Tunesien Plünderer, Brände und Tote
dapd, 15.01.2011 14:20 Uhr
Riad/Tunis - Nach dem Sturz des tunesischen Präsidenten Zine El Abidine Ben Ali droht das Land im Chaos zu versinken. Plünderer zogen am Samstag durch die Städte und brannten den Bahnhof der Hauptstadt Tunis nieder, bei einem Brand in einem Gefängnis wurden 42 Menschen getötet, immer wieder waren Schüsse in den Straßen zu hören. Die großen deutschen Reiseveranstalter holten ihre Urlauber aus dem krisengeschüttelten Land nach Hause.

Die Regierungsgewalt in Tunesien wechselte innerhalb von 24 Stunden zwei Mal. Nach der Flucht von Ben Ali deutete Ministerpräsident Mohammed Ghannouchi an, der Präsident könne zurückkehren. Er werde daher zunächst die Macht übernehmen. Dann erklärte der Präsident des Verfassungsgerichts, Ben Ali habe sein Amt aufgegeben. Damit übernahm der Verfassung zufolge der Präsident des Unterhauses, Fouad Mebazza, übergangsweise das Präsidentenamt. Er hat nun zwei Monate Zeit, Neuwahlen zu organisieren.

Nach wochenlangen blutigen Unruhen war Staatschef Ben Ali am Freitag untergetaucht. Das saudische Königshaus bestätigte am Samstag, dass Ben Ali und seine Familie im Land gelandet seien. Die Entscheidung, ihm die Einreise zu erlauben, sei mit Blick auf die "außergewöhnlichen Umstände" getroffen worden, die das tunesische Volk gerade durchmache, hieß es. Man wünsche den Menschen in Tunis Frieden und Sicherheit.

Panzer in den Straßen


Ob Ben Alis Ausreise die Lage nachhaltig beruhigen kann, war zunächst noch ungewiss. Nach den Ausschreitungen in der Nacht lag in Tunis am Morgen Rauch über der Stadt. Den ganzen Morgen über waren Schüsse zu hören. Nach Berichten des US-Senders CNN patrouillierten auf den Straßen Soldaten mit Panzern und Schützenpanzern. Auch Polizisten in Zivil seien unterwegs gewesen. Dabei soll es erneut zu Festnahmen gekommen sein.

Der öffentliche Fernsehsender TV7 strahlte Telefonanrufe aus, in denen die Bewohner von Arbeitervierteln der Hauptstadt Angriffe auf ihre Häuser beschrieben. Die Täter hatten den Angaben zufolge Messer bei sich.

Bei einem Gefängnisbrand in der Küstenstadt Monastir wurden am Samstag 42 Menschen getötet. Einer ersten Untersuchung zufolge seien die Opfer verbrannt oder an Rauchvergiftungen gestorben, sagte der Gerichtsmediziner Tarek Mghirbi. Die Ursache des Brandes sei bisher unklar.

Kommentare (5)
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JAN
17
volker s., 14:17 Uhr

Nein

Ein Hoch auf alle Tunesier? Garantiert nicht. Das eine ist gut. Die Menschen kämpfen für mehr Freiheit, Demokratie, Arbeit, gegen Zensur, gegen Armut. Auf die Tunesier die dafür kämpfen ein Hoch!! Aber wie kann man ein Hoch auf diejenigen ausrufen die plündern??? Die ihren eigenen Landsleuten das wenige das sie teilweise haben noch weg nehmen? In Gruppen durch die Städte laufen, demolieren was einem in die Quere kommt, klauen, Leute zusammen schlagen. Ein Hoch auf solches feiges Gesindel???

JAN
17
bekien, 13:47 Uhr

Ein Hoch auf alle Tunesier

Ich freue mich von ganzem Herzen für dieses Land. Es ist die Zeit gekommen, an dem Unterdrückung ausgerottet wird. Leider gibt es noch viele Länder auf dieser Welt, die diesen Mut aus eigener Kraft haben sollten. Wer aufsteht und sich wehrt, kann nicht verlieren, außer beim Sitzenbleiben seine Selbstachtung! Bravo Tunesien!!! Nun müsst ihr euch noch das Gold von Frau Ben Ali holen.

JAN
17
ein tunesier, 08:14 Uhr

tunis

endlich befreit ich war jetzt gut 18 jahre nicht stolz auf mein land und dachte dort würden nur 'loser' leben doch es zeigt sich das menschen durch ausreichend 'not' (in dem sinne) verändert werden können. ich danke allah für denn stürz des regime !

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