Übernahme der Ulmer Pharmafirma
Drei kämpfen um Ratiopharm
Rüdiger Bäßler,
26.01.2010 13:39 Uhr
Das zur Merckle-Gruppe gehörende Unternehmen Ratiopharm stellt Nachahmerprodukte her. Foto: AP
Ulm - Mehr als 20 Unternehmen und Investmentgesellschaften haben im September 2009 Interesse an einer Übernahme des Ulmer Generikaherstellers Ratiopharm gezeigt. Jetzt, nach Start der dritten und letzten Bieterrunde, sind es nach Informationen der Stuttgarter Zeitung noch drei. Nach Informationen aus Bankenkreisen handelt sich um den israelischen Weltmarktführer für Nachahmerpräparate Teva, den französischen Pharmakonzern Sanofi Aventis und die schwedische Investmentgruppe EQT.
Nach und nach werden in dem Übernahmepoker die letzten Karten auf den Tisch gelegt. Nach StZ-Informationen soll das höchste Gebot für den Ulmer Konzern mittlerweile bei 2,8 Milliarden Euro liegen. Ende 2009 lagen die höchsten Offerten bei 2,3 Milliarden Euro. Firmen wie der US-Pharmariese Pfizer sind ausgestiegen. Die drei verbliebenen Unternehmen schweigen sich aus. "Kein Kommentar", sagt ein Sprecher EQT-Gruppe in der Stockholmer Zentrale. Die Frankfurter Deutschlandzentrale von Sanofi Aventis reicht Anfragen mit Verweis auf das "laufende Bieterverfahren" an die Vorstandsetage in Paris weiter. Die deutsche Niederlassung von Teva Pharmaceuticals in Mörfelden-Walldorf (Hessen) lässt Anfragen derzeit vollständig unbeantwortet.
In der Ratiopharm-Zentrale in Ulm werden die verbliebenen Abordnungen an Firmenvertretern, die über den Büchern sitzen, mit gemischten Gefühlen beobachtet. Ein solider strategischer Investor, ein Pharmaunternehmen etwa, das in der Herstellung von Generika wenig Erfahrung hat und sich langfristig verstärken möchte, galt für die Mehrheit der Beschäftigten von Anfang an als das kleinste Übel. Ginge es nach dem Wunsch der Mitarbeiter, käme Sanofi Aventis wohl die Favoritenrolle in der Übernahmeschlacht zu, wenn auch mit Abstrichen. Der Konzern hat seit der Übernahme der Hoechst AG Erfahrung im Umgang mit deutschen Großunternehmen. Doch es gibt auch Fragezeichen.
Seit 2004 hat der französische Hersteller sein Generikageschäft unter der Dachmarke Winthrop gebündelt. Es ist unklar, inwieweit Verwendung für alle Teile des Ratiopharm-Konzerns besteht. Dazu kommt, dass auf den Erhalt deutscher Traditionen wenig Wert gelegt wird, wie der Fall Hoechst zeigt. Der in den 70er-Jahren größte Pharmahersteller der Welt hat innerhalb der Sanofi-Aventis-Gruppe heute nur noch die Funktion einer internen Zwischengesellschaft. Die Hoechst GmbH betreibt kein eigenes operatives Geschäft mehr und tritt nach außen praktisch nicht mehr in Erscheinung.
Wäre eine Private-Equity-Gruppe vielleicht doch die bessere Perspektive? Die in Nordeuropa und Asien tätige Gruppe EQT mit Sitz in Stockholm hat insbesondere in Ulm einen ordentlichen Namen. Im Jahr 2002 wurde der Gartengerätehersteller Gardena übernommen, flottgemacht und 2006, nachdem ein Rekordumsatz erzielt worden war, an den schwedischen Husqvarna-Konzern weitergereicht. EQT hatte nicht etwa durch Personalabbau Gehälter gespart, sondern die Werbe- und Marketingstrategie verändert und so Wachstum geschaffen.
Allein gegenüber Teva Pharmaceuticals gibt es innerhalb von Ratiopharm derzeit eindeutige Vorbehalte. "Die haben doch schon alles. Die wollen nur den Markennamen", heißt es aus dem Ulmer Konzern. Hinter solchen Sätzen steckt die Angst, der Generika-Gigant aus Israel könnte später seine eigenen Tabletten in die Ratiopharm-Medikamentenschachteln stecken. Vom Forschungs- und Entwicklungsstandort Ulm bliebe dann nicht mehr viel außer einer Zweigproduktion.
Der Umsatzvergleich macht die Größenverhältnisse deutlich. Ratiopharm hat 2009 rund 1,6 Milliarden Euro umgesetzt, Teva 9,3 Milliarden. Laut Teva soll der Umsatz bis zum Jahr 2015 auf 22 Milliarden Euro steigen. Einen Großteil des Zuwachses will sich der Branchenführer, dessen Anteil am Generikaweltmarkt auf 22 Prozent geschätzt wird, in Europa holen, wo in den kommenden Jahren viele Patente auf Arzneimittel ablaufen.
Der Betriebsrat bei Ratiopharm will sich öffentlich nicht auf einen Wunschkandidaten festlegen. Derzeit wird an einem Forderungskatalog der Beschäftigten gearbeitet, der dem Käufer, wenn er denn feststeht, vorgelegt werden soll. Die Präferenz Nummer eins schildert ein Betriebsrat so: "Wir hoffen, dass uns jemand kauft, der uns nicht auseinanderreißt."
Nach und nach werden in dem Übernahmepoker die letzten Karten auf den Tisch gelegt. Nach StZ-Informationen soll das höchste Gebot für den Ulmer Konzern mittlerweile bei 2,8 Milliarden Euro liegen. Ende 2009 lagen die höchsten Offerten bei 2,3 Milliarden Euro. Firmen wie der US-Pharmariese Pfizer sind ausgestiegen. Die drei verbliebenen Unternehmen schweigen sich aus. "Kein Kommentar", sagt ein Sprecher EQT-Gruppe in der Stockholmer Zentrale. Die Frankfurter Deutschlandzentrale von Sanofi Aventis reicht Anfragen mit Verweis auf das "laufende Bieterverfahren" an die Vorstandsetage in Paris weiter. Die deutsche Niederlassung von Teva Pharmaceuticals in Mörfelden-Walldorf (Hessen) lässt Anfragen derzeit vollständig unbeantwortet.
Mitarbeiter favorisieren Sanofi Aventis
In der Ratiopharm-Zentrale in Ulm werden die verbliebenen Abordnungen an Firmenvertretern, die über den Büchern sitzen, mit gemischten Gefühlen beobachtet. Ein solider strategischer Investor, ein Pharmaunternehmen etwa, das in der Herstellung von Generika wenig Erfahrung hat und sich langfristig verstärken möchte, galt für die Mehrheit der Beschäftigten von Anfang an als das kleinste Übel. Ginge es nach dem Wunsch der Mitarbeiter, käme Sanofi Aventis wohl die Favoritenrolle in der Übernahmeschlacht zu, wenn auch mit Abstrichen. Der Konzern hat seit der Übernahme der Hoechst AG Erfahrung im Umgang mit deutschen Großunternehmen. Doch es gibt auch Fragezeichen.
Seit 2004 hat der französische Hersteller sein Generikageschäft unter der Dachmarke Winthrop gebündelt. Es ist unklar, inwieweit Verwendung für alle Teile des Ratiopharm-Konzerns besteht. Dazu kommt, dass auf den Erhalt deutscher Traditionen wenig Wert gelegt wird, wie der Fall Hoechst zeigt. Der in den 70er-Jahren größte Pharmahersteller der Welt hat innerhalb der Sanofi-Aventis-Gruppe heute nur noch die Funktion einer internen Zwischengesellschaft. Die Hoechst GmbH betreibt kein eigenes operatives Geschäft mehr und tritt nach außen praktisch nicht mehr in Erscheinung.
Wäre eine Private-Equity-Gruppe vielleicht doch die bessere Perspektive? Die in Nordeuropa und Asien tätige Gruppe EQT mit Sitz in Stockholm hat insbesondere in Ulm einen ordentlichen Namen. Im Jahr 2002 wurde der Gartengerätehersteller Gardena übernommen, flottgemacht und 2006, nachdem ein Rekordumsatz erzielt worden war, an den schwedischen Husqvarna-Konzern weitergereicht. EQT hatte nicht etwa durch Personalabbau Gehälter gespart, sondern die Werbe- und Marketingstrategie verändert und so Wachstum geschaffen.
Gegen Teva gibt es Vorbehalte
Allein gegenüber Teva Pharmaceuticals gibt es innerhalb von Ratiopharm derzeit eindeutige Vorbehalte. "Die haben doch schon alles. Die wollen nur den Markennamen", heißt es aus dem Ulmer Konzern. Hinter solchen Sätzen steckt die Angst, der Generika-Gigant aus Israel könnte später seine eigenen Tabletten in die Ratiopharm-Medikamentenschachteln stecken. Vom Forschungs- und Entwicklungsstandort Ulm bliebe dann nicht mehr viel außer einer Zweigproduktion.
Der Umsatzvergleich macht die Größenverhältnisse deutlich. Ratiopharm hat 2009 rund 1,6 Milliarden Euro umgesetzt, Teva 9,3 Milliarden. Laut Teva soll der Umsatz bis zum Jahr 2015 auf 22 Milliarden Euro steigen. Einen Großteil des Zuwachses will sich der Branchenführer, dessen Anteil am Generikaweltmarkt auf 22 Prozent geschätzt wird, in Europa holen, wo in den kommenden Jahren viele Patente auf Arzneimittel ablaufen.
Der Betriebsrat bei Ratiopharm will sich öffentlich nicht auf einen Wunschkandidaten festlegen. Derzeit wird an einem Forderungskatalog der Beschäftigten gearbeitet, der dem Käufer, wenn er denn feststeht, vorgelegt werden soll. Die Präferenz Nummer eins schildert ein Betriebsrat so: "Wir hoffen, dass uns jemand kauft, der uns nicht auseinanderreißt."
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Nicht EQT war der Finanzinvestor von Gardena
Sehr geehrter Herr Bäßler, der Finanzinvestor, der 2002 die Firma Gardena übernommen und 2006 wieder veräußert hat, war nicht EQT, sondern die ebenfalls schwedische Industri Kapital (heute IK Investment Partners). Da haben Sie offenbar etwas durcheinander gebracht. Aber die übrige Darstellung zum Fall Gardena ist korrekt. Freundliche Grüße aus Ulm, Heribert Wettels