Umbau Tübinger Straße Straßenzug ohne Schilderwald

Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt 

In der Tübinger Straße betritt die Stadt verkehrliches Neuland: von September an sind dort Fußgänger, Rad- und Autofahrer gleichberechtigt unterwegs.

Von Anfang Mai an wird der Abschnitt zwischen Sophien- und Eberhardstraße zu einer Begegnungsfläche mit Platzcharakter gestaltet. Foto: Stadt Stuttgart (2)
Von Anfang Mai an wird der Abschnitt zwischen Sophien- und Eberhardstraße zu einer Begegnungsfläche mit Platzcharakter gestaltet.Foto: Stadt Stuttgart (2)

Stuttgart - Noch ziehen sich tiefe Gräben durch die Tübinger Straße, in denen die EnBW derzeit neue Leitungen verlegt. Danach, vom 7. Mai bis Mitte September, entsteht in dem 800 Meter langen Abschnitt zwischen der Sophienstraße und der Querspange für 1,2 Millionen Euro ein Stück verkehrliches Neuland in Stuttgart: eine einheitliche Fläche, in der alle Verkehrsteilnehmer, egal ob Fußgänger, Rad- oder Autofahrer, gleichberechtigt unterwegs sind. Der zweite Abschnitt bis zur Paulinenbrücke wird 2014 – rechtzeitig vor der Eröffnung des neuen Einkaufszentrums Gerber – umgebaut.

„Im Herbst wird es von der Sophien- bis zur Eberhardstraße zwischen den Häuser-fronten eine ebene Fläche geben“, erklärt Silvester Koci, einer der beiden Projektplaner beim Tiefbauamt. „Ohne Bordsteinkanten und ohne den üblichen Schilderwald“, ergänzt sein Kollege Heinz Schwedat. Shared Space heißt das Konzept unter Fachleuten. Gemeint ist damit eine Mischverkehrsfläche mit mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer. „In dem Bereich gilt künftig Tempo 20“, betont Schwedat. Alle Verkehrsteilnehmer müssten in diesem Abschnitt aufeinander Rücksicht nehmen, wie es die Straßenverkehrsordnung ohnehin fordere.

In dem zum Stadtraum umgewandelten Straßenabschnitt besteht ein Parkverbot, damit der Verkehrsraum für alle Nutzer überschaubar bleibt. Es gebe aber trotz der wegfallenden 26 Stellplätze in umliegenden Tiefgaragen genügend Parkmöglichkeiten. Auch so gut wie alle Verkehrsschilder werden nach dem Umbau bis auf den Hinweis auf Tempo 20 verschwunden sein.

Ein Aufenthaltsraum soll die Straße werden

„Der ebene Verkehrsraum wird nur durch breite Pflasterbänder zu beiden Seiten und durch einen hellgrauen Gussasphaltbelag in der Mitte optisch gegliedert“, erklärt Silvester Koci. Der Asphalt sei besonders radfahrerfreundlich, schließlich führe die Radhauptroute 1 durch die Tübinger Straße. Die Kreuzungsbereiche an der Sophien- und der Christophstraße werden allerdings vollständig gepflastert, um den öffentlichen Raum optisch zu verbreitern. Schmale Pflasterbänder in der Fahrbahn sollen Auto- und Radfahrer spürbar an Tempo 20 erinnern.

Anders als heute bietet sich die umgestaltete Tübinger Straße als Aufenthaltsraum an. Zwischen Baumreihen laden Bänke zu einer Verschnaufpause oder einem Gespräch mit zufällig getroffenen Bekannten ein. Radler können ihr Gefährt an einem der zahlreichen Parkbügel sicher anschließen. Um Blinden sichere Wege zu ermöglichen, wird es auf einer Seite ein spezielles Leitsystem geben.

„Wir sind sehr gespannt, wie sich unser Stuttgarter Pilotprojekt entwickeln wird“, sagt Heinz Schwedat. Vor dem Umbau wolle man die heutigen Verkehrsabläufe in der Tübinger Straße filmisch dokumentieren, um später Vergleiche ziehen zu können. „Wir sind aber ziemlich optimistisch“, erklärt Koci: „Schließlich hat sich die verkehrsberuhigte Querspange zwischen Kronprinz- und Eberhardstraße schon seit vielen Jahren als ein Vorläufer für die neue Shared-Space-Zone bewährt.“

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13 KommentareKommentar schreiben

Unfreiwilligen shared space...: ... gabs mal vor ein paar Jahren auf dem Berliner Platz. Da war fast den ganzen Tag lang der Strom der Signalanlagen ausgefallen. Resultat: da wurde Platz endlich mal richtig genutzt! Ale, Fussgänger, Radler, Autos und sogar Strassenbahnen (in Stuttgart U-Bahn genannt) wurstelten sich irgendwie durch. Zu meiner Überraschung war auch im Berufsverkehr kein grösserer Rückstau auf den Zufahrten zu verzeichnen! Alles floss, langsam zwar, aber es floss. Und als Fussgänger konnte man problemlos zwischen den langsam fahrenden Autos durch auf die andere Seite gelangen. Das war SHARED SPACE VOM FEINSTEN, und es hat funktioniert! Im Normalfall ist der Platz ja meistens leer. Für einen Moment rasen ein paar Autos drüber, dann wieder Leere, dann wieder ein paar Autos aus einer anderen Richtung, Leere, dann mal 'ne Tram (in Stuttgart U-Bahn genannt), Leere, und ab und zu dürfen auch die Fussgänger rüber. Gruss

1,2 Mio Euro...: Was für ein grüner Unsinn! Die Idee ist kompletter Mist, wer will den direkt hinter stinkenden Dieselwagen herlaufen? Und die 26 wegfallenden Stellplätze schmerzen natürlich.

Sehr interessant!: So sieht er also aus, der GRÜNE Zwischenschritt vor dem Verbot des Automobils. Waren die bisherigen Bürgersteige etwa nicht breit genug? Oder floss der Verkehr etwa noch zu gut? Gab es zu wenig Konflikte zwischen den unterschiedlichen Verkehrsbeteiligten? Wohl von allem ein bißchen. Als nächses stellt das GRÜNE GEsindel eine Meßstation auf und verteufelt die zusätzlichen Abgase, das Endziel fest im Auge. Baden-Würtemberg ist nur noch zu bedauern und sollte sich dieser politischen Schädlinge umgehend entledigen!

Ich sehe sie schon: Die Fahrer bestimmter Marken mit Ellenbogen rausgestreckt und angetrieben vom Power Subwoofer das sogar Hörgeschädigte kein Hörgerät mehr benötigen. Na dann mal viel Spass in der Pflaster Betonwüste mit hingestellten Pflanztöpfchen bei denen man sich frägt ob man Mitleid mit den Planzen haben sollte oder mir den Manschen die dort leben oder arbeiten müssen. Die Fehler der Vergangenheit sind so nicht wieder gut zu machen.

@ mschnell: Hallo, der von Ihnen angesprochene Bereich (Ludwigsburg, Westausgang) ist kein shared space-Bereich. Dort gibt es 'nur' einen anderen Fahrbahnbelag, um dem Autofahrer zumindest optisch zu signalisieren, dass hier besonders vorsichtig zu fahren ist.

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