ExklusivZentrale in Stuttgart Neue Allianz-City in Vaihingen geplant

Von Jörg Nauke 

Die Allianz gibt zwei Standorte in der Innenstadt auf und baut neu auf seinem Sportgelände in Vaihingen. Beim dort beheimateten Sportverein ist man ebenso überrascht wie im Bezirksrathaus.

Die Hauptverwaltung in der Reinsburgstraße entspricht längst nicht mehr den Vorstellungen der Allianzführung. Eine Sanierung wurde verworfen. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Die Hauptverwaltung in der Reinsburgstraße entspricht längst nicht mehr den Vorstellungen der Allianzführung. Eine Sanierung wurde verworfen.Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Der Versicherer Allianz Deutschland AG will seine Hauptverwaltung mit 4000 Beschäftigten aus der Innenstadt auf die Filder verlegen. Für die Allianz-City im Vaihinger Gewerbegebiet werden die angemieteten Standorte an der Reinsburgstraße – dort befindet sich eine von zwei Hauptverwaltungen der Allianz Deutschland und die Lebensversicherung – sowie an der Uhlandstraße (Schadensregulierung, Kundenbetreuung) aufgegeben. Eine Sanierung wurde verworfen.

Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) sowie eine Allianzsprecherin haben den Plan auf StZ-Anfrage bestätigt. Seit Jahresende sei man auf der Suche nach einem geeigneten Standort gewesen, erst dieser Tage habe sich die Rathausspitze mit dem Unternehmen auf Vaihingen verständigt, so Pätzold. In vier Jahren sollen die Gebäude fertig sein. Ende März werde die Verwaltung das Projekt im Technischen Ausschuss vorstellen und beantragen, den Bebauungsplan und den Flächennutzungsplan zu ändern.

Das Unternehmen will dem Gemeinderat nicht vorgreifen

Die Allianz bestätigte „Vorgespräche mit der Stadtspitze über einen zentralen Neubau in Vaihingen“. Man befinde sich in einem sehr frühen Stadium, wolle dem Gemeinderat nicht vorgreifen, würde es aber begrüßen, wenn es grünes Licht gebe. Der Umzug sei die beste Lösung für die Belegschaft. Stuttgart sei ein wichtiger Standort und solle es bleiben. Die Unternehmenssprecherin bestätigte zudem StZ-Informationen, wonach die Zentrale auf dem vom Sportverein TSV Georgii Allianz genutzten Gelände erstellt werden soll, das sich im Eigentum des Unternehmens befindet. Es ist rund 45 000 Quadratmeter groß.

Vaihingens Bezirksvorsteher Wolfgang Meinhardt hat sich davon überrascht gezeigt: „Davon höre ich zum ersten Mal.“ Auch Klaus Müller, Vorsitzender des 1100 Mitglieder starken Sportvereins, auf dessen Fußball-, Tennisplätzen und Beachvolleyballfeldern die neue Allianz-City entstehen wird, war von der Nachricht so beeindruckt, dass er über die Zukunft des Klubs keine Aussage machen konnte. Das Unternehmen erklärte, der „Betriebssport“ bleibe erhalten, derzeit arbeite man an einem Konzept, „um das Sportangebot für die Mitarbeiter nach einer möglichen Umwidmung des Sportplatzes sogar noch auszubauen“. Allerdings ist nur noch eine überschaubare Zahl von Vereinsmitgliedern beim Versicherer angestellt.

Die Stadt will die Allianz unbedingt halten

Bürgermeister Pätzold sagt, das Unternehmen plane mit 100 000 Quadratmeter Bürogeschossfläche, das sind 14 000 weniger als etwa die der Neubau der EnBW-City im Gewerbegebiet Fasanenhof-Ost umfasst; allerdings soll eine dreiteilige Sporthalle integriert werden. Die neue Zentrale von Ernst & Young am Flughafen hat 57 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Sie befindet sich jenseits der Stadtgrenze; einen weiteren Aderlass habe die Stadt unbedingt verhindern wollen, sagt Pätzold. Die Allianz AG gehört trotz der Bildung einer Organschaft, wodurch sich die Gewerbesteuerzahlungen an die Stadt reduziert haben, weiter zu den Unternehmen, die die kommunale Einnahmeseite maßgeblich positiv beeinflussen.

Verwaltung und Unternehmen hatten weitere Standorte auf Tauglichkeit überprüft. Dazu soll das Nordbahnhofgebiet gezählt haben, bekanntlich muss wegen des Veranstaltungsbetriebs in den Wagenhallen ein Gebäuderiegel die Wohnbebauung im Rosensteinviertel vor nächtlichem Lärm schützen. Diese Fläche sei, so Pätzold, aber ebenso zu gering dimensioniert sein wie das Aurelis-Gelände am Vaihinger Bahnhof. Im Fokus ist das lang gezogene Areal entlang der Gleise dennoch: Es befindet sich in fußläufiger Entfernung zur Allianz-City, die gut an den Nahverkehr angebunden sein wird. OB Fritz Kuhn (Grüne) hat die Versicherer an den zu erwartenden Planungsgewinn erinnert und gebeten, über einen Kauf nachzudenken. Die Fläche soll zum Park werden. Die Allianz teilte mit: „Diese Idee finden wir gut.“

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10 KommentareKommentar schreiben

Allianz: Es ist wirklich absurd. Hier knicken ein grüner Bürgermeister und sein OB vor einem Konzern, während ein Kleinunternehmer wie die Squash-Insel kämpfen muss. Für Vaihingen ist damit keine Rede mehr von Frischluftschneise. Stattdessen eine riesige bebaute Fläche und noch mehr Verkehr. Statt Bürgerbeteiligung gibt es BASTA - Politik in Stuttgart.

Allianz-City: Kurios ist, dass die Grünen jahrelang den Neubau einer Squaschanlage, keine 50 m von dem geplanten Neubau der Allianz entfernt, mit dem Argument abgelehnt hat, dass eine Frischluftschneise für die Innenstadt benötigt würde. Warum nun ein wesentlich grösseres Gebäude wenige Meter entfernt die Frischluftzufuhr nach Stuttgart nicht behindern sollte, dürfte ein Geheimnis der Grünen bleiben. Der Autoverkehr in Vaihingen/Möhringen ist heute schon am Randes des Kollaps. Dauerstau ist leider Realität, Vaihingen/Möhringen wird leider nur allzu oft als Ausweichstrecke für die zu volle Autobahn genutzt, so dass unklar ist, wie man mit noch mehr Autos umgehen kann. Vielleicht will man ja auch nur den Feinstaub aus der City nach Vaihingen verlagern. 4000 Arbeitsplätze bedeuten sicher 2000 mehr Autos. Aber der grüne Verkehrsminister weiss bestimmt schon eine Antwort darauf.

Was für ein albernes Gegreine hier...: @Axel Hess: Die Alli-Mitarbeiter, die evtl. zukünftig nach Vaihingen kommen, fahren bislang in die Innenstadt. Klar wird das zu etwas mehr Verkehr führen - aber Vaihingen ist hervorragend ans S- und Stadtbahnnetz angebunden; zumindest Mitarbeiter von außerhalb dürften es als angenehmer empfinden, nach Vaihingen als in die Innenstadt zu fahren. Doof ist's natürlich für die, die östlich von Schuttgart wohnen - die müssen um die Stadt rum oder komplett durch. @Christian Wagner: "dafür macht es einen Ruck nach unten in der Stadtkasse" === Wieso - gehört Vaihingen nicht zu Schuttgart?

Verkehrschaos droht: Schon heute sind die Zufahrten im Gewerbegebiet in Vaihingen morgens und abends völlig überlastet. Wenn jetzt noch 4000 Allianz Mitarbeiter hinzukommen ist der totale Infarkt zu befürchten. Einige Angestellte werden sicherlich die S-Bahn nutzen. Versicherer haben aber auch einen großen Stall an Außendienstmitarbeitern und anderen Mitarbeitern, die Firmenfahrzeuge nutzen. Entsprechend wird das Verkehrsaufkommen zunehmen. Ohne Investitionen in die ohnehin seit Jahren rückständige Infrastruktur in Form von neuen Zu- und Abfahrten ist das Chaos vorprogrammiert.

Tja,: Man will ja die mit dem Doppelkennzeichen nicht. Die Feinstaubproblematik wird nur unwesentlich abnehmen, dafür macht es einen Ruck nach unten in der Stadtkasse. Aber so war da ja gewollt.

Lesen hilft: ", dafür macht es einen Ruck nach unten in der Stadtkasse. Aber so war da ja gewollt."----- Wieder einer, der kommentiert, ohne den Artikel gelesen zu haben, bravo! Oder ist Ihnen nicht bekannt, dass Vaihingen ein Stadtteil von Stuttgart ist?

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