Bauprojekt in Stuttgart Der umstrittenste Baumarkt der Stadt

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Am Montag eröffnet der neue Obi-Heimwerkermarkt am Westbahnhof. Das Bauvorhaben hatte in den vergangenen Jahren eine Flut von Beschwerden und Verdächtigungen ausgelöst.

Am Wochenende hatte der neue Obi am Westbahnhof schon für VIPs geöffnet. Am Montag öffnet der Markt dann wirklich seine Pforten. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko 7 Bilder
Am Wochenende hatte der neue Obi am Westbahnhof schon für VIPs geöffnet. Am Montag öffnet der Markt dann wirklich seine Pforten.Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Der Rücktritt des Baubürgermeisters wird gefordert. In Sozialen Netzwerken formiert sich Widerstand. Der Gemeinderat wird zu Sondersitzungen gerufen und ein inhabergeführtes Geschäft muss weichen. Das alles geschieht allein wegen eines neuen Obi-Baumarkts am Westbahnhof. Am Montag eröffnet nun der Heimwerkermarkt, der in den vergangenen Jahren so viel Ärger ausgelöst hat.

Einige Tage vor der offiziellen Eröffnung haben die Betreiber des neuen Marktes ihre Tore für ein sogenanntes VIP-Event geöffnet. Ein Mitarbeiter im Biber-Kostüm hüpft aufgeregt am Eingang herum, die Angestellten begrüßen jeden Ehrengast mit Applaus und einer Laola-Welle, laute Musik dröhnt aus den Boxen, überall hängen orangefarbene Luftballons.

Der Vermieter dankt dem ehemaligen Baubürgermeister

Nach einem tiefen Seufzer sagt Bernard Dov Widerker, einer der Chefs des Vermieters, der Widerker Unternehmensgruppe: „Ich bin sehr glücklich heute hier zu stehen.“ Schon vor zwölf Jahren habe er die Idee für einen zeitgemäßen Baumarkt am Westbahnhof gehabt, sagt er in seinem Grußwort. Doch der Weg bis zur Eröffnung sei nicht leicht gewesen, so Widerker. Danach dankt der Vermieter dem ehemaligen Baubürgermeister Matthias Hahn (SPD).

Ein Blick zurück: als die Stuttgarter Zeitung im Oktober 2013 die Nachricht von einer positiv beantworteten Voranfrage für den Bau des neuen Obi öffentlich macht, reagieren sämtliche Fraktionen im Gemeinderat empört. Von der CDU bis zur Linkspartei werden der Verwaltung und dem damaligen Baubürgermeister Hahn schwere Vorwürfe gemacht.

Der Rat hatte ein ähnliches Projekt des selben Investors auf dem Gelände bereits einige Jahre zuvor in einer Sondersitzung einstimmig abgelehnt. Doch im Herbst 2013 hat das Gremium keine Entscheidungsgewalt mehr in dieser Sache – die Zusage des Baurechtsamtes sei rechtlich bindend, so die Verwaltung. Hinter vorgehaltener Hand wird von Ratsmitgliedern über ein „Gefälligkeitsprojekt“ spekuliert.

Mit zweierlei Maß gemessen?

Besonders bitter ist die Entscheidung für die Betreiber von Stuttgarts ältestem Baumarkt. Der muss dem Neubau weichen. Damals steht dort der City Baumarkt mit einer Fläche von 1000 Quadratmetern und einer 120-jährigen Unternehmensgeschichte. Der neue Obi hat hingegen eine Fläche von rund 5000 Quadratmetern. Besonders pikant: die Betreiber des alten Marktes hatten bei der Stadt um die Erlaubnis gebeten, ihren Markt um einige Hundert Quadratmeter erweitern zu dürfen. Diese Anfrage wurde abgelehnt – die Genehmigung für den fünfmal größeren Neubau wurde später hingegen erteilt.

Um den Ärger zu besänftigen, hat die Verwaltung beschlossen, das Sortiment des Obi-Marktes einzugrenzen. Nur auf 165 Quadratmeter dürfen Produkte der ­sogenannten Stuttgarter Liste verkauft werden. Das ist in einem städtebaulichen Vertrag festgelegt. Darunter fallen etwa Haushaltswaren, Lampen, Gartenartikel, Blumen, Gardinen oder Bilderrahmen.

Christian Grether, bei Obi Regionalleiter für Süddeutschland, bekräftigt bei dem VIP-Event: „Wir haben das Sortiment an das angepasst, was mit der Stadt vereinbart wurde.“ Zudem freue man sich auf die ersten Kunden und glaube auch, mit knapp 100 Parkplätzen auskommen zu können, so der Regionalleiter. Zudem sei man auf das allein schon 1300 Quadratmeter große Garten-Paradis besonders stolz, sagt Grether.

Auf Anfrage erklärt der Sprecher der Stadt, Sven Matis: „Sollte es Anzeichen geben, dass der Betreiber sich nicht an den städtebaulichen Vertrag hält, wird das Planungsamt dies überprüfen.“ Gegebenenfalls müssten dann Produkte aus dem Sortiment genommen werden.