Tunnel in Stuttgart-Vaihingen/Stuttgart-Möhringen Schleusen lassen Tauben raus, aber nicht rein

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Bei einer Überprüfung der Taubenabwehrmaßnahme über den Kabelkanälen im Hengstäcker- und im Österfeldtunnel wurden mehrere tote Vögel und lückenhafte Netze festgestellt. Die Firma musste nachbessern.

Eine der Tauben konnte hinter dem Netz im Hengstäckertunnel hervorgeholt werden. Da sie unverletzt war, wurde sie wieder freigelassen. Foto: privat
Eine der Tauben konnte hinter dem Netz im Hengstäckertunnel hervorgeholt werden. Da sie unverletzt war, wurde sie wieder freigelassen. Foto: privat

Möhringen/Vaihingen - Für die Tierschützer ist das Ergebnis erschreckend: Fünf Tauben sind in oder hinter dem Netz verendet. Das hat eine Überprüfung der Taubenabwehrmaßnahme in der Nacht auf den 9. November ergeben. Durchgeführt wurde sie von der Firma, die die Netze an den Kabelkanälen unter der Decke des Hengstäcker- und des Österfeldtunnels angebracht hatte. Neben drei Mitarbeitern des Unternehmens war ein Vertreter der Netze BW, eine Vertreterin des Projekts Stadttauben Stuttgart vom Tierschutzverein Stuttgart sowie Thomas Porada vor Ort. Letzterer hatte die Netze zuvor scharf kritisiert, nachdem er bereits ein totes Tier darin entdeckt hatte und Lücken in den Maschen vermutete (wir berichteten).

Für die Überprüfung mussten die beiden Tunnel von 22 bis 5 Uhr gesperrt werden, um mittels einer Hebebühne Einsicht in die Kanäle zu bekommen. „An mehreren Stellen, insbesondere dort, wo alleine drei erkennbare Todesfälle aufgetreten sind, konnten die Kanäle von unten besonders schlecht eingesehen werden“, schildert Porada. Die Taubenschützer begleiteten diese und leuchteten die Netze vom Boden aus mit einer Lampe ab. „Insgesamt gab es mindestens drei unzureichend verschlossene Netzöffnungen, die für die Tiere zur Todesfalle geworden sind“, sagt Porada.

Schwachstellen erkannt und behoben

Mehrfach seien Schwachstellen und Öffnungen in den Netzen ausgemacht worden. Der Techniker der Taubenabwehrfirma habe diese direkt ausgebessert. Allerdings habe die Zeit gefehlt, die gesamten Netzabschnitte zu prüfen. So könne nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob wirklich alle schadhaften Stellen gefunden und behoben wurden, sagt Porada. Es seien Einwegschleusen angebracht worden, die verhindern, dass die Tauben hinter die Netze gelangen, aber denen, die sich bereits dahinter befinden, den Weg hinaus ermöglichen.

„An einer Stelle wurden mehrere Tiere hinter dem Netz gesichtet, von denen eines fast regungslos an einer Stelle verharrte. Dieses konnte vom Techniker gerettet werden. Da es aber keine sichtbaren Verletzungen hatte, wurde es wieder freigelassen und flog sofort zurück an eine Stelle, die unverschlossen war und den Tieren offenbar als ‚Einstieg’ gedient hatte“, schildert Porada. Zudem habe sich die Vermutung der Vogelfreunde bestätigt, dass sich ein Teil der Tauben weiter im Innern der Tunnel aufhalte, da die Netze nur im Bereich der Tunneleingänge angebracht worden waren.

Zahlreiche tote Tiere festgestellt

Die Tierschützer üben weiterhin Kritik an der Taubenabwehrfirma. „Bei mindestens fünf qualvoll ums Leben gekommenen Tieren und den verschiedenen vorgefundenen – teilweise gravierenden – Schwachstellen, kann unseres Erachtens von sach- und fachgerechter Durchführung nicht die Rede sein“, sagt Porada. „Unseres Erachtens nach wurden die Maßnahmen nicht tierschutzgerecht durchgeführt.“

Der Techniker der Firma habe erneut beteuert, bei der Anbringung der Netze an den Kanälen keine lebenden Jungen vorgefunden und entsorgt zu haben, berichtet Porada. „Neu war dann seine Schilderung, dass er in den Kabelkanälen eine Vielzahl toter Küken und Jungtiere vorgefunden hatte, und zwar so viele, wie er es bei vergleichbaren Arbeiten noch nie erlebt hat. Diese toten Tiere seien dann entsorgt worden“, so der Taubenschützer. Damit seien eventuelle Zweifel an Poradas Aussage, in den Tunnels seien regelmäßig Jungtiere gewesen, zerstreut. „Aber die Frage bleibt: Was ist mit den Jungen passiert, die vor der Maßnahme stets deutlich zu hören waren?“, fragt Porada.

Taubenschützer wollen künftig einbezogen werden

Er wünscht sich, dass die Stadt künftig auf die Mitglieder des Projekts Stadttauben Stuttgart zurückgreift, wenn es um Abwehrmaßnahmen geht. Die Taubenabwehrfirma habe erklärt, dass sie die Zusammenarbeit mit dem Projekt intensivieren möchte. So soll künftig bei Aufträgen bereits vorab die Taubenschützer informiert werden, um nach Möglichkeit gemeinsam eine Vorkontrolle zu machen oder während der Montage Vertreter des Tierschutzes dabei zu haben.

„Alle Beteiligten waren sich einig, dass sich solche Vorfälle wie im Hengstäcker-/Österfeldtunnel auf keinen Fall wiederholen dürfen“, fasst Porada den Vor-Ort-Termin zusammen. In Anbetracht der vielen Tauben im Bereich der Tunnel sei es wünschenwert, „dass dort schnellstmöglich eine betreute Einrichtung für die Stadttauben geschaffen wird“, sagt Porada. Die mit den Taubenabwehrmaßnahmen beauftragte Firma war am Montag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

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