Uniklinikum Heidelberg Schwierige Suche nach Pflege-Personal

Von Johanna Eberhardt 

Am Uniklinikum Heidelberg wird es schwerer, Mitarbeiter und Nachwuchskräfte für die anspruchsvolle Pflege zu finden. Dass Stellen nahtlos wieder besetzt werden können, wird immer seltener.

Die Intensivpflege ist fordernd und mitunter emotional belastend – auch deshalb hören viele Mitarbeiter auf. Foto: dpa
Die Intensivpflege ist fordernd und mitunter emotional belastend – auch deshalb hören viele Mitarbeiter auf.Foto: dpa

Heidelberg - Die Universitätsmedizin in Heidelberg genießt nicht nur in Baden-Württemberg, sondern über die Landesgrenzen hinaus einen guten Ruf. Das Klinikum der Hochschule ist fachlich und wirtschaftlich gleichermaßen erfolgreich. In einem seiner vielen Rankings hat das Magazin „Focus“ das Klinikum gerade auf den zweiten Platz der bundesweit „besten Arbeitgeber“ im Branchenvergleich der Gesundheits- und Sozialanbieter gesetzt; nur eine Serviceeinrichtung für Familien in Berlin hat noch besser abgeschnitten.

Doch trotz allen Renommees plagen die Verantwortlichen auch in Heidelberg Sorgen wegen der nötigen Mitarbeiter – insbesondere in der immer aufwendigeren Pflege der Patienten. Zwar sei man hier noch in einer vergleichsweise „komfortablen Situation“, hatte Edgar Reisch, der Pflegedirektor des Hauses, vor Kurzem beim Neujahrsempfang des Klinikums erklärt.

Die angespannte Lage zeigt sich in der Intensivmedizin

Aber auch in Heidelberg werde es zunehmend schwieriger, für die Pflege adäquates Personal zu finden. „Früher konnten wir immer alle Plätze nahtlos wieder besetzen, wenn jemand ausgeschieden ist. Heute merkt man schon: es dauert“, erklärte er auf Nachfrage gegenüber der Stuttgarter Zeitung. „Es wird schwieriger auf dem Markt. Mit dieser Frage müssen wir uns in den nächsten Jahren in den Krankenhäusern auseinandersetzen.“

Vor allem im Bereich der Intensivmedizin mit ihren hohen Ansprüchen macht sich nach Angaben von Reisch die angespannte Lage schon jetzt bemerkbar. „Noch vor einem oder zwei Jahren hatten wir hier mehr Bewerbungen als Stellen“, sagt er, auch bei den Auszubildenden gehe das Interesse zurück. „Heute können wir zwar noch alle Plätze besetzen, aber es ist nicht mehr leicht, und ich frage mich: Was kommt da noch auf uns zu?“, gesteht er.

Das Heidelberger Klinikum hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend auf die sogenannte Höchstleistungsmedizin mit sehr schwierigen und sehr gut bezahlten großen Eingriffen konzentriert. Knapp 700 der 2415 Vollzeitstellen in der Pflege entfallen daher inzwischen auf den hochqualifizierten OP-, den Intensiv- und den Überwachungsbereich.

Pflegedirektor: Mitarbeiter bestimmen das Limit der Leistung

„Doch einfache Pflegetätigkeiten gibt es auch auf einer Normalstation des Klinikums längst nicht mehr“, schildert Reisch. Für die Mitarbeiter bedeute dies auf der einen Seite ein sehr interessantes Aufgabenspektrum, auf der anderen Seite aber auch eine hohe Belastung: „Man ist ständig mit Schwerstkranken konfrontiert, mit dem zunehmendem Alter von Patienten und dem Tod. Das sind sehr emotionale Themen, auch deshalb gehen manche dort wieder raus“, erklärt er. Zugleich ist für den Pflegedirektor klar, dass letztlich die Qualität und die Zahl der Mitarbeiter „das Limit der Leistung bestimmt“. Er sagt: „Es wäre schlimm, wenn wir sie nicht mehr erbringen könnten.“

Ende des vorigen Jahres haben sich die Verantwortlichen in Heidelberg erstmals bei einer Klausurtagung mit dem Thema befasst; demnächst will die Pflegeleitung erneut im Kollegenkreis darüber beraten, wie man künftig stärker neue Kräfte rekrutieren und die Beschäftigten langfristig halten kann. „Es ist ganz wichtig, dass wir bewusstmachen, dass das ein Thema für die Zukunft ist. Wir müssen das aktiv betreiben, um die Pflegleistung der Zukunft stabil aufzustellen“, erläutert Reisch.

Sozialberufe konkurrieren mit Handwerk und Hochschulen

Auf den „Zeitgeist“ kann er dabei nicht hoffen. Es sei, meint er, im Gegensatz zu den 1970er Jahren, heute nicht mehr besonders „in“, einen Sozialberuf zu ergreifen. Die Mehrzahl der Frauen, die – in Heidelberg mit 82 Prozent – nach wie vor das Gros der Pflegekräfte stellen, möchte heute lieber studieren.

„Das heißt für uns: wir konkurrieren auf dem Nachwuchsmarkt weniger mit anderen Krankenhäusern als mit dem Handwerk, der Industrie und den Hochschulen“, erklärt Reisch. Punkten kann er dabei schon heute mit umfangreichen Möglichkeiten der Kinderbetreuung, mit Wohnheimen für Auszubildende und vielfältigen Fortbildungsangeboten.

Woran es vielen Pflegekräften offenbar fehlt, ist die nötige Wertschätzung für ihre Arbeit. Das hat eine Befragung im vergangenen Jahr gezeigt. „Daran müssen wir arbeiten“, gesteht Reisch.