Unfall am Klinikum Stuttgart Rotorblatt verletzt Klinikmitarbeiter tödlich am Kopf

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Auf dem Dach des Katharinenhospitals ist am Donnerstag ein 53-jähriger Mann ums Leben gekommen. Er ging zu einem Hubschrauber, dessen Rotoren sich noch drehten und wurde tödlich am Kopf verletzt.

Am Donnerstag hat das Rotorblatt eines Helikopters auf dem Dach des Katharinenhospitals einen Klinikmitarbeiter tödlich am Kopf getroffen. Foto: 7aktuell.de/Eyb
Am Donnerstag hat das Rotorblatt eines Helikopters auf dem Dach des Katharinenhospitals einen Klinikmitarbeiter tödlich am Kopf getroffen.Foto: 7aktuell.de/Eyb

Stuttgart - Auf dem Dach des Katharinenhospitals ist am Donnerstag ein tödlicher Arbeitsunfall geschehen. Ein Mann wurde vom Rotorblatt eines Hubschraubers getroffen. Der 53-jährige Mitarbeiter des Klinikums Stuttgart erlitt dabei so schwere Kopfverletzungen, dass er nicht gerettet werden konnte, teilte die Polizei mit. Der Hubschrauber der DRF Luftrettung war gegen 9.45 Uhr auf dem Klinikdach gelandet. Er sollte einen Patienten in ein anderes Krankenhaus bringen.

Die Mitarbeiter der DRF Luftrettung sind fassungslos: „Wir fliegen seit mehr als 40 Jahren, haben 700 000 Einsätze hinter uns, aber das haben wir noch nicht erlebt“, sagt Petra Hentschel, die Sprecherin der Organisation. „Wir starten, um Leben zu retten. Dass bei einem Routineeinsatz so etwas geschehen kann, ist einfach schrecklich“, fügt sie hinzu. Die Hubschrauberbesatzung habe der Unfall schwer mitgenommen, sie müssen nun psychologisch betreut werden. „Unsere Kollegen sind sofort ausgestiegen und haben medizinische Hilfe geleistet. Aber die Verletzungen waren so schwer, dass sie nichts mehr tun konnten.“ Auch im Klinikum herrschte Betroffenheit und Trauer über den Unfalltod des Kollegen: „Unser Mitgefühl und unsere Anteilnahme gehört den Angehörigen“, so der Geschäftsführer Ralf Michael Schmitz.

Erst, wen die Rotoren stillstehen, ist es sicher

Die DRF Luftrettung gibt als Sicherheitsleitlinie an, sich grundsätzlich einem Hubschrauber nicht zu nähern, solange sich die Rotorblätter drehen. „Wenn wir jemanden mit auf unser Gelände nehmen, dann sagen wir, dass man warten soll, bis die Rotoren stehen, die Besatzung aussteigt und ein Zeichen gibt, dass man zum Hubschrauber kommen kann“, sagt Hentschel.

Im Falle des Landeplatzes auf dem Dach des Katharinenhospitals muss der Hausherr die Bestimmungen erlassen. Der Landeplatz, der vom Regierungspräsidium genehmigt ist, ist luftfahrtrechtlich ein Flugplatz, weswegen eine Flugplatzbetriebsordnung notwendig ist. „Alle Mitarbeiter, die dort etwas zu tun haben, werden geschult und bekommen eine genaue Einweisung. Wir haben da ein klares Prozedere“, sagt Ulrike Fischer, die Sprecherin des Klinikums. Diese Schulung habe auch der Kolleg, der im Patientenbegleitdienst tätig war, erhalten, der bei dem Unfall ums Leben kam, bestätigte Fischer. Warum er zu dem Hubschrauber ging, ist nicht geklärt. Die Kriminalpolizei und ein Mitarbeiter der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) sind mit dem Fall befasst. Der Hubschrauber stand am Abend noch auf dem Krankenhausdach. Das Heckgetriebe und der Heckrotor mussten ausgetauscht werden. Wann er wieder starten sollte, stand bei Redaktionsschluss nicht fest.

In einer Aufstellung der BFU von Unfällen seit 1998, bei denen es zu Verletzungen durch Hubschrauberrotoren oder Flugzeugpropeller kam, findet sich kein vergleichbarer Fall. Bei einer Flugschau in der Gemeinde Alpen (Nordrhein-Westfalen) wurde ein Mann im Jahr 2012 verletzt, weil er beim Einsteigen in einen Hubschrauber den Zuschauern winkte und dabei mit der Hand in den Hauptrotor kam. In Sulz am Neckar (Kreis Rottweil) geriet im August 2014 ein Fluggast beim Aussteigen in den Propeller eines Ultraleichtflugzeugs.