Umweltverband BUND Mobilitätsstudie stellt Statussymbol Auto in Frage

Von red/dpa/lsw 

Kein eigenes Auto? Was bei der Jugend immer populärer wird, ist laut einer Studie der einzige Weg zu umweltgerechter Mobilität. Bahnen und Sharingangebote müssen aber noch deutlich attraktiver werden.

Drei Szenarien sind in der Studie „Mobiles Baden-Württemberg“ vorgestellt worden. Foto: dpa
Drei Szenarien sind in der Studie „Mobiles Baden-Württemberg“ vorgestellt worden. Foto: dpa

Stuttgart - Naht der Abschied vom Statussymbol? Eine umweltverträgliche Mobilität der Zukunft kann nach Ansicht einer großen Studie nur mit weniger Autos gelingen. Braucht es das eigene Auto vor der Haustür? Wie oft nutzt man es tatsächlich? Kommt man mit Bussen und Bahnen nicht viel entspannter ans Ziel? Es brauche eine neue Mobilitätskultur, in der es Menschen leichter fällt, umzusteigen und auf den eigenen Wagen zu verzichten, sagte Brigitte Dahlbender, Landeschefin des Umweltverbandes BUND, der die Studie initiiert hat.

Drei Szenarien wurden in der Studie „Mobiles Baden-Württemberg“ mit Blick auf das Jahr 2050 erstellt. Unter dem Strich erhält nur das eine Szenario viele grüne Lichter, das auf einen attraktiven Nahverkehr mit Bussen und Bahnen inklusive Mitfahrzentralen und weit verbreiteten Angeboten an Bike- und Carsharing setzt. „Der Pkw-Besitz spielt nur noch eine geringe Rolle“, heißt es in diesem Szenario.

Solche Thesen haben es schwer in Baden-Württemberg

Die Klimaziele etwa ließen sich nur dann erreichen, wenn der Besitz eines eigenen Autos den Menschen nicht mehr so wichtig sei, verdeutlichte Wiebke Zimmer vom Öko-Institut, das mit verschiedenen Forschungsinstituten die Studie erarbeitet hat. „Mit einem „Weiter so“ der Verkehrspolitik verfehlen wir die Nachhaltigkeitsziele“, sagte Dahlbender. „Die neue Mobilitätskultur ist klimaschonend, gesundheitsverträglich, flächensparend zu gestalten.“

Dahlbender weiß natürlich, dass es solche Thesen im Autoland Baden-Württemberg schwer haben, schließlich hängt hier fast jeder sechste Arbeitsplatz (gut 220.000) an der Autoindustrie. Ganz bewusste sei die Studie daher auf eine breite Basis gestellt worden. Ohne die Unternehmen mitzunehmen könne der Transformationsprozess nicht gestaltet werden, hieß es. CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart betonte am Montag, Politik und Industrie müssten den Wandel „klug begleiten“ - vor allem um den drohenden Arbeitsplatzverlust aufzufangen.

Angebot an diversen Auto-Alternativen verbessern

Die Politik sei gefordert, sagte auch Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz. Welche Hausaufgaben zu machen seien, stehe mit der Studie fest. Ziel müsse es sein, Baden-Württemberg zum „Wegbereiter einer modernen und nachhaltigen Mobilität zumachen“. Neben Investitionen in die Schiene sowie in den Nahverkehr und in Radwege, müsse man die Autoindustrie auf ihrem Weg weg vom Verbrennungsmotor begleiten. IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger bezeichnete es als „richtigen Weg“, auf Elektrifizierung, neue Antriebstechnologien und autonomes Fahren zu setzen. Das sei „der richtige Weg für Wohlstand und viele gute Arbeitsplätze im Jahr 2030“.

Während CDU-Mann Reinhart aber Fahrverbote für schmutzigere Autos weit von sich wies, forderte Schwarz erneut die Blaue Plakette, mit der ältere Fahrzeuge aus den mit Luftschadstoffen stark belasteten Innenstädten verbannt werden können. Mit sowas könne die Politik auf Marktveränderungen drängen, die nötig sind. Ansonsten würden auch die Grünen darauf bauen, das Angebot an diversen Auto-Alternativen zu verbessern - damit die Menschen umsteigen.

Unterschiede bei Stadt und Land

Nach Ansicht des Berliner Mobilitätsforschers Andreas Knie wird das mittelfristig aber nur in den Metropolen gelingen können. „Auf dem Land sieht das ganz anders aus“, sagte der Professor des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB). Im „Siedlungsbrei“, wo das größte Glück ein Einfamilienhaus und ein eigenes Auto vor der Haustür sei, werde es unendlich schwer, die Menschen etwa aus Klimaschutzgründen zum Umstieg auf Busse und Bahnen zu bringen. Zumal das Angebot an Alternativen mit dem in der Stadt überhaupt nicht zu vergleichen ist.

In Millionenstädten wie München, Hamburg und Berlin hätten die Menschen längst damit begonnen, sich vom eigenen Auto zu lösen, sagte Knie. Befragungen hätten gezeigt, dass zwei Drittel der Menschen dort ihr Verkehrsmittel je nach Möglichkeit wechseln. Wo die Blechwellen am größten sind und wo die Städte versuchen, sich vom Autodunst zu befreien, wachse ein Angebot, das Lebensmodelle ohne Auto ermögliche.