Umstrittene Tourismuswerbung Schwarzwald wird frivol beworben

Von  

Mit einer Anzeige erregen die Tourismusvermarkter der fünf Schwarzwaldorte Schonach, Schönwald, St. Georgen, Furtwangen und Unterkirnach inzwischen großes Aufsehen. Der provokative Entwurf stammt von einer jungen Künstlerin.

Werbung, die provoziert, aber für den heimischen Markt gar nicht gedacht war. Foto: Screenshot StZ
Werbung, die provoziert, aber für den heimischen Markt gar nicht gedacht war.Foto: Screenshot StZ

Schonach - Ob Martin Sonneborn selbst mit Ryanair fliegt, wissen wir nicht. Aber offenbar ist er bei preisbewussten Fliegern eine Adresse. Dem – je nach Sichtweise – satirischen Politiker oder politischen Satiriker ist jedenfalls das Magazin der Fluglinie zugespielt worden. Oder auch nur eine Anzeige daraus. Die Annonce hat die Aufmerksamkeit des Neu-EU-Parlamentariers der Partei Die Partei erregt. Sie stammt von der Ferienland im Schwarzwald GmbH. Darauf wirbt eine grüne Silhouette mit unübersehbar weiblicher Formgebung für das Ferienland Schwarzwald. „Große Berge, feuchte Täler & jede Menge Wald“ gebe es dort, liest der Leser.

Sonneborn lancierte die Fundstelle in seinem Facebook-Auftritt. „Schwarzwald? Geile Gegend!“ kommentiert er das Inserat – und verhalf der Marketingaktion damit zu von den Urhebern unverhoffter Breitenwirkung. „Da sieht man die Schlagkraft der sozialen Netzwerke,“ staunt Julian Schmitz, der Geschäftsführer der Ferienland im Schwarzwald GmbH. Auf die Anfrage von Ryanair habe man sich entschlossen, eine Anzeige in dem Airline-Magazin zu schalten. Eine!

Sexismus oder Augenzwinkern?

Sie sollte schon „jung, kreativ und unkonventionell“ sein, sagt Schmitz. Man hatte mehrere Motive zur Auswahl. „Alle anderen sind deutlich zahmer,“ sagt der Geschäftsführer. Die Chefgesellschafter hatten freilich auch die frivole Variante abgesegnet. Des Provokativen der Darstellung durchaus bewusst wollte man damit allerdings nicht offensiv in der Region in Erscheinung treten. Deshalb nur der Auftritt in dem luftigen Heftchen.

Und dann kommt Sonneborn.

 

 

"Der ist ein guter Multiplikator“, weiß Schmitz jetzt. Dass bei manchen als Sexismus ankommt, was die Schwarzwälder als „Augenzwinkern“ gemeint haben, muss er zur Kenntnis nehmen. „Das wollten wir nicht.“

Entwürfe einer Grafik-Designerin

Schmitz glaubte, gegen diesen Vorwurf gefeit zu sein, denn die Motivvorschläge stammen von einer jungen Künstlerin aus Schonach. Selina Haas heißt sie und studiert Grafik-Design in Freiburg. „Mit meinen Gestaltungen verfolge ich das Ziel, den traditionellen Schwarzwald mit seinen modernen Zügen zu verbinden,“ schreibt sie. Sie möchte junge und junggebliebene Menschen, „die modern orientiert und offen für Neues sind“ erreichen. Sie „ sollen angeregt werden, den Schwarzwald neu zu entdecken“. Selina Haas hat das Künstlerische in die Wiege gelegt bekommen. Ihre Eltern sind Ingolf und Conny Haas. Sie entwerfen und produzieren seit Jahrzehnten Kuckucksuhren, die sich definitiv vom Traditionsdesign abheben.

„Man kann es nie allen recht machen,“ sagt Cheftouristiker Julian Schmitz. Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen ist der GmbH in jedem Fall gelungen. Sie betreut die fünf Schwarzwaldorte Schonach, Schönwald, Furtwangen, St. Georgen und Unterkirnach. Dort gibt es jetzt mal ein anderes Thema als den Warmbadetag im Hallenbad Schönwald, die Kinderfilmvorführung in St. Georgen oder die Führung im Deutschen Uhrenmuseum in Furtwangen. Martin Sonneborn sei Dank.