Turner-Talent Daniel Weinert Kunstturnforum statt Ostseebad

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Das 19-Jährige Toptalent Daniel Weinert hat von Kiel nach Stuttgart gewechselt. Hier trainiert nun mehr, um in die Weltspitze vorzustoßen. Am Freitag ist er unter anderem mit Marcel Nguyen in der Porsche-Arena zu sehen.

Daniel Weinert bringt die nötige Begabung und auch   die nötige Attitüde mit, um es im Turnen weit zu bringen. Foto: Pressefoto Baumann
Daniel Weinert bringt die nötige Begabung und auch die nötige Attitüde mit, um es im Turnen weit zu bringen.Foto: Pressefoto Baumann

Stuttgart - Seinen allerersten Abgang beim Turnen hat Daniel Weinert noch gut in Erinnerung. Der Mann, der zu den größten deutschen Talenten in der Sportart zählt, brauchte dazu nicht mal ein Gerät: Als Fünfjähriger flog er beim Mutter-Kind-Turnen raus. „Ich habe nicht das gemacht, was ich machen sollte“, sagt der 19-Jährige zum etwas unrühmlichen Einstieg.

Mittlerweile tut er das längst. Und die Anweisungen dazu kommen seit etwas mehr als einem Jahr von dem Trainer Valeri Belenki. Denn der Athlet des Kieler Männer TV, der in der Bundesliga für die KTV Straubenhardt antritt, wechselte im September 2012 aus dem hohen Norden ins Stuttgarter Kunstturnforum.

Am Freitag bildet Daniel Weinert mit seinen starken Trainingspartnern Marcel Nguyen (MTV Stuttgart) und Helge Liebrich (TV Wetzgau) sowie Andreas Toba (TV Wetzgau) die deutsche Mannschaft in der Team Challenge des DTB-Pokals in der Stuttgarter Porsche-Arena. Es ist für ihn der Saisonhöhepunkt. Dabei hatte er sich das ganz anders vorgestellt. Zunächst verpasste er aber knapp den Sprung in die Riege für die Europameisterschaften im April in Moskau, dann brach er sich den Schienbeinkopf und schaffte es anschließend auch nicht ins Weltmeisterschaftsaufgebot.

Daniel Weinert gehört die Zukunft

Doch Daniel Weinert gehört die Zukunft, da ist sich Valeri Belenki sicher. „Solche Talente gibt es in Deutschland nicht so viele“, sagt der Stuttgarter Erfolgstrainer. Entsprechend glücklich war er, dass der überaus begabte Teenager vergangenes Jahr nach Stuttgart kam und nicht nach Berlin ging. „Ich rechne damit, dass er bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio dabei sein wird, so wie er sich entwickelt.“

Bei den Olympischen Jugendspielen 2010 in Singapur durfte Daniel Weinert schon an die Geräte gehen und belegte dort den neunten Platz. Seit dem Realschulabschluss im Sommer 2011 konzentriert er sich aufs Turnen und gehört mittlerweile der Sportfördergruppe der Bundeswehr an. Bei den Jugendeuropameisterschaften 2012 im französischen Montpellier wurde er im Mehrkampf Fünfter und gewann überdies im Finale am Barren die Silbermedaille. Doch gerade an diesem Gerät „sieht das noch nicht nach meinen Vorstellungen aus“, sagt Valeri Belenki: „Wir müssen insgesamt sein Programm noch ein bisschen aufstocken.“

Deshalb hat Daniel Weinert das Kieler Kunstturnzentrum im Winterbeker Weg in Richtung Stuttgart verlassen. An die schwäbische Mentalität hat der 62 Kilogramm leichte 1,69-Meter-Mann sich mittlerweile schon gewöhnt. Aber: „Manchmal verstehe ich die Leute aber immer noch nicht so richtig, zum Beispiel den Bademeister im Freibad.“

„Ich möchte unbedingt Olympiasieger werden“

Die sommerlichen Strandbesuche nach dem Training im Ostseebad Laboe an der Kieler Förde fehlen ihm. So viel Zeit bleibt ihm für solche Aktivitäten allerdings in seiner neuen Heimat auch gar nicht mehr. Er trainiert mittlerweile zweimal am Tag und nicht nur einmal wie zu Hause bei Dietmar Popp. „Ich möchte unbedingt Olympiasieger werden, dafür gebe ich mein Bestes. Das ganze Niveau ist hier in Stuttgart viel höher. Durch die starke Trainingsgruppe wird man automatisch hochgezogen“, sagt Daniel Weinert.

Bei seinen Trainingspartnern ist er von Anfang an gut angekommen. „Er ist einer der witzigsten Typen hier in der Halle, er passt hier gut rein“, sagt Helge Liebrich. „Ohne ihn würden wir weniger lachen – und er ist halt echt ein Talent.“ Das findet auch der etablierte Nationalturner Sebastian Krimmer: „Wenn er so weitermacht, dann wird er sich über kurz oder lang einen Platz in der Nationalmannschaft sichern.“

Daniel Weinert bringt die nötige Begabung und auch die nötige Attitüde mit. „Er ist fleißig, kämpft, hört zu und macht mit“, sagt Valeri Belenki. Seit seinem erstem Abgang als Fünfjähriger hat sich bei Daniel Weinert einiges geändert.

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