teilen
1 KommentarKommentar schreiben

Mein schönes Karlsbad: War als Bewohner des Vogtlandes schon mehrmals auf Tagestour in Karlsbad und diese Stadt hat irgendwie ein ganz besonderes Flair. Man wandelt durch den Kurpark, siffelt hier und da an einer der 12 kunstvoll ausgebauten Quellen, die mitnichten "muffig" schmecken, sondern einen an gesichtsloses Flaschenwasser gewöhnten Gaumen schlicht zu mineralienhaltig vorkommen. Wer Mineralwässer zu schätzen weiß, hat sicher ein anderes Urteil... Eine hitzefeste Tasse sollte man nicht vergessen, ansonsten kauft man eine an einem der zahlreichen Nippes- und Plunderständen, die ob der Bemalung ein nettes Souvenier mit Gebrauchswert darstellen. Dabei verputzt man eine Oblate, die von den Straßenbäckern frisch aus dem Waffeleisen gehoben wird und genießt einfach nur die gelungene Symbiose aus Stadt und Park. An Restaurants findet man in Karlsbad alles, angefangen von der bodenständischen böhmischen Küche mit würzigem Gulasch oder Wlldbret und den obligatorischen Knödelscheiben bis hin zur modernen Sterneküche mit aberwitzigen Kreationen... Es gibt eine prächtige Kirche im russisch-orthodoxen Stil und wer nix auf Religion oder böhmische Backwaren/Speisen hält, der besuche halt das Casino des Pupp-Hotels, um ein paar Euro in einer gepflegten, hellen Atmosphäre mit Croupiers mit Manieren zu verzocken (oder auch Glück zu haben...). Ja, Karlsbad hat sich zu einer teuren Luxushochburg entwickelt, aber nicht durch und durch: Neben den Filialen für Tag-Heuer-Uhren und Montblanc-Schreibgerät gibts dort durchaus noch Preiswertes, man muss halt mal 200m vom Stadtkern entfernt flanieren. Nochmal: Wer im Vogtland wohnt oder in der Gegend zu Besuch ist, immer rein nach Karlsbad! Wer keine Gasthaus- oder Einkaufstour im Sinn hat, kommt billig und mit angenehmen Eindrücken nach Haus!

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.