Übereifrige Forstarbeiter in Raitbach Den Schanzenweg einfach plattgemacht

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In Raitbach im Landkreis Lörrach haben Waldarbeiter einen denkmalgeschützten Weg verbreitert und geschottert – und damit einen denkmalgeschützten Verbindungspfad aus dem Dreißigjährigen Krieg zerstört.

So sah der Hohlweg aus, bevor die Waldarbeiter mit ihren Maschinen anrückten. Foto: Privat 6 Bilder
So sah der Hohlweg aus, bevor die Waldarbeiter mit ihren Maschinen anrückten. Foto: Privat

Raitbach - Es sah aus wie ein Hohlweg im Wald. Eng und offenbar lange nicht befahren. Eine moderne Zugmaschine mit Holzanhänger passt nicht durch, es sei denn, man trägt den bis zu drei Meter hohen Wall ab und fräst den Hang glatt. Und genau das ist am Hohlweg am sogenannten Schanzbühl bei Raitbach (Kreis Lörrach) passiert. Waldarbeiter haben aus dem Hohlweg auf 400 Meter Länge einen breiten Wirtschaftsweg gemacht, tauglich für Maschinen, die Bäume aus dem Mischwald am Südhang des 993 über dem Meer liegenden Schwarzwaldberg Hohe Möhr holen. Das Forstrevier hat den Weg auf Wunsch der Eigentümer verbreitert.

Dumm nur, dass damit ein Kulturdenkmal zerstört wurde, denn der Hohlweg ist ein von Menschenhand in harter Fronarbeit vor mehr als 400 Jahren geschaffener geschützter Verbindungsweg zwischen zwei Schanzanlagen. Die Höhenzüge des Wiesentals zwischen Feldberg und Basel waren damals und bis zum 19. Jahrhundert Grenz- und Verteidigungslinien Österreichs gegen andere Mächte – im Dreißigjährigen Krieg gegen die Schweden und später gegen die Franzosen. Erstaunlich, dass der denkmalgeschützte Wallgraben überhaupt so lange erhalten geblieben ist, so wie zwölf Schanzen in der Region.

Den Verantwortlichen ist das Ganze ziemlich peinlich

Doch jetzt ist er weg, und den Verantwortlichen ist das auf allen Ebenen und in jeder Hinsicht zutiefst peinlich. „Wir bedauern das“, sagt Meinrad Joos, der Abteilungspräsident Forst beim Regierungspräsidium Freiburg. Aber es sei auch ärgerlich, dass „ein Einzelfall so hochgespielt wird“, denn natürlich seien Kulturdenkmäler im Wald wichtig. Das hat er auch am diesjährigen Peter-und-Paul-Tag der südbadischen Forstleute im Juli in Gersbach gesagt und sich dort von Werner Störck die Viereckschanze im Weiler Schlechtbach erklären lassen. Der pensionierte Hauptschullehrer aus Schopfheim ist der Schanzenspezialist im Wiesental, dafür hat er das Bundesverdienstkreuz bekommen. Die von ihm ins Leben gerufene Arbeitsgruppe Mineralien und Fossilien (Minifossi AG) der Schopfheimer Friedrich-Ebert-Schule hat den Deutschen Denkmalschutzpreis gewonnen und steht im Guinnessbuch der Weltrekorde. Eigentlich war die Zusammenarbeit mit dem Forst bisher ausgezeichnet, das haben sich der Forstpräsident und der Schanzenhistoriker im Juli gegenseitig wortreich versichert. Doch da war der Wall am Schanzbühl schon ein Jahr lang plattgemacht und der neue Waldweg bereits geschottert. Erst vor einigen Wochen ist Werner Störck informiert worden. Er ist bis heute „völlig perplex, wie das passieren konnte.“ Der Revierleiter hätte wissen müssen, in welches Denkmal der Wegebau eingriff. „Er war umfassend informiert von mir, er hätte das vermeiden können“, beteuert Störck. Dass der Hohlweg Teil einer denkmalgeschützten Gesamtanlage gewesen ist, sei ihm bekannt gewesen, darüber wurde in E-Mails und mündlich informiert, er sei auch schon vor Ort mit ihm gewesen.

Laut Forstamt war der Schanzbühlweg in den Karten nicht eingetragen

„Es hätte nicht passieren dürfen“, räumt auch Ulrich Hoehler ein, der Leiter des Dezernats vier im Landratsamt Lörrach, das auch für den Forst zuständig ist. Dass es dennoch passiert ist, ist für Hoehler zwar „bedauerlich“, aber ein Verschulden sieht er weder beim Forstamt noch beim Revierleiter. Der Wegebau im Wald sei Sache des Reviers in Zusammenarbeit mit der Forstgemeinschaft. In den Land- und Waldkarten sei der Schanzbühlweg nicht eingetragen gewesen. Und der E-Mail-Verkehr, auf den Störck sich beruft, habe im Jahr 2002 stattgefunden. „Das war nicht mehr präsent“, nimmt Hoehler die untere Ebene in Schutz. Ein Disziplinarverfahren will er nicht einleiten, es sei ein Versehen gewesen, künftig werde man aufpassen müssen, dass so etwas nicht mehr passiert. Werner Störck kann darüber nur den Kopf schütteln. „Wenn das so hingenommen wird, dann ist in Zukunft jedes Denkmal durch ein Vergessen bedroht.“ Künftig solle vor einer solchen Baumaßnahme ein unabhängiger Gutachter beigezogen werden, fordert Störck.

Über Denkmale im Wald soll es im Frühjahr kommenden Jahres eine neue Liste geben, das Landesdenkmalamt arbeitet daran. Und was in Raitbach gelaufen ist, kursiert bei der Obersten Denkmalbehörde, dem Ministerium für Finanzen und Wirtschaft, mittlerweile als Beispiel dafür, wie es nicht laufen dürfe.