KommentarTV-Debatte in Frankreich Hübsche Mogelpackung

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Unser Korrespondent Axel Veiel hat die TV-Debatte der Präsidentschaftskandidaten in Frankreich verfolgt und findet bei näherem Hinsehen: Es ist weniger drin, als es den Anschein hat.

François Fillon, Emmanuel Macron, Jean-Luc-Mélenchon, Marine Le Pen und Benoît Hamon (v.l.n.r.). Foto: AFP POOL
François Fillon, Emmanuel Macron, Jean-Luc-Mélenchon, Marine Le Pen und Benoît Hamon (v.l.n.r.). Foto: AFP POOL

Paris - Na also, geht doch. Eine Wohltat war das. Drei Stunden haben sich die fünf wichtigsten Präsidentschaftskandidaten vor dem Fernsehpublikum eine spannende, inhaltsreiche, mit witzigen Pointen garnierte Auseinandersetzung geliefert. Der Wahlkampf, der zu einer Schlammschlacht um den von der Strafjustiz verfolgten konservativen Spitzenkandidaten Francois Fillon verkommen war, ist endlich einmal gewesen, was er in einer Demokratie sein sollte: ein Wettstreit mit Programmen aufwartender Kandidaten. Und so wäre alles bestens, wäre das dem Wähler so hübsch präsentierte politische Sortiment nicht eine Mogelpackung. Bei näherem Hinsehen zeigt sich: Es ist weniger drin, als es den Anschein hat.

Teils abenteuerliche Sonderwege

Drei der fünf Studiogäste, der Linksaußen Jean-Luc Mélenchon, der zum linken Flügel der Sozialisten zählende Benoît Hamon und die Rechtspopulistin Marine Le Pen sind am Rand des politischen Spektrums beheimatet. Sie empfehlen abenteuerliche, wenn nicht selbstmörderische Sonderwege: die Rente mit 60, ein vom Staat zu gewährendes Grundeinkommen für jedermann oder auch den Ausstieg aus dem Euro und die Rückkehr zum Franc. Der vierte Kandidat, der Konservative Francois Fillon, wartet zwar mit deutlich realitätsnäheren Reformvorschlägen auf. Aber er steckt nach wie vor tief im Skandalsumpf. Die Justiz bezichtigt Fillon, Frau und Kinder auf Staatskosten mit Scheinarbeitsverträgen beglückt zu haben. Einem Wähler, der den Extremen abholt ist und das höchste Staatsamt nicht jemandem anvertrauen will, der Staatsvermögen veruntreut haben soll, bleibt damit noch Emmanuel Macron.

Franzosen haben wenig Auswahl

Gewiss, der Ex-Wirtschaftsminister hat sich auch im Fernsehstudio gut geschlagen. Der ansteckende Optimismus des Mannes, der Frankreich jenseits der von Konservativen und Sozialisten ausgetretenen Pfade in die Moderne führen will, sein rückhaltloses Bekenntnis zu Europa, sind Balsam auf durch Brexit und Trump geschlagenen Wunden. Doch das ändert nichts daran. Die Franzosen haben bei diesen Wahlen erschreckend wenig Auswahl.

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Abwarten: Spekulationen diesbezüglich bringen jetzt überhaupt nichts. Am Abend nach der Wahl und Auszählung der Stimmen, ist man ein "klein" wenig schlauer, und kann sich über die Zusammensetzung der Regierung(s)-Koalition weitaus mehr Gedanken machen. Und das danach ist dann maßgebend. Nicht jeder neuer Regierungschef oder Chefin reagieren so, wie sie es während der Wahlperiode angekündigt haben, sondern stellen sich den bisherigen Gegebenheiten - und wie man diese auch weiterhin und so weit es geht, "meistern kann".

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