TV-Kritik zum Tatort aus Münster Landleben, grotesk vergeigt

Von wöl 

Der „Tatort“ aus Münster sieht aus, als spiele er im Wilden Westen. Dabei fahren Boerne und Thiel nur aufs Land – und dort, so unsere Kritikerin, agieren sie nicht wirklich überzeugend.

Lauf, Junge, lauf: Axel Prahl im neuen „Tatort“ aus Münster Foto: WDR 16 Bilder
Lauf, Junge, lauf: Axel Prahl im neuen „Tatort“ aus MünsterFoto: WDR

Stuttgart - Ja, ja, Boerne und Thiel. Die sind so lustig. Da will man sich immer gleich auf die Schenkel klopfen, oder?

Der Fall? Ist schnurz. Hauptsache, die Hauptdarsteller bringen’s. Und das tun sie auch wieder. Von Countrymusik begleitet, werden sie aufs Land bugsiert, wo ein Heilpraktiker ermordet . . . Aber egal. Die Weiten der Weiden werden zur Bühne für Boerne und Thiel. Thiel, der Moppel, strauchelt körperlich gefordert durch den Fall, Boerne, die Nummer eins, sitzt im Westernoutfit samt Cowboyhut im Trecker. Das sind herrlich schräge Bilder einer Groteske, die das „Wunder von Wolbeck“ ja sein will.

Die Beweise futternde Ziege

Absurd ineinandergefügt geht es um die Beweise futternde Ziege Mimi, um lustlose Zuchtbullen, um unfruchtbare Männer und um Frauen, die ihr ungeborenes Kind verlieren. Und auch in diesem Jubiläumsfall zum Zehnjährigen witzeln sich die Darsteller wieder hart an der Geschmacksgrenze entlang. Der Klugscheißer Boerne bekommt eine Ladung Dung direkt aus dem Hintern ins Gesicht geschossen und verguckt sich in die Ziege Mimi. Und eben das ist Boerne. So will man ihn haben.

Die cool ermittelnden Cowboys sagen einem unfruchtbaren Mann ins Gesicht, dass er sich fühlen müsse wie im Schützenverein – ohne Waffe. Ho, ho, ho. Boerne und Thiel. Die dürfen das. Das ist Kult. Und während die beiden ihr Ding reiten, dreht eine Frau durch, die ihr ungeborenes Kind verloren hat, und eine andere erzählt, wie sie unter einer Hormonbehandlung schier zusammengebrochen ist. Und plötzlich funktioniert die Groteske rund um Tier- und Menschenbesamung kaum noch, es klafft eine Kluft zwischen dem Münsteraner Duo, dem Fall und den anderen Darstellern. Größer denn je. Vielleicht sollte man in Münster das mit den Kriminalsachen gleich ganz bleiben lassen.

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9 KommentareKommentar schreiben

Typisch Deutsche Film- und Fernsehemache...: ....eine gute Idee, auch gut in die Tat umgesetzt, hat Erfolg. Und dann....?Und dann versucht man eine Endlosschleife daraus zu machen, das ganze Ding so lange zu melken, bis nichts mehr raus kommt. Siehe 'Wetten dass..', das seit Anfang der Achziger !! läuft. Siehe Deutsche Filmmödchen-Phase a la Doris Dörrie, in der nimmermüde Flach- und Blödsinn auf deutsche Lichtspielleinwände projeziert wurde. Oder 'Delling und Netzer', die sich irgendwann selbst zu zitieren anfingen und Gott sei Dank dann noch selbst die Reißleine gezogen hatten. Die Reihe wüde sich hier beliebig und endlos fortführen lassen. Die 'Gemany´s next Firlefanz' - Endlosserien lasse ich mal lieber weg. Es ist Zeichen von mangelnder Fantasie und von mangelnder Riskoereitschaft, was die deutschen von den angloamerikanischen Unerhaltungsmachern unterscheidet. Aber auch die Franzosen sind uns, was den Film anbelangt, um Längern voraus. Aber das liegt auch in der Filmtradition begründet. Bezeichnnd ist doch, dass Deutschlands einzigste Exportschlager zwei Endlosserien sind. Der 'Tatort' und 'Derrick'. Allerdings ich muß mich berichtigen: nicht mehr 'sind' sondern 'waren'. Denn Derrick gibt´s nicht mehr und die Tatorte seit etwa 15 Jahren sind nicht mehr exportwürdig (im Vergleich zu den Folgen den Klassikern der 70er- und 80-er-Jahre). Es ist also nichts Überraschendes, wenn die Tatortmacher, die mit den Münsteranern wie ein blindes Huhn ein Korn gefunden haben, jetzt in eine abermallige Sckgasse rein kommen, wo sie nicht mehr raus finden werden. Das prophezeihe ich denen schon jetzt. Es ist nur eine Frag der Zeit, bis der Gähnfaktor ins Spiel kommt. Die Masche ist ausgereizt. Das muß man spätestens nach dieser Folge zur Kennnis nehmen. Auch als Fan der Münsteraner.

Der falsche Dreh: Die Münsteraner kriegen schon lange keinen soliden Plot mehr hin. Je überdrehter ist eben noch nicht a priori ein guter Dreh. Klar, man kann behaupten, der Zuschauer will das so. Wer hat das kontrolliert? Mittelmäßigkeit als Leistungskriterium, viel Spaß kommt dabei nicht raus. Siehe Dung im Gesicht. Ha! Wie neckisch aber auch! Witz komm raus... usw. Nur noch abschalten hilft.

Wieder mal ein überflüssiger Kommentar der StZ: Bei 12,5 Millionen Zuschauern kann der Tatort nicht so schlecht gewesen sein, wie der Schreiberling der StZ meint. Lent ihr doch erst mal Zeitung machen, dann könnt ihr vielleicht auch einen Kommentar abliefern.

Ein Tatort aus Münster: ... ist nichts für spassfreie Schwaben. Recht so.

...Technikus...: ...so, stand lange auf der Kippe, aber jetzt mach ich Sonntag abend wieder was anderes. ch fand den Film auch nicht gut. M.E. hat die Inflationierung der Serie nicht gut getan. Also 10 mal zuschauen,damit mal ein gescheiter Film dabei ist, das finde ich einen zu hohen Aufwand. Tschüssi..

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