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Fußball
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Ultragruppierungen Die Kurvendiskussion geht weiter

Tobias Schall, vom 23.03.2010 14:18 Uhr
Die Ultras feiern ihren Verein gerne, doch ein kleiner Teil ihrer Mitglieder macht den Eindruck zunichte. Foto: dpa
Die Ultras feiern ihren Verein gerne, doch ein kleiner Teil ihrer Mitglieder macht den Eindruck zunichte. Foto: dpa
Stuttgart - Es ist ein ruhiges Fußballwochenende gewesen. Keine Ausschreitungen. Keine bengalischen Feuer. Die vermeintlich außer Kontrolle geratenen Kurven waren friedlich, aber sie sind nach den Vorkommnissen zuletzt in und um die Stadien weiter ein Thema. Runde Tische soll es geben, die Innenminister wollen miteinander sprechen. Und so weiter. Die Kurvendiskussion geht weiter.

An diesem Abend arbeitet die Kurve. Am Tresen in der ehemaligen Kneipe in Cannstatt sitzen vier junge Männer vor Laptops. Auf dem Flachbildschirm an der Wand laufen schwarz-weiß Aufnahmen eines VfB-Spiels von anno dazumal. Sie sichten Material für eine Choreografie. Die Geschichte der Cannstatter Kurve wollen sie rekonstruieren, der betongewordenen Heimat der VfB-Fans die letzte Ehre erweisen, wenn sie nach dieser Saison abgerissen wird. "Eine Reminiszenz", sagt der Sprecher Oliver Schaal, soll es werden. Das Commando Cannstatt ist die größte Stuttgarter Ultra-Vereinigung, wie keine andere Gruppierung prägt sie das Gesicht der Kurve.

Auf die Ultras kaprizieren sich viele Debatten in diesen Tagen, in denen Hooligans schon seit langem aus den Stadien verschwunden sind. Die Ultra-Bewegung hat ihren Ursprung in Italien. Ultra bedeutet so viel wie "darüber hinaus" und ist der Sammelbegriff für Gruppierungen "fanatischer" Fans, deren Ziel es ist, ihren Verein immer und überall zu unterstützen. Die Ultras aus Genua und Turin gelten als die Ersten. Mit großen Choreografien und dem Einsatz von Pyrotechnik unterschieden sie sich von den bis dahin bekannten Fangruppen. In Italien nehmen die Ultras teils massiven Einfluss auf die Vereinspolitik, sie haben Fanshops und sind gefürchtet für ihr radikales, teils brutales Vorgehen. Von Italien aus eroberte die Bewegung Europa, in Deutschland gewinnt die Bewegung Mitte der 90er Jahre an Zulauf.

Ultras stehen dem eigenen Verein auch kritisch gegenüber


Vor allem auf Jugendliche üben die Ultras eine Faszination aus, der Kern der Ultras ist zwischen 18 und 25 Jahren alt. Ultras verstehen sich als so etwas wie die Avantgarde unter den Anhängern. Uneingeschränkte Liebe zum Verein ist ihr Fundament, vielfach bestehen die Gruppen aus sogenannten Allesfahrern, Fans also, die ihren Club von entlegenen Auswärtsspielen über Freundschaftpartien bis hin zu Trainingslagern begleiten.

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Kommentare (6)
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MRZ
25
09:09 Uhr, geschrieben von PSG
Paris
Mein Vorschreiber stellt die Ereignisse in Paris komplett falsch, da ging es um Links gegen Rechts. Mit ein bischen google-Suche kann man das auch schön nachlesen. Das ist auf Deutschland in keiner Weise übertragbar
MRZ
24
13:41 Uhr, geschrieben von sveno69
der widerspenstigen zähmung
Das Ultradasein ist geprägt vom Hedonismus. Es gehört zum Selbstverständnis der Ultragruppen dazu, sich als arme, unschuldig verfolgte Underdogs zu präsentieren, und dennoch die "Coolsten" zu sein, und prinzipiell gegen alles, was der Verein oder die Staatsmacht propagieren, als Spielverderberei darzustellen. Da wird dann auch schon mal das Kind mit dem Badewasser ausgeschüttet. Aber: Was viele Leute ausserhalb der Szene nicht wahrhaben wollen ist, dass die Ultragruppierungen durch ihren hohen Organisationsgrad die Kurven kontrollierbar machen. In Paris gab es letztens nach Ausschreitungen einen Toten zu beklagen. Der Hauptgrund dafür ist, dass in der Vergangenheit einige Ultragruppen verboten worden sind, und jetzt kleine unkontrollierbare Splittergruppen ihre eigenen Süppchen kochen. Da werden nicht mehr nur gegnerische Fans angegriffen, sondern bevorzugt andere Gruppen aus dem eigenen Lager. Ironischerweise ist also die Ultrabewegung mit all ihren Aspekten das erfolgreichste Heilmittel gegen den Hooliganismus. Man wird mir vielleicht antworten, dass es doch regelmässig zu Handgreiflichkeiten kommt. Und dass ist natürlich richtig. Allerdings wären die Nostalgiker, die in Erinnerungen an die Achziger schwelgen, gut beraten, sich an die gewalttätigen Randerscheinungen bei manchem Bundesligaspiel zu erinnern. Sowas gibt es heute nicht mehr.
MRZ
23
19:39 Uhr, geschrieben von Ultra-Hasser
Gegen Ultras
Diego hat recht! Sehr guter Beitrag. Die Ultras haben die Fanszene und die Stimmung kaputt gemacht - diese Affen nerven schon viel zu lange!
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