Überraschung nach Urwahl Göring-Eckardt und Trittin sind Grünen-Spitzenduo

Von dpa 

Überraschung bei den Grünen: Die Ökopartei wählt Göring-Eckardt und Trittin zum Spitzen-Duo - und erteilt Parteichefin Roth einen Dämpfer.

Berlin - Die Grünen haben überraschend Bundestags-Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt und Fraktionschef Jürgen Trittin zu ihrem Bundestagswahl-Spitzenduo gewählt. Das ist das klare Ergebnis der Urwahl, wie Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke am Samstag in Berlin bekanntgab. Einen schweren Dämpfer erteilte die Basis Parteichefin Claudia Roth. Die SPD wertete das Resultat als gute Basis für das Ziel einer rot-grünen Regierungsübernahme.

Der Parteilinke Trittin erreichte 71,9 Prozent der abgegebenen gültigen 35 065 Stimmen, die Realo-Vertreterin Göring-Eckardt 47,3 Prozent. Die Parteivorsitzende Roth, die im Frühjahr als erste ihren Hut für eine Kandidatur in den Ring geworfen hatte, erhielt nur 26,2 Prozent, Renate Künast 38,6 Prozent. Göring-Eckardt waren im Vorfeld vorwiegend Außenseiterchancen eingeräumt worden. Rund 62 Prozent der knapp 60 000 Mitglieder hatten sich beteiligt. Sie konnten bis zu zwei Stimmen abgeben.

Roth teilte im sozialen Netzwerk Facebook mit: „Ich gratuliere von Herzen Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt. Das ist Demokratie!“ Lemke konnte nicht sagen, ob Roth beim Parteitag in einer Woche in Hannover nun wie geplant erneut als Parteichefin antreten wird. Auch Parteichef Cem Özdemir, der zur Urwahl nicht angetreten war, will dort bestätigt werden.

Beworben hatten sich 15 Kandidaten. Auch elf zuvor unbekannte Grünen-Mitglieder hatten sich zur Wahl gestellt. Sie erhielten zwischen 0,3 und 2,4 Prozent. Es war das erste Mal, dass eine Partei in Deutschland ihre Spitzenkandidaten per Urwahl bestimmte.

Lemke sagte: „Mit diesem Ergebnis hat die grüne Basis Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt den politischen Auftrag zur Ablösung der Regierung Merkel erteilt.“ Das Duo werde nun gemeinsam mit dem Bundesvorstand und der ganzen Partei für das beste grüne Wahlergebnis 2013 kämpfen.

Lemke wertete den Sieg der 46-Jährigen und des 58-Jährigen als kluge Entscheidung. „Die Basis hat sich mit dieser Entscheidung für eine weise Balance zwischen Kontinuität und Erneuerung entschieden.“ Der ehemalige Umweltminister stehe für das ökologische Profil der Partei. Göring-Eckardt habe sich als Anwältin der Ärmsten in der Gesellschaft und als Kämpferin für soziale Gerechtigkeit einen Namen gemacht. Das Duo bilde das inhaltliche Profil der Partei ab.

Geschlossen in den Wahlkampf

Trittin bedankte sich im Kurznachrichtendienst Twitter mit den Worten: „Vielen herzlichen Dank allen, die mich bei der Urwahl gewählt haben und Glückwunsch an meine Partnerin im Duo.“ Fraktionsvize Ekin Deligöz twitterte: „Wir hatten 3 gute Kandidatinnen und eine hat gewonnen!“ Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck rief zur Geschlossenheit auf: „Jetzt versammeln wir uns hinter kge und jtrittin und kämpfen gemeinsam für starke Grüne.“ Die NRW-Vizeregierungschefin Sylvia Löhrmann sagte: „Klar ist auch, dass die gesamte Partei geschlossen in den Wahlkampf zieht.“

Lemke sagte, sie sei selbst überrascht gewesen. „Das Wahlergebnis war nicht das, was ich als wahrscheinlichstes vermutet hatte.“ Intern hatten die Varianten Trittin/Roth und Trittin/Künast als recht wahrscheinlich gegolten. Göring-Eckardt hatte im Sommer monatelang abgewartet, ob sie überhaupt bei einer Urwahl antreten würde. Göring-Eckardt kündigte an, dass sie ihr Amt als Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bis zum Ende des Bundestagswahlkampfes im Herbst 2013 ruhen lassen werde.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann, sprach von einer guten Wahl. Göring-Eckardt und Trittin seien klasse Redner und gute Wahlkämpfer. „Damit sind wir der Ablösung von Schwarz-Gelb einen großen Schritt näher gekommen“, so Oppermann. „Heute ist ein guter Tag für Rot-Grün.“

Überparteilichkeit notwendig

Die stellvertretende FDP-Vorsitzende Birgit Homburger forderte Göring-Eckardt auf, ihr Amt als Vizepräsidentin des Bundestags niederzulegen: „Das ist ein Gebot der notwendigen Überparteilichkeit bei der Sitzungsleitung im Parlament.“

Lemke wertete die Urwahl als vollen Erfolg und empfahl sie anderen Parteien zur Nachahmung. „Grün macht Demokratie lebendig - und Demokratie macht auch Grün lebendig.“ Hinterzimmerpolitik habe es fortan sehr schwierig.

Grünen-Chef Cem Özdemir hatte im Vorfeld keinen Karriereknick bei den Verlierern erwartet. „Ich glaube, niemand geht beschädigt aus der Urwahl davor“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

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Ohne Protest keine Wähler: Die Presse versucht seit Monaten die Grünen als bürgerliche Partei zu etablieren. Dass die StZ als Hofberichterstatterin der Grünen um Ministerpräsident Kretschmann in diesen Kanon miteinstimmt ist klar. Doch so einfach lässt sich die Bevölkerung nicht beeinflussen. Wer sich 'heimlich über ein Scheitern von S 21 freut' der ist kein Bürgerlicher. Und die Grünen werden es nie werden. Egal was die grüne Presse uns glauben machen will....

Was geht hier ab?: Die neue Grüne hat keinen Doktertitel, wie soll das bloss gut gehen? Der Guttenberg hat doch einen, die Koch-Merin hat doch einen, des Stäubers Töchterlein hat doch einen, die Schawan hat doch einen......Alle haben einen, bloss die neue Grüne nicht. Meine Guttenberg hatte einen, Koch.-Merin hatte einen, Stäubers Töchterlein hatte einen und die Schawan tut noch so,, als hätte sie einen............

Herzlichen Glückwunsch zur Wahl: Dass Claudia Roth nicht gewählt wurde, spricht zunächst einmal nicht rundum gegen sie, sie hat über lange Zeit hinweg wertvolle Arbeit geleistet. Aber nun haben die Mitglieder mit einer deutlichen Mehrheit Katrin Göring-Eckhardt gewählt, weil sie ihr die Lösung der anstehenden Aufgaben und Probleme - zusammen mit Jürgen Trittin - mehr zutrauen. --- Ich freue mich über das Ergebnis und erhoffe mir davon eine weiterhin erfolgreiche grüne Politik – mit deutlichen Akzenten auf christlichen Werten wie Nachhaltigkeit, Bewahrung der Schöpfung etc, wie sie u.a. in der LAG Christen auch bisher schon gesetzt werden. Außerdem erwarte ich die zügige dezentrale Umsetzung der Energiewende - und die Abschaltung der noch laufenden AKWs, keine Hermesbürgschaften u.a.: Denn das Ende Juni 2011 gegebene Versprechen, zwar zunächst dem halbherzigen „Atomausstieg“ zuzustimmen, aber im Falle der Regierungsbeteilung eine DEUTLICH schnellere Abschaltung der verbliebenen AKWs in die Wege zu leiten, muss nun eingelöst werden! --- Ein entschiedenes Eintreten für sozial benachteiligte Gruppen in der Gesellschaft ist wichtiger denn je – hier müssen weitsichtig die gesetzlichen Grundlagen für Chancengleichheit geschaffen werden. --- Wünschenswert ist dabei aus meiner Sicht eine wesentliche Verbesserung der Unterstützung von schwangeren Frauen in Konfliktsituationen – denn wenn sie sich in einem verlässlichen System aufgefangen wissen, werden auch die Abtreibungszahlen sinken. Dann ist auch eine derart liberale Abtreibungsregelung, wie sie von den Grünen propagiert wird, nicht nötig, sie geht mir zu weit. --- @Utz, „Illusionen der Fundis“ sehe ich in keiner Weise, das belegt die Arbeit von Jürgen Trittin. Wichtig ist ein standhaftes, unerschrockenes Eintreten für eine Politik, die die Grundlage schafft für ein gutes gesellschaftliches Miteinander, zu dem alle ihren Teil beitragen – auch die Großkonzerne, die sich nicht länger durch immer mehr (Steuer-)Vergünstigungen aus der Affäre ziehen dürfen, dem muss ein Riegel vorgeschoben werden – ebenso den Auswüchsen der Lobbyarbeit! Das gilt auch für Großbanken, die – so fordert es Susanne Schmidt – verkleinert werden müssen. --- Für all die anstehenden Aufgaben und den Wahlkampf sind die Grünen nun gut aufgestellt. – Die Kandidatur von Katrin Göring-Eckhardt berührt natürlich in keiner Weise ihre Funktion als Bundestags-Vizepräsidentin.

Grüne Urwahl 2012: Katrin Göring-Eckardt steht für die typische politische Karriere in Deutschland. Keine Ausbildung, abgebrochenes Studium (der Theologie nach dem 4. Semester), noch nie gearbeitet, sondern nur von der Politik gelebt bzw. vom Steuerzahler. Toll, solche Frauen braucht das Land.

Herzlichen Glückwunsch!: Dieses Spitzenduo aus Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt wurde vor Monaten durch Boris Palmer öffentlich ins Gespräch gebracht. Die grünen Mitglieder haben damit eine sehr gute Wahl getroffen. Es zeigt sich, dass die Stimmung der Parteibasis im Ländle von der Stimmung im ganzen Land gar nicht so weit abweicht wie gerne behauptet wird. Nach dem grandiosen Sieg von Fritz Kuhn wird nun mit KGE ein weiteres, realogrünes Urgestein (Gründungsmitglied Bündnis 90) - diesmal aus den neuen Bundesländern - für ein Spitzenamt nominiert. Ich freue mich sehr, dass die wertkonservative und vernünftig/bodenständige Prägung bei den Grünen immer mehr zunimmt und damit auch die Aussicht auf einen soliden und dauerhaften Wählerauftrag aus breiten Schichten der Gesellschaft.

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