Unruhen in Nahost Israel beginnt mit dem Abzug aus Gaza

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Israel hat am Sonntag größere Teile seiner Bodentruppen im nördlichen Gazastreifen an die Grenze zurückverlegt. Premier Netanjahu erklärt, dass die Offensive aber weiter geführt wird.

Palästinenser identifizieren in einem Krankenhaus die Leichen von Familienangehörigen nach einem israelischen Angriff. Foto: AP
Palästinenser identifizieren in einem Krankenhaus die Leichen von Familienangehörigen nach einem israelischen Angriff.Foto: AP

Stuttgart - Israel hat am Sonntag größere Teile seiner Bodentruppen im nördlichen Gazastreifen an die Grenze zurückverlegt. Bereits in der Nacht hatte die Armee den vermissten Offizier Hadar Goldin für tot erklärt, womit sich der Druck, noch tiefer in den Gazastreifen vorzustoßen, erheblich verminderte. Der junge Soldat wurde wohl zusammen mit zwei Kameraden von einem Selbstmordattentäter in den Tod gerissen. Unterdessen blieb vor allem Rafah, die Stadt am Südzipfel Gazas, unter Beschuss. Dort geriet erneut eine UN-Schule unter Feuer, in der 3000 palästinensische Zivilisten Unterschlupf gesucht hatten. Zehn Menschen starben, mehr als dreißig wurden verletzt. Derweil bombardierte die israelische Luftwaffe am Sonntag weiter Ziele in Gaza. Die Palästinenser zählten 75 Tote binnen 24 Stunden.

Die Offensive werde mit voller Kraft fortgesetzt, bis sichergestellt sei, dass die israelische Bevölkerung für lange Zeit in Ruhe leben könne, erklärte Premier Benjamin Netanjahu in einer Fernsehansprache in Tel Aviv. Die Streitkräfte würden ihren Einsatz nicht eher beenden, bevor das Tunnelnetzwerk der Hamas zerschlagen sei. Nach Darstellung der Militärs ist dies bereits zu neunzig Prozent geschehen. Die übrigen Schachtanlagen ließen sich binnen weniger Tagen sprengen.

Absage zum Waffenstillstand

Nicht allein wegen dieser Erfolgsbilanz erteilte das Sicherheitskabinett weiteren Verhandlungsversuchen über einen Waffenstillstand eine Absage. Da die Hamas mehrfach vereinbarte Feuerpausen gebrochen habe, mache es keinen Sinn, eine Delegation nach Kairo zu schicken, wo nach Vorschlägen der USA und der UN am Wochenende eigentlich Gespräche zwischen beiden Kriegsparteien unter ägyptischer Vermittlung beginnen sollten. Das israelische Sicherheitskabinett beschloss stattdessen, auf militärische Abschreckung zu setzen, um über die Formel „Ruhe gegen Ruhe“ eine Befriedung zu erzwingen. Im Einklang mit diesem Konzept könnten aber Bodensoldaten zurückgezogen werden, soweit sie ihre Aufgabe erfüllt hätten. Die Armee rückte deshalb am Sonntag aus den nordöstlichen Gebieten Gazas ab. Gleichzeitig erteilte sie der Bevölkerung dort grünes Licht, etwa nach Beit Lahia wieder zurückkehren zu können.

Die Opposition in Israel begrüßte den unilateralen Abzug, kritisierte aber Netanjahu für den Boykott der Gespräche in Kairo. Damit verspiele er die Chance einer diplomatischen Lösung, die moderate palästinensische Kräfte um Präsident Mahmud Abbas gegenüber der Hamas stärken könne, sagte die Meretz-Vorsitzende Zahava Gal-On. Dies zeige, dass Netanjahu nur den militärischen Konflikt kontrollieren wolle, aber keine Friedensverhandlungen anstrebe. Derweil reiste eine palästinensische Delegation aus Ramallah nach Kairo, wo auch Vertreter von Hamas und dem Islamischen Dschihad eintrafen. In Jerusalem hieß es, man werde einen neuen Waffenstillstandsentwurf prüfen, sollte er zustande kommen. Nicht ausgeschlossen wird, dass in diesem Fall auch Israel eine Delegation nach Ägypten entsendet.

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Zugeständnisse machen: Die Verantwortlichen beider Seiten müssen jede noch so geringe Chance wahrnehmen, um diesen Gemetzel ein Ende zu bereiten. Hierbei sollte auch so mancher über seinen Schatten springen, um Zugeständnisse für einen "Friedensprozess" zu machen. Auch wenn die eine wie andere Seite, so manche Kröte schlucken muss. Geht es doch im Grunde genommen darum, ein noch größeres Blutvergießen zu vermeiden. Die Bilder welche bisher um die Welt gingen, sprechen doch diesbezüglich eine mehr als deutliche Sprache!

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