Umfragedaten analysiert Bei der CDU wackeln viele Direktmandate

Von Reiner Ruf 

Der Grünen-Abgeordnete Markus Rösler hat ausgerechnet, was es für den Landtag bedeuten würde, wenn die Wahl am 13. März den Umfragen entsprechend ausginge. Keine schönen Aussichten für die CDU.

Bei der CDU wackeln viele Direktmandate, wenn die aktuellen Umfragen zutreffen. Die Chancen von Spitzenkandidat Guido Wolf auf das Amt des Ministerpräsidenten sinken dadurch weiter. Foto: dpa
Bei der CDU wackeln viele Direktmandate, wenn die aktuellen Umfragen zutreffen. Die Chancen von Spitzenkandidat Guido Wolf auf das Amt des Ministerpräsidenten sinken dadurch weiter.Foto: dpa

Stuttgart - Die Demoskopen sagen für die Landtagswahl am 13. März große Verwerfungen in der baden-württembergischen Parteienlandschaft voraus. Klar, dass dies die Abgeordneten nicht kalt lässt. Die einen harren der Wahl heiteren Gemüts, die anderen bekommen weiche Knie. Der Parlamentarier Markus Rösler zählt, weil als Grüner von den Umfragen enthusiasmiert, zur ersten Gruppe. Rösler, Abgeordneter des Wahlkreises Vaihingen, hat die jüngste Umfrage von Stuttgarter Zeitung und SWR mit den Ergebnissen der Landtagswahl 2011 abgeglichen und daraus die sich theoretisch für die kommende Landtagswahl ergebenden Folgen abgeleitet. Rösler hebt darauf ab, dass es sich um eine rein statistische Betrachtung handelt. Wahlkreisspezifische Entwicklungen – wie zum Beispiel die Frage, ob ein angesehener Abgeordneter erneut antritt oder ein Neuling kandidiert – blieben unberücksichtigt. Die StZ/SWR-Umfrage (Infratest dimap) sah die Grünen nur noch drei Prozentpunkte hinter der CDU, in der neuesten, von „Bild“ in Auftrag gegebenen Erhebung des Insa-Instituts rangierten die Christdemokraten mit 30 Prozent hinter den Grünen (30,5 Prozent). 2011 hatte die CDU 39 Prozent erreicht, die Grünen 24,2 Prozent.

Etliche CDU-Abgeordnete stehen vor dem Aus

Rösler untersuchte, wie viele Direktmandate (2011: neun) die Grünen hinzugewinnen könnten. Sein Ergebnis: Die CDU wird nach derzeitigem Stand mindestens ein Dutzend Direktmandate an die Grünen verlieren. Dies ziemlich sicher in Großstädten wie Karlsruhe, Mannheim, Stuttgart sowie im südbadischen Raum um Freiburg bis an die Grenze zur Schweiz. Konkret beträfe dies die CDU-Abgeordneten Katrin Schütz, Bettina Meier-Augenstein, Marcel Schwehr, Patrick Rapp, Ulrich Lusche sowie Reinhard Löffler. Sie alle hatten 2011 einen Vorsprung vor den Grünen zwischen 0,3 Prozentpunkten und 6,2 Prozentpunkten. Weitere sechs Wahlkreise mit einem Abstand von 8,2 bis 11,8 Prozenpunkten würden auf der Basis der Werte von Infratest dimap (Grüne drei Prozentpunkte hinter der CDU) statistisch ebenfalls an die Grünen fallen. Betroffen wären die amtierenden CDU-Abgeordneten Klaus Hermann, Georg Wacker, Andreas Deuschle und Dieter Hillebrand. Neun weitere Wahlkreise sieht Rösler ebenfalls bei den Grünen – aber nur für den Fall, dass die Grünen an der CDU vorbeiziehen. Dann könnte womöglich auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann ein Direktmandat erringen. Er lag 2011 im Wahlkreis Nürtingen noch 14 Prozentpunkte hinter dem CDU-Mann Thaddäus Kunzmann. Als ziemlich sicher für die CDU gelten nach Röslers Rechnung 16 der insgesamt 70 Wahlkreise, als absolut sicher weitere 23 Wahlkreise.

Schwer wird es für die SPD-Kandidaten. Bei Umfrage-Werten zwischen 14 und 16 Prozent sieht Rösler statistisch sicher im Landtag: die Minister Andreas Stoch, Nils Schmid und Rainer Stickelberger, Staatssekretär Peter Hofelich sowie Rainer Hinderer, Martin Rivoir, Ernst Kopp und Stefan Fulst-Blei. Eng, ja sehr eng könnte es für Fraktionschef Claus Schmiedel werden.