Umweltzone in Stuttgart Noch mehr Feinstaub am Neckartor

Von Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt 

Exklusiv Deutschlands schmutzigste Kreuzung hat im vergangenen Jahr zugelegt. Der Grenzwert für Feinstaub wurde an mindestens 82 Tagen überschritten. Im Jahr 2012 waren die Werte an 78 Tagen zu hoch.

Am Neckartor ist die Luft 2013 noch dicker geworden. Foto: Martin Stollberg
Am Neckartor ist die Luft 2013 noch dicker geworden.Foto: Martin Stollberg

Stuttgart - Deutschlands schmutzigste Kreuzung ist im vergangenen Jahr noch dreckiger geworden. Bis zum 10. Dezember registrierten die Feinstaub-Messstation am Neckartor bereits 82 Tage mit überhöhten Werten. Im Jahr 2012 lagen die Feinstaubschwaden an 78 Tagen über dem gesetzlichen Limit von 50 Mikrogramm je Kubikmeter Luft.

„Es war absehbar, das wir die Größenordnung von 2012 leider auch 2013 erreichen oder gar überschreiten würden“, sagt Ulrich Reuter, der Leiter der Abteilung Klimatologie im Umweltamt. Allein von Ende November bis 10. Dezember seien acht Tage mit zu hohen Werten hinzugekommen. Als Hauptverursacher gelten die gut die 80 000 Fahrzeuge, die täglich dort verkehren. Da bis Weihnachten im Innenstadtkessel dichter Einkaufsverkehr geherrscht hat, geht der Fachmann auch noch davon aus, dass bis Ende 2013 noch ein paar Überschreitungstage hinzugekommen sein dürften. „Die Jahresbilanz lautet 82 plus X“, so Reuter. Wobei das X drei bis vier zusätzliche Tage bedeuten könne. Der Endwert liege aber erst in einigen Wochen vor.

Immerhin gibt es ein kleines Trostpflaster beim Stichwort Stickoxide. In der  Hohenheimer Straße ging die Belastung dank Tempo 40 mit angepassten Ampelschaltungen deutlich zurück: von 196 überhöhten Werten im Jahr 2012 auf 21 im Jahr 2013. Dank der dynamischen Grüne-Welle-Anzeige und der beiden Blitzer in der Cannstatter Straße verringerten sich auch am Neckartor die Stickoxidschwaden leicht von 69 kritischen Stundenwerten (2012) auf 63. Erlaubt sind allerdings im Jahr nur 18 über dem Limit von 200 Mikrogramm je Kubikmeter Luft liegende Konzentrationen.

Für Reuter gibt es beim Stickoxid aber den keine Entwarnung: „Denn mit gut 80 Mikrogramm liegt der Jahresmittelwert für Stickoxide in Stuttgart immer noch um das Doppelte über dem Limit.“ Künftig soll deshalb nicht nur in der Hohenheimer Straße, sondern auch an weiteren Steigungsstrecken in der Landeshauptstadt Tempo 40 gelten.

Verkehr um 50 Prozent verringern

Beim Feinstab glaubt der Klimatologe aber nicht dran, dass die Konzentrationen abnehmen, weil der neue Cityring künftig über die Wolframstraße und B 14 führe. Das bedeute noch mehr Verkehr am Neckartor. Da inzwischen noch Fahrzeuge mit grüner Plakette in der Umweltzone Stuttgart fahren dürften, seien die gesundheitsschädlichen Rußpartikel aber nur durch deutlich weniger Fahrzeuge spürbar zu verringern.

Das bestätigt die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) in Karlsruhe. „Um in die Nähe des Feinstaubgrenzwerts zu kommen, müsste der Verkehr am Neckartor um 50 Prozent reduziert werden“, sagt Wilfried Weiß, Leiter des Referats Luftqualität. Es gelte aber auch, Holzfeuerungen zu verbieten und eine Nachrüstpflicht mit Rußfiltern für Baumaschinen einzuführen.

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8 KommentareKommentar schreiben

Feinstaub: Betrifft: Noch mehr Feinstaub am Neckartor, Schulz-Braunschmidt, 18.1.2014 Vergiften – aber bitte nur in kleinen Dosen! Es ist ein Skandal, dass die Feinstaubwerte am Neckartor im Jahr 2013 zu- statt abgenommen haben. Feinstaub wird in Stuttgart immer noch nicht als ernsthaftes Gesundheitsproblem ernst genommen. Die WHO hat die Luftverschmutzung als eine der wichtigsten Ursachen für Krebs-Todesfälle eingestuft. Nach Umweltkommissar Dimas ist der Feinstaub in der EU für den Tod von 70 000 Menschen jährlich verantwortlich. Die WHO warnt, dass die Luftverschmutzung die Lebenserwartung um acht Monate verkürzt – und um mehr als zwei Jahr in den am stärksten verschmutzten Städten, in Nordchina sogar um 5 Jahre. Das Problem ist, das der Mensch Feinstaub wie Radioaktivität nicht wahrnehmen kann. Er nimmt es auch nicht gleich wahr wenn man seinem Körper minimale Dosen an Arsen oder Quecksilber injiziert. Erst mit der Zeit entfaltet das Gift seine Wirkung. Die Stadt hat unter OB Schuster nur teuren Aktionismus gezeigt, der aber nutzlos war, z. B. viel Geld für einen Feinstaubkleber, der leider den Feinstaub nicht aus der Luft an den Boden geklebt hat und eine teure Feinstaubkehrmaschine, die alles außer dem Feinstaub weggekehrt hat. Für jeden mit der Problemlage vertrauten Fachmann ist klar, dass es nur zwei Lösungen gibt: 1) man verändert den Antrieb, weg vom Benzin, hin zu Wasserstoff, Gas oder elektrischem Strom 2) man reduziert die tag-tägliche Zahl von 90 000 Autofahrern am Neckartor OB Kuhn sagt, dass es keine Abhilfe von Mittwoch auf Donnerstag geben kann. Das ist richtig. Es sei aber daran erinnert, dass das Feinstauburteil schon unter seinem Vorgänger Schuster im Jahr 2005 ergangen ist. Ist es eigentlich in einem Rechtsstaat möglich, dass eine Stadt jahrelang bei Verstoß gegen ein Urteil ohne Folgen ihre Bevölkerung schleichend vergiften darf? Wozu brauchen wir dann eigentlich Gerichte? Manfred Niess Feinstaubkläger

wer für dieselbe Strecke: die Geschwindigkeit halbiert, verdoppelt doch die FahrtZEIT, oder sehe ich das falsch, dass dadurch alles beim alten bleibt?

wer stadtautobahnen baut- erntet feinstaub.: die b14, b10, heilbronner strasse, theodor-heuss-strasse, etc. sind beste beispiele. die stuttgarter verkehrsplanung hat es nicht geschafft, sinnvoll den verkehr um den talkessel zu lenken und somit auch den talkessel als einzigartige naturnahe stadt aufzuwerten. stattdessen wurden einfallsschneisen geschaffen, die den verkehr bis ins unerträgliche anziehen. das neckartor ist nur einer von vielen problemstellen in stuttgart. viele städte haben erkannt, dass viel verkehr auch erhebliche einbussen in der lebensqualität mit sich bringt. daher werden dort, wie in münchen der mittlere ring, in den untergrund verbannt und dadurch stadtteile aufgewertet. stuttgart geht einen weg der mittelklasse und der lethargie, in dem man erhofft, durch ein paar LED-anzeigen den feinstaub zu reduzieren. pure naivität und eine alibi-aktion, wie viele. nur der rückbau der strassen und die drastische reduzierung des individualverkehrs sowie der ausbau eines hochvernetzten öpnvs kann weniger feinstaub und mehr lebensqualität in stuttgart bringen. diese schritte sind seit jahrzehnten überfällig. stuttgart muss sich daher von dem ansatz der autogerechten stadt verabschieden und sich wieder mehr auf lebens- und aufenthaltsqualität fokussieren. das bedingt auch dann automatisch die reduzierung des feinstaubes als folge mit sich.

Weniger Bäume, mehr Feinstaub: Die Verantwortlichen sind gerade dabei, die Situation weiter zu verschärfen. Nachdem der Mittlere Schlossgarten zerstört wurde, sollen jetzt ab nächstem Montag laut offizieller Information der Stadt Stuttgart folgende Bäume gefällt werden: 157 Bäume mit einen Stammumfang größer als 80 cm und 224 Bäume mit einem Stammumfang unter 80 cm in den vier Bereichen Pragstraße, Neckartalstraße, Wilhelma/Hangfuß und Leuze. Das für den B10-Rosensteintunnels der dann noch mehr Autoverkehr in die Innenstadt lenken wird.

Am Ziel vorbei: Das Thema ist der Transitverkehr. Hier hat jede Regierung in Stgt versagt. Keine zweispurige Verbindung aus dem Remstal an die A81, Stau an den Neckarübergängen (in jede Richtung).vernetzter ÖPNV, der nicht erst immer über den Hauptbahnhof muß. Hier müssen Lösungen her und nicht Tempo 30 überall, oder Fahrradwege an der Nürnberger Strasse, die keiner nutzt.

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