Twitter und der Amoklauf "Eine Möglichkeit, zu warnen"
Theresa Schäfer, 11.03.2010 10:45 Uhr
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 Foto: dpa
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Was war das für ein Gefühl, plötzlich im Mittelpunkt des medialen Interesses zu stehen?

Zum einen war es seltsam, zum anderen aber auch eine Stütze. Die Anrufe der Journalisten waren etwas, mit dem ich mich beschäftigen und konkret auseinandersetzen konnte. So hatte ich in dieser Schreckenssituation etwas, das mich ablenkt. Richtig realisiert habe ich das Ganze aber erst am Abend, als ich Radio gehört und Fernsehen gesehen und im Internet ein bisschen aufgearbeitet hatte, was den Tag über geschehen ist.

Gab es da auch unangenehme Gespräche oder Journalisten, die für Ihr Empfinden Grenzen überschritten haben?

Nein. Da war alles erstaunlich korrekt. Allerdings konnte ich nicht ganz nachvollziehen, was die Journalisten von mir wollten, nachdem ich ja klar gemacht hatte, dass ich keine Informationen über den Amoklauf liefern kann. Da waren einige Journalisten schon sehr hartnäckig, um irgendwas aus mir herauszukriegen.

Eine ganz andere Sache war es bestimmt bei den Schülern oder den Eltern, die in dieser Ausnahmesituation von Journalisten regelrecht überrumpelt wurden. Hier wurden sicherlich Grenzen überschritten.

Wann ebbte der Trubel wieder ab?

Etwa zwei Wochen lang kamen fast jeden Tag Nachfragen von Journalisten, dann wurde es ruhiger. Auch jetzt zum Jahrestag gibt es wieder Anfragen, aber sie halten sich in Grenzen. Die Zeit hat sich gemeldet und auch der Bayerische Rundfunk.

Richtig gut finde ich, dass sich ein Schulbuchverlag bei mir gemeldet hat, der meine Tweets und Teile meines Blogbeitrags zum Amoklauf in seine Lehrmaterialien für die Oberstufe aufnehmen möchte. Es soll ein Beispiel für das Thema "Leben im Netz“ darstellen.

Im Nachhinein kritisierten viele die Rolle, die Twitter in Winnenden spielte: Nachrichten seien unreflektiert weitergegeben worden, auch Falschmeldungen seien so verbreitet worden. Wie sehen Sie das heute: War Twitter am 11. März 2009 Segen oder Fluch? Was damals via Twitter abgelaufen ist, war wahrscheinlich nötig, um zu lernen. Mittlerweile ist die Twitternutzung durch die Medien sehr viel professioneller geworden. Es gibt mehr Redaktionen, die jemanden haben, der sich mit den Dienst richtig auskennt. Zu dem Zeitpunkt des Amoklaufs war das aber noch nicht der Fall. Da wurde oft überstürzt gehandelt und so ging auch einiges schief. Es wurde sicher viel Lehrgeld bezahlt.

Bereuen Sie manchmal, den Tweet abgeschickt zu haben?

Nein, das bereue ich nicht. Ich hatte während der ganzen Zeit das Gefühl, alles gut im Griff zu haben. Ich würde mir vorwerfen, wenn ich etwas geschrieben hätte, das sich später als falsch herausgestellt hätte – aber das war ja nicht der Fall. Ich würde es wieder tun.
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