""In Degerloch können Sie ihr Bett abends auf die Straße stellen.""
Bürgermeister Schairer zum Sicherheitsgefühl im Bezirk
Stuttgart - Befragt zu den größten Problemen der Stadt, haben bei der Bürgerumfrage im Jahr 2009 nur 28 Prozent Unsicherheit auf der Straße und im Bereich öffentlicher Verkehrsmittel genannt. Zehn Jahre zuvor hatten sich noch 66 Prozent auf den Straßen unsicher gefühlt. "Das Thema Sicherheit ist von Rang 1 auf Rang 9 abgefallen", erklärte der Ordnungsbürgermeister Martin Schairer. Laut der Umfrage, an der sich 3774 Bürger beteiligten (Rücklaufquote 44 Prozent), ärgern sich die Stuttgart viel mehr über den Verkehr, zu viel Lärm, über fehlende Parkmöglichkeiten, schlechte Luft und hohe Mieten.
Sicherheit hat ihren Preis
Die Zufriedenheit steigt kontinuierlich an: Alle zwei Jahre lässt die Stadt das Sicherheitsgefühl erfragen, auf einer Punkteskala ist der Wert von 35 auf 66 geklettert. Und während 1995 noch 71 Prozent forderten, die Stadt müsse für den Schutz vor Kriminalität mehr Geld ausgeben, sind es jetzt nur noch 42 Prozent.
Allerdings finden die meisten Befragten, dass Sicherheit ihren Preis hat: 54 Prozent wünschen, dass die Ausgaben unverändert bleiben. Martin Schairer freut sich über die positiven Umfragewerte: "Stuttgart ist in den vergangenen zehn Jahren auch optisch sicherer geworden." Es gebe keine offene Drogenszene mehr, und die Sauberkeit habe sich sehr verbessert. Am sichersten fühlen sich die Bürger in ihrer jeweiligen Wohngegend, hier werden 86 Punkte erzielt. 73 Punkte gibt es für die Innenstadt - vor zehn Jahren waren es nur 57 Punkte, eine deutliche Steigerung des Sicherheitsgefühls. Nach Einbruch der Dunkelheit fühlen sich allerdings nur noch weniger als die Hälfte an unterirdischen Haltestellen, in Parkhäusern, Fußgängerunterführungen und Grünanlagen sicher.
Aber auch in der Wohngegend schwankt das Sicherheitsgefühl in den einzelnen Stadtbezirken stark, diese Daten hat das Statistische Amt erstmals erhoben. Schlusslichter sind Mühlhausen/Münster, wo sich nur 68 Prozent sehr sicher oder sicher fühlen, und Weilimdorf (69 Prozent). Auch Stammheim/Zuffenhausen (71 Prozent) und Bad Cannstatt haben unterdurchschnittliche Werte. Am sichersten fühlen sich die Bürger in Degerloch mit 88 Prozent (Schairer: "Ein Schlaraffenland"), fast ebenso im Süden, Vaihingen und Botnang.
Viele wünschen sich mehr Polizeipräsenz
Allerdings wünschen sich 47 Prozent mehr Polizeipräsenz. Auch dies differiert in den einzelnen Bezirken: In Weilimdorf, Mühlhausen und Sillenbuch finden mehr als 60 Prozent der Bürger, dass sehr wenig/wenig Polizei auf der Straße ist. In Stammheim/Zuffenhausen, Möhringen, Birkach/Plieningen und Botnang beklagt dies die Mehrheit der Bürger. Dass dies schon mit der Revierreform zum Februar 2009 zusammenhängt, glaubt Schairer nicht: "Die Erhebung war von April bis Mai, solche Meinungen sind oft lang verfestigt." Die Stadt warte jetzt eine Erhebung in den Bezirken ab. "Wir werden mit der Polizei darüber sprechen."
Am meisten Sorgen bereiten den Befragten undiszipliniert fahrende Autofahrer in ihrem Viertel (45 Punkte), gleich danach folgt Gewalt an Schulen. "Sich langweilende und nichts tuende Jugendliche" halten ebenfalls viele Menschen für ein Problem. Das Risiko, in den nächsten zwölf Monaten Opfer einer Straftat zu werden, sieht aber nur eine Minderheit.
Viele Befragte haben aber ihre Gewohnheiten geändert: 52 Prozent erklären, sie gingen abends seltener aus als früher, 57 Prozent vermeiden nach Einbruch der Dunkelheit die Innenstadt - und 22 Prozent trauen sich auch in ihrem Viertel nicht mehr auf die Straße. Das sind zwei Prozent mehr als 1999. Mehr Menschen (69 Prozent) benutzen auch abends und nachts keine Parkhäuser und Tiefgaragen mehr.