Umstrittener AfD-Politiker in Geislingen Björn Höcke lässt sich bejubeln

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Der thüringische AfD-Chef Björn Höcke gibt sich bei einer Wahlkampfveranstaltung in Geislingen mal nachdenklich leise, dann wieder aufputschend laut.

Der AfD-Wahlkämpfer Björn Höcke will die „Zeitgeist-Diktatur“ bekämpfen. Foto: Scheffel
Der AfD-Wahlkämpfer Björn Höcke will die „Zeitgeist-Diktatur“ bekämpfen.Foto: Scheffel

Geislingen - Es gibt Leute in der AfD, die Björn Höcke als verständigen, mit der Kraft seine Argumente überzeugenden politischen Führer bezeichnen, der den Mut zur Wahrheit pflegt. Und es gibt viele andere, quer durch das bundesdeutsche Parteienspektrum, die in ihm einen ausgewiesenen Rassisten und Hetzer sehen. Der parteilose Geislinger Oberbürgermeister Frank Dehmer wollte Höckes Auftritt sogar verbieten, um Schaden von seiner Stadt abzuwenden. Er kam damit aber nicht durch. Der AfD-Landesvorsitzende von Thüringen liefert am Donnerstagabend in Geislingen an der Steige Argumente für seine Fans und seine Gegner. Die Tonlage seiner Rede variiert von nachdenklich leise bis aufputschend laut.

Wie auf Veranstaltungen der AfD üblich diffamiert Björn Höcke zuerst die Presse und dann legt er los. Höcke weiß, was er seinen 150 Zuhörern im Kapellmühlsaal schuldig ist. Er zitiert den „Spiegel“, den er zuvor als von Nazis durchsetzt und Teil des „politisch-medialen Kartells“ bezeichnet hat, wenn diese Informationen sein Weltbild stützen. Sein Thema: Bildungspolitik, sein Fazit: die Rütli-Schule ist überall. Schuld daran ist „das verbrauchte Altparteienkartell“. Er fordert zum Kampf gegen die „praktizierte Zeitgeist-Diktatur“ auf. „Unsere Gesellschaft ist sterbenskrank“, und die Hauptursache dafür sei die Kulturrevolution der 68er. Es brauche in der Bildungspolitik eine Rückbesinnung zu den „preußischen Tugenden“, denn vor allem der junge Mensch brauche Orientierung. Das Publikum jubelt an den besonders zugespitzten Stellen, „Ja“, „So ist es“, „bravo“ hallt es durch den kleinen Saal. Hochstimmung.

Höcke will Bildungsminister werden

Der Fraktionsvorsitzende der AfD in Thüringen sieht in der Bildungspolitik nur Ideologen am Werk. Und er glaubt dabei nicht mehr an einen Zufall. „Die Verblödung unserer Kinder geschieht mit Vorsatz.“ Dadurch würden sie vom Staat manipulierbar. Am Ende seiner Rede träumt Björn Höcke davon, Bundesbildungsminister zu werden. Aber bevor die AfD mit einer der „verbrauchten Altparteien“ koaliere, „müssen sie den Becher der Verantwortung bis zur Neige ausleeren“. Eine typische AfD-Formulierung, weit interpretierbar. Manche Anhänger denken dabei an Gerichtsverfahren.

Standing Ovations für Björn Höcke. Umarmungen. Heinrich Fiechtner, Stadtrat in Stuttgart, Kreischef und Landtagskandidat der AfD in Göppingen, spricht von einer „grandiosen Rede“. Danach darf noch ein syrischer Flüchtling auf die Bühne, der die russischen Bombardements in Aleppo lobt und die Kritik der Medien daran als „medialen Terrorismus“ geißelt. Schließlich klingt der Abend in gelöster Stimmung beim Singen der Nationalhymne aus.

43 Kommentare Kommentar schreiben

Werter Herr Graf, Tatsachen darf man beim Namen nennen, das ist nun mal so, das hat man uns - zumindest bisher - noch nicht weggenommen, wenn auch vieles andere. Und dass der Staat mit allen seinen auch "verlängerten" Organen, die er hat, gegen den vermeintlichen politischen Staatsfeind Nr. 1 nämlich die AfD hetzt, und zwar weil er Angst vor ihr hat, ist unbestritten. Jedenfalls werden wir genau in 4 Wochen wissen, was Sache ist. __ Übrigens: ich bin kein überzeugter AfD-Wähler. Überzeugt bin ich bisher nur davon, dass man derzeit keine etablierte Partei mehr wählen kann. Ich weiß noch nicht einmal, ob ich überhaupt wählen gehe, obwohl ich dazu nur über die Straße gehen müsste. Auch wenn ich Sie damit jetzt arg enttäusche. Aber auch das ist halt Teil dieser Hetze. Nur weil ich ein paar Mal was zur AfD schreibe, bin ich für Sie und andere gleich ein überzeugter Wähler. So einfach ist das nicht. Schönen Sonntag noch ..

Jede massive Hetze und jedes massive Ätzen von Politik, Presse und Kommentatoren gegen die AfD wird nichts helfen, es bewirkt nur das Gegenteil. Die Menschen sind enttäuscht von der Politik und trauen einfach den etablierten Parteien Lösungen nicht mehr zu. Dabei spielt die Frage, ob es die AfD besser machen kann, zunächst keine Rolle. Und jetzt rede ich mal ganz offen zu Ihnen: viele Menschen sind so weit, dass sie am gernsten Rechts wählen würden. Trauen es sich aber nicht wirklich, weil das doch was ist, was "man eigentlich nicht macht" und was irgendwie "political unanständig" ist. Nun befindet man sich in einer Zwangslage: Was tun? Etabliert geht gar nicht, Rechts geht nicht, Links geht gleich gar nicht. Und so wird es einfach geschehen, dass genau diese Menschen - und das sind 10 bis 20 oder noch mehr Prozent - einfach die AfD wählen, weil sie schlichtweg die Schnauze voll haben von unserem Staat und seiner Lügenpolitik. So siehts aus, liebe Freunde und liebe StZ, Sie dürfen das auch gerne drucken.

Herr Reichert,: ich lese von Ihnen immer, wer alles gegen die AFD hetzt. Wer wie die AFD polemisiert, muss mit Gegenwind rechnen. Das ist noch keine Hetze. Dass Sie ein überzeugter AFD-Wähler sind, ist Ihr gutes Recht. Nur sollten Sie mit Ihren Vermutungen u. Wahlprognosen ein bisschen vorsichtiger sein. Die kriegen max.10 Prozent, meiner Meinung nach. Ach übrigens, bevor ich es vergesse: auch ich habe die Schnauze voll, von den Parolen der AFD!

Syre redet auf AFD Veranstaltung: Ich darf den werten Lesern der StZ vielleicht ein Video empfehlen. Dies wurde ebenfalls auf angesprochener Veranstaltung gemacht und gibt die Rede eines syrischen Flüchtlings wieder der dort sprechen durfte. https://www.youtube.com/watch?v=bDlWd-0AWlQ

Höcke diffamiert nur zurück...: "Wie auf Veranstaltungen der AfD üblich diffamiert Björn Höcke zuerst die Presse..." Und die Presse diffamiert Höcke. Und was die Presse darf, darf Höcke auch. So ist das eben in einem Staat, in dem die freie Meinungsäusserung gilt. Aber damit hat "DIE PRESSE" immer öfter ein Problem.

Was die "Tonlage" betrifft: so unterscheidet sich Herr Höcke, wie immer man zu ihm stehen mag, nicht von anderen hiesigen Politikern.. Z.B. von FDPlern wie Westerwelle oder Lindner oder Rülke welche auch gräuslich polter(te)n - aber bei denen das nicht so negativ vermerkt wird. Bleiben wir doch bei den Inhalten...

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