Unerwünschte Geschenke Bloß keine Socken!

Katharina Sorg und Jan Georg Plavec, 06.12.2012 11:03 Uhr

Stuttgart - Geschenkt wird das ganze Jahr: an Geburtstagen, zum netten Abend bei Freunden oder einfach so. Aus der schier unendlichen Warenwelt stechen dabei einige Klassiker hervor: Der eine mag sie, der andere nicht. In intensiver Diskussion hat das StZ-Gesellschaftsressort zum Nikolaustag sieben Geschenke identifiziert, die eigentlich nie so richtig passen.

Weihnachtstee Frischer Minztee, Ingwertee, ein Darjeeling Second Flush mit Milch: gegen Tee ist im Grunde nichts einzuwenden. Doch zu Weihnachten muss er offenbar besonders künstlich riechen und besonders süß, besonders gut sein hingegen nicht. Der Weihnachtstee ist der Duftbaum unter den Früchtetees. Damit man ihn auch ganz sicher erkennt, muss er immer rot verpackt sein. Das rote Päckchen leuchtet einem dann auch noch im Sommer aus der Schublade entgegen, denn Weihnachtstee geht nie aus. Wollte man ihn also wirklich, man hätte ihn von letztem Jahr sowieso noch im Schrank.

Weihnachtsstern Ein Weihnachtsstern geht immer, oder? Und warum nicht gleich drei oder mehr von ihnen verschenken. Gerne auch in klein mit leichtem Gold- oder Silberglitzer vom Supermarkt. Ganz edle Sache. Was an einem Weihnachtsstern außer dem Namen besonders weihnachtlich ist? Keine Ahnung. Gut, er ist rot. Und er blüht nur im Advent. Aber Topfpflanzen sind ja generell ein eher schwieriges Geschenk, denn für einen ungebetenen Gast bleiben sie ziemlich lange. Im Falle des Weihnachtsterns auch mal gut zwei Monate.

Kerze Mal ehrlich, Kerzenlicht ist eigentlich schön, und es passt ganz wunderbar zur Adventszeit. Und man muss davon ausgehen, dass einem mit einem Geschenk niemand etwas Böses will. Sicher kann man sich in diesem Fall allerdings nicht sein. Denn knallbunte Kerzen sind bei Licht besehen ein Angriff. Sie passen farblich nirgends dazu. „Ah danke, die stelle ich mal . . . in den Keller.“ Wenig tröstlich ist dabei, dass zwei bunte Kerzen ja irgendwie wieder zusammenpassen. Und von wegen stimmungsvoll: Als hätte bei einem Candle-Light-Dinner schon mal eine Honig- oder Regenbogenkerze auf dem Tisch gestanden. Um sie auf regulärem Wege zu vernichten, müsste sie allerdings mindestens zwei Wochen am Stück brennen. Da hilft nur eines: Wanderpokal weiterschenken!

Geschenkset Man kennt das: die liebe Tante feiert Geburtstag. Sie packt so gern Geschenke aus. Aber sie hat schon alles. Man könnte sich jetzt ein paar Gedanken machen, was man stattdessen zur Feier mitbringt. Weil man aber den ganzen Tag so viel denken und schon in einer halben Stunde losfahren muss, greift man im Drogeriemarkt zu dem vorgefertigten Geschenkset. Da ist alles drin: Eau de Toilette, Body Lotion, Duschgel, sonstige gut riechende Essenzen. Und eine Schleife ist auch noch drum. Etwas Besseres fällt einem nicht ein, man wahrt die Form, und dank der großzügigen Verpackung macht das Geschenk auch etwas her. Weil man all diese Gedanken kennt; weil man selbst schon Geschenksets verschenkt hat; weil man sich beim Überreichen schlecht gefühlt hat – aus all diesen Gründen bleibt ein irgendwie schales Gefühl, wenn man selbst einen Korb mit Kosmetik- oder Fressalien-Allerlei in der Hand hat und dem Schenkenden artig lächelnd „Danke“ sagt.

Socken Stricken ist wieder in Mode. Unter Jüngeren. Unter älteren Semestern war es eh nie aus der Mode gekommen. Das Mädchen hat so oft kalte Füße. Jedenfalls gibt es viele Gründe, Socken zu verschenken. Man kann zwei Gruppen unterscheiden: Die einen schenken die Fußbekleidung im Dreier-, Fünfer- oder Zehnerpack; solche Leute schrecken auch nicht vor weißen Frotteesocken zurück. Macht aber auch meistens nichts, denn so etwas kriegt man meistens vom Partner oder von der Mutter überreicht. Dabei handelt es sich nur selten um Geschenke im eigentlichen Sinn; schließlich gibt es Männer, die schwören, dass sie sich noch nie Socken selbst gekauft haben. Die zweite Gruppe der Socken-Schenker überreicht für gewöhnlich knäuelähnliche Strickwaren. Gemustert oder nicht: diese Art von Sockengeschenk soll jetzt in den kalten Tagen warm halten. Blöd nur, dass man a) in den vergangenen Jahren schon fünf Paar davon geschenkt bekommen hat und b) bisher auch ohne solches Strickwerk durch den Winter gekommen ist.

Billigschokolade Derzeit haben sehr viele Menschen Weihnachtskalender übrig. Entweder, weil sie selbst von mehreren Menschen welche geschenkt bekommen haben. Oder weil sie sich selbst einen gekauft haben und jetzt fürchten, dass Mineralöl drinstecken könnte. Es gibt sicher noch weitere Beweggründe, (meist günstige) Schokolade zu verschenken – in vielen Fällen haben sie damit zu tun, dass man das Zeug selbst nicht essen will und es deshalb weiterverschenkt. Das mag ein alter Reflex sein aus Zeiten, in denen der oder die Beschenkte noch ein Kind war – Milka geht immer, und selbst die Schokolade vom Discounter schmeckt dem Kleinen, wenn sie nur süß genug ist. Der Geschmack verändert sich aber, manch einer mag mit fortgeschrittener Genussfähigkeit lieber Zartbitter, Geschmacksrichtungen wie Kaschmir-Chili oder spezialisiert sich auf Grand Crus aus Ecuador. Jedenfalls ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass weiterverschenkte oder in Unkenntnis des Geschmacks des Beschenkten gekaufte Schokolade beim Empfänger nicht „Futter für die Seele“ ist, sondern bloß Ware, die erneut weiterverschenkt wird. Falls nicht glücklicherweise die Kollegen im Büro gerne zugreifen, endet dieser Teufelskreis erst in der Weihnachtssaison des Folgejahres – wenn man das Zeug im Schrank entdeckt und es einfach wegwirft. Es ist nicht schade drum.

Badesalz „Gönn dir doch mal wieder ein Vollbad!“, sagen die lieben Freunde und überreichen ein Badesalz, Geschmacksrichtung wahlweise „Vanille“, „Schokotraum“ oder „Kokos“. Dass das Zeug ganz schrecklich riecht, man gar keine oder eine viel zu kleine Badewanne hat, ist im wahrsten Sinne des Wortes dazugeschenkt. Das Badesalz ist der Klassiker der uninspirierten Geschenke, es steht für ein Zerrbild von Freundschaft: Ich will dir schon was Schönes schenken, aber es darf nicht zu viel kosten. Auch wenn man so etwas über fast jedes Geschenk sagen könnte: Sein Badesalz möge sich bitteschön jeder selbst kaufen.